Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats März 2026

Sumpf-Dotterblume Caltha palustris L.

Wenn nach dem Winter wieder Farbe in die Landschaft zurückkehrt, zählt die Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris) zu den auffälligeren frühen Erscheinungen. Ihre etwa fünf Zentimeter großen, dottergelben Blüten leuchten besonders an nassen Wiesen, Grabenrändern und Bachufern und sind schon aus einiger Entfernung zu erkennen. Die Blüten zeigen sich bereits ab April bis in den Juni hinein.

Die ausdauernde Art wird meist 15 bis 30 cm hoch. Zur sicheren Wiedererkennung tragen nicht nur die Blüten bei, sondern auch ihre glänzenden, dunkelgrünen Blätter, die herz- bis nierenförmig sind und mit bis zu 15 cm Durchmesserrecht groß werden können und oft dichte Polster bilden.

Wie viele Hahnenfußgewächse enthält die Pflanze giftige Inhaltstoffe – ein Grund, warum sie vom Weidevieh gemieden wird. Gleichzeitig wurde die Sumpf-Dotterblume historisch vielfältig vom Menschen genutzt: etwa als Färbe- oder Nahrungsersatzpflanze oder in der Heilkunde. Heute spielt diese Verwendung praktisch keine Rolle mehr. 

Eine Besonderheit liegt jedoch in ihrer engen Bindung an nasse Standorte — und in den vielfältigen Anpassungen, mit denen sie dort bestehen kann.

Ein Bauplan im Zeichen des Wassers

Das Element Wasser bestimmt Bau und Lebensweise der Sumpf-Dotterblume in besonderem Maße. Lufterfüllte Gewebe in Blättern und Wurzeln ermöglichen die Sauerstoffversorgung in wassergesättigten Böden, während dicke, hohle Stängel zur inneren Durchlüftung beitragen. Wasser ist damit nicht nur Standortbedingung, sondern strukturbildender Faktor für die Pflanze selbst. Die Sumpf-Dotterblume ist daher ein geeigneter Indikator für staunasse Bedingungen.

Auch die Fortpflanzung der Sumpf-Dotterblume ist eng an diese Bedingungen angepasst. Ihre Blüten bieten reichlich Pollen und Nektar und werden von Fliegen, Käfern, Bienen und anderen Insekten besucht. Bestäuber die UV-Licht sehen können, werden von speziellen Saftmalen auf den Blüten angelockt und gezielt zum Nektar geführt. Gleichzeitig erlaubt Regen eine zusätzliche Strategie: Denn auch dann bleiben die Blüten geöffnet, und das Regenwasser verteilt den Pollen direkt auf die Narbe, wodurch auch Selbstbestäubung möglich wird.

Bei der Ausbreitung setzt sich diese enge Verbindung zum Wasser fort. Reife Früchte wirken wie kleine Regenschleudern: Auftreffende Wassertropfen katapultieren die Samen aus den geöffneten Balgfrüchten. Die Samen sind außerdem schwimmfähig und können entlang von Gewässern verdriftet werden — ein effektiver Mechanismus, um neue geeignete Standorte zu erreichen.

Zwischen Aue und Feuchtwiese — Lebensräume mit hohem Wert

Die Art kommt in großen Teilen der Nordhalbkugel vor und ist weit verbreitet; auch in Deutschland ist sie nahezu flächendeckend anzutreffen. Typische Standorte sind nährstoffreiche Feucht- und Sumpfwiesen, Quellen, Bach- und Grabenränder sowie Ufersäume oder Auenwälder. 

Besonders extensiv genutzte Feuchtwiesen zählen zu den artenreichsten Biotopen unserer Kulturlandschaft. Ihre ökologische Qualität hängt jedoch stark von der Bewirtschaftung ab. Intensivierung, Entwässerung, Brachfallen oder ungeeignete Mahdzeitpunkte führen rasch zu Artenverlusten und Veränderungen in der Artenzusammensetzung. Gezieltes Pflegemanagement kann solche Bestände wieder positiv fördern.

Weit verbreitet — und dennoch rückläufig

Trotz ihrer weltweiten Verbreitung ist die Sumpf-Dotterblume kein selbstverständlicher Bestandteil unserer Landschaft. In Berlin und Brandenburg gilt sie als gefährdet, und auch bundesweit sind ihre Bestände zurückgegangen. 

In Berlin ist die Sumpf-Dotterblume sehr unregelmäßig verbreitet. Während auf einzelnen Feuchtwiesen größere Bestände vorkommen, fehlt sie entlang vieler größerer Gewässer inzwischen weitgehend. Verbreitungsschwerpunkte liegen vor allem im Norden der Stadt, etwa im Tegeler Fließtal, sowie in Feuchtgebieten im Südosten Berlins. Ansonsten tritt sie meist nur zerstreut in kleinen, isolierten Populationen auf.

Ursachen für den Rückgang sind vor allem Nutzungsaufgabe oder Intensivierung von Grünland, Grundwasserabsenkung sowie Entwässerung von Feuchtwiesen und Sumpfstandorten sowie der Gewässerausbau. Dadurch schrumpfen Populationen häufig auf kleine Restvorkommen zusammen oder verschwinden ganz.

Mehr als nur ein Frühjahrsbote

Ihre Bedeutung für den Naturschutz in Berlin geht über die Art selbst hinaus. Als Zielart für den Biotopverbund weist sie auf eine intakte Vernetzung von Feuchtlebensräumen hin. Ihre Erhaltung und Förderung kann Mitnahmeeffekte für zahlreiche Arten mit ähnlichen Lebensraumansprüchen bewirken. 

Sollten Sie auf Ihren Spaziergängen entlang von Feuchtwiesen und Gewässern in Berlin eine solche Pflanze finden, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung über das Artenfinderportal mit Fotobeleg. Vielen Dank!

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