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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats Juli 2020

Echtes Tausendgüldenkraut Centaurium erythraea Rafn

Die Welt der deutschsprachigen Pflanzennamen ist groß, bunt und mitunter uneindeutig. So besitzt fast jede Pflanze mehrere deutsche Bezeichnungen, die aus unzähligen, teils regionalen Trivialnamen rühren. Sie entwuchsen ihrer historischen Bedeutung und Nutzung oder – wie im Falle des Echten Tausendgüldenkrauts – einem Missverständnis.

Das Echte Tausendgüldenkraut wurde in der Volksmedizin so vielfältig eingesetzt und wertgeschätzt, dass es nahelag, den bereits in der Antike verwendeten Namen Centaurium nach dem lateinischem centum aurei (100 Goldstücke) zunächst als Hundertgüldenkraut und dann übertreibend als Tausendgüldenkraut zu übersetzen. Tatsächlich soll der Gattungsname aber auf einen kräuterkundigen Zentauren der griechischen Sagenwelt Bezug nehmen, da dieser die Heilpflanze verwendet haben soll.

Die heilenden Fähigkeiten der Pflanze werden durch die Wahl zur Heilpflanze des Jahres 2004 sowie einer ganze Reihe volksmündlicher Namen wie Apothekerblum, Fieberkraut, Wundkraut oder Tausendkraft unterstrichen. Aufgrund ihrer Bitterstoffe wurde sie historisch vor allem bei Magen-, Leber- und Gallenleiden eingesetzt. Aktuelle Untersuchungen bestätigen Einsatzmöglichkeiten bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden.

Die ein- bis zweijährige Pflanze wird bis zu 50 cm hoch und treibt zwischen Juli und September rosarote, sternförmige Blüten. Bestäubt werden sie zu 90% von einer noch wenig beachteten Bestäubergruppe, den Schwebfliegen. Das Echte Tausendgüldenkraut liebt sonnige bis halbschattige, sommerwarme Standorte auf wechselfrischen bis wechselfeuchten, mäßig sauren und mäßig nährstoffreichen, schluffig-sandigen Böden. Geeignete Plätze findet es in Magerrasen, auf extensiven Weiden, an Waldrändern sowie in Ruderalgesellschaften offener Standorte. Oft werden flache Senken besiedelt, die im Winter überstaut waren und im Frühjahr lückige Vegetation aufweisen. Als kurzlebige Art benötigt das Tausendgüldenkraut nämlich jedes Jahr offene Bodenstellen zur Keimung.

Die Art ist in Europa sowie in Teilen Nord-Afrikas und des nördlichen Westasiens heimisch, vereinzelte Vorposten sind östlich des Kaspischen Meeres in Zentralasien zu finden. Das europäische Areal umfasst den Großteil des Kontinents bis auf Nordschottland, Skandinavien und Nordrussland.

Vor 1950 war das Echte Tausendgüldenkraut in nahezu ganz Deutschland zu finden, nur in den Mittelgebirgen und in großen Teilen des Tieflandes trat die Art eher selten auf. Heute ist es noch in Süd-, Mittel- und Westdeutschland relativ häufig und wird Richtung Norden und Ostdeutschland immer seltener. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist in Nordwest-Deutschland ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Seit 1980 wurde die Art zudem in großen Gebieten Süddeutschlands sowie in vielen Gebieten Nord- und Ostdeutschlands nicht mehr nachgewiesen. In Berlin ist die Heilpflanze selten und aufgrund eines langfristig starken Rückgangs stark gefährdet.

Maßnahmen zum Erhalt der Art bestehen im Schutz von Magerrasen, Saumgesellschaften, offenen Bodenstellen und wechselfeuchten Stellen. Die Fundorte müssen vor Versiegelung, Bebauung und Vermüllung geschützt werden. Anzustreben ist eine Flächenpflege durch extensive Mahd mit zwei Schnitten pro Jahr oder eine extensive Beweidung mit einem geringen Tierbesatz.

Da die Samen relativ langlebig sind, kann das Tausendgüldenkraut an ehemaligen Standorten durch Bodenstörungen aus der Samenbank im Boden aktiviert werden. Daher kann man die Art manchmal auch unverhofft finden.

Sollten Sie auf Ihren Spaziergängen einen dieser pflanzlichen Tausendsassas finden, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung per E-Mail mit Fotobeleg. Vielen Dank!

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