Pflanze des Monats September 2026
Blut-Storchschnabel Geranium sanguineum
Wenn sich die Blätter und Stängel des Blut-Storchschnabels (Geranium sanguineum) im Herbst intensiv rot färben, wird verständlich, woher die Pflanze ihren Namen hat. Doch der Bezug zum „Blut“ spielt auch in ihrer Geschichte eine Rolle: Wegen des hohen Gehalts an Gerbstoffen wurden die Rhizome in der Pflanzenheilkunde als „Blutkraut“ zur Blutstillung verwendet.
Vertraut im Garten – bedroht in der Natur
Während das Laub im Sommer eher unauffällig grün bleibt, fallen dann vor allem die leuchtend purpurroten Blüten ins Auge. Die ausdauernde Pflanze wird etwa 15 bis 50 Zentimeter hoch und wächst oft polsterartig in kleinen Gruppen. Sie besitzt charakteristisch tief eingeschnittene Blätter, deren Spreite fast bis zum Grund in meist sieben schmale, zugespitzte Abschnitte geteilt ist. Die einzelnen Blüten erscheinen von Juni bis August, manchmal bis in den September hinein. Auch die behaarten, meist niederliegenden bis aufsteigenden Stängel sind ein gutes Erkennungsmerkmal.
Wer den Blut-Storchschnabel aus dem eigenen Garten kennt, dürfte kaum vermuten, dass er in Berlin zu den seltensten Pflanzen unserer Stadtnatur gehört. Als attraktive Zierpflanze ist die Art verbreitet und wird auch gerne von Bienen, Schwebfliegen, Faltern und Käfern besucht. Zudem dient sie den Raupen zahlreicher Schmetterlingsarten als Nahrung. Die Bestände in Gärten dürfen jedoch nicht mit den natürlichen Vorkommen gleichgesetzt werden: In Berlin haben nur wenige Vorkommen einen natürlichen Ursprung. Diese etablierten Populationen konzentrieren sich vor allem auf größere Waldgebiete in den Randbezirken, etwa im Spandauer Forst, in Treptow-Köpenick und im Düppeler Forst. Der Blut-Storchschnabel ist in Berlin vom Aussterben bedroht.
Berlin am Rand des Verbreitungsareals
Der Blut-Storchschnabel ist ursprünglich in Europa verbreitet und reicht in seinem natürlichen Areal bis zum Ural und in den Kaukasus. Als Neophyt kommt er inzwischen auch in Nordamerika vor. In Deutschland ist die Art sehr ungleichmäßig verbreitet: Die Nordwestgrenze des geschlossenen Areals verläuft etwa von Mittel-Nordrhein-Westfalen bis in den Südwesten Mecklenburg-Vorpommerns. Neben Schwerpunkten in Mittel-, Südwest- und Süddeutschland gibt es einen weiteren, kleineren Verbreitungsschwerpunkt in Ost-Brandenburg und Berlin sowie Vorposten in Schleswig-Holstein. Damit liegen die Berliner Vorkommen des Blut-Storchschnabels bereits in einem eher randlichen Bereich seines Verbreitungsgebiets.
Wenn es für die Art zu dunkel wird
Als kalk- und lichtliebende Art ist der Blut-Storchschnabel auf offene, trockenwarme Lebensräume angewiesen. Er besiedelt vor allem trockene Wald- und Gebüschsäume, waldnahe Kalk-Trockenrasen sowie lichte Eichen- und Kiefernwälder. Gelegentlich ist er auch auf ruderalen Böschungen zu finden.
Eine der größten Gefahren für die Wildbestände der Art ist die zunehmende Beschattung ihres Lebensraums. Insbesondere invasive Gehölze wie die Robinie oder die Spätblühende Traubenkirsche oder dichte Bestände vom Landreitgras verdrängen die Art rasch. Unter starkem Lichtmangel kann der Blut-Storchschnabel zwar noch vegetativ überdauern, bildet jedoch keine fertilen Samen mehr aus. Die Bestände können dadurch zwar zunächst bestehen bleiben, sich aber nicht mehr generativ verjüngen – eine besonders kritische Entwicklung für die wenigen Berliner Populationen.
Schutz beginnt schon am Waldrand
Zum Schutz der Art gilt es daher, ihre lichten und trockenen Lebensräume zu erhalten und geeignete Waldsäume und -strukturen durch Pflege offenzuhalten. Und auch im eigenen Garten kann man etwas beitragen: Gartenabfälle und überschüssige Gartenpflanzen sollten niemals in der freien Natur entsorgt werden. Denn die natürlichen Berliner Vorkommen des Blut-Storchschnabels unterscheiden sich genetisch von den Gartenformen und sind ein Teil unserer schützenswerten Berliner biologischen Vielfalt. Sie sollten nicht durch Gartenformen verändert oder verdrängt werden.
Sollten Sie auf Ihren Spaziergängen in Berliner Waldgebieten und deren Säumen eine solche Pflanze finden, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung über das Artenfinderportal mit Fotobeleg. Vielen Dank!
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