Pflanze des Monats Juli 2026
Mäuseschwanz-Federschwingel Vulpia myuros
Zwischen Bahnschotter, Pflasterritzen und trockenen Brachen findet der Mäuseschwanz-Federschwingel (Vulpia myuros) in Berlin seine bevorzugten Lebensräume. Das Süßgras ist an offene, nährstoffarme und regelmäßig gestörte Standorte angepasst – Lebensräume, die oft erst durch menschliche Nutzung entstehen.
Federwogen am Straßenrand
Der Mäuseschwanz-Federschwingel erreicht Wuchshöhen von 20 bis 50 cm und bildet charakteristische lange, schmale, oft überhängende Rispen. Diese haben zahlreiche schlanke Ährchen mit langen Grannen, welche die Deckspelzen deutlich überragen. Zur Blütezeit ist die Rispe oft rötlichbraun überlaufen. Die Blätter der Art sind eingerollt und deshalb borstenartig.
Die Pflanze erscheint meist in graugrüner bis gelbgrüner Farbe und trocknet später strohgelb ein. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni. Häufig erfolgt eine Selbstbestäubung bereits innerhalb der weitgehend geschlossenen Blüte (Kleistogamie). Dadurch kann die Art auch unter ungünstigen Bedingungen zuverlässig Samen bilden. Die Samen der einjährigen Art keimen im Herbst und bilden eine neue Generation.
Leben auf Sand und Schotter, hier ist Schmalhans Küchenmeister[
Der Mäuseschwanz-Federschwingel wächst vor allem auf trockenen, sehr nährstoffarmen, sandigen bis kiesigen Rohböden. Typische Standorte sind Bahngelände, Schotterflächen, Weg- oder Ackerränder und Pflasterritzen – dabei handelt es sich um sogenannte Ersatzhabitate. In der freien Landschaft kann man die Art auch in Trocken- und Halbtrockenrasen finden.
Als einjährige bis einjährig überwinternde Art besiedelt sie rasch offene Bodenstellen und produziert große Mengen kurzlebiger Samen. Unter den meist trockenen und nährstoffarmen Bedingungen bleibt die Konkurrenz durch andere Arten gering. Kleinere Störungen durch Tritt oder Bodenverwundung können sich häufig sogar positiv auf die Art auswirken, da sie konkurrenzarme Keimstellen schaffen und die Vegetation niedrig und lückig halten.
Weltweit verbreitet – in Berlin selten
Vulpia myuros ist ursprünglich im Mittelmeerraum, in Mitteleuropa sowie in West- bis Zentralasien verbreitet. Durch Verschleppung und ihre hohe Anpassungsfähigkeit ist die Art heute jedoch nahezu auf allen Kontinenten vertreten und in vielen Regionen als Neophyt etabliert.
In Deutschland liegt der Schwerpunkt in wärmeren und trockeneren Regionen des Flachlands. In Nordostdeutschland ist die Art dagegen vergleichsweise selten und erreicht hier die Nordostgrenze ihres natürlichen Areals. In Berlin gilt der Mäuseschwanz-Federschwingel als gefährdet, obwohl in den letzten Jahren eine zunehmende Besiedlung von Offenstandorten, v.a. in Pflasterritzen und an Wegrändern beobachtet werden konnte. Offenbar profitiert die Art von den trockenen und wärmebegünstigten Bedingungen urbaner Wärmeinseln.
Bedroht trotz Anpassungsfähigkeit
Obwohl der Mäuseschwanz-Federschwingel an vom Menschen geprägten Standorten vorkommt, sind seine Lebensräume vielerorts rückläufig. Gefährdungen entstehen vor allem durch Bebauung oder die Umgestaltung ehemals offener Ruderalflächen hin zu intensiv gepflegten Grünanlagen. In Berlin sind Vorkommen unter anderem durch die Umnutzung ehemaliger Bahnflächen betroffen. Gleichzeitig führt natürliche Sukzession häufig zu einer dichteren Vegetationsbedeckung und damit zum Verlust geeigneter Offenbodenbereiche.
Kleine Offenflächen mit großer Bedeutung
Zum Erhalt von Vulpia myuros ist die Sicherung offener, konkurrenzarmer Rohbodenstandorte entscheidend. Dazu gehören extensive Pflege, das Zulassen kleiner Störungen sowie der Erhalt von Ruderalflächen wie Brachen. Gerade in Berlin besteht dabei ein deutlicher Zielkonflikt: Viele innerstädtische Brachen und Offenflächen verschwinden durch Bebauung und den hohen Flächendruck zunehmend.
Der Mäuseschwanz-Federschwingel zeigt exemplarisch, welche Bedeutung urbane Ruderal- und Offenbodenstandorte für spezialisierte Pflanzenarten besitzen. Auch unscheinbare Schotterflächen, Brachen oder Pflasterritzen können wertvolle Lebensräume darstellen und tragen zur biologischen Vielfalt innerhalb der Stadt bei.
Sollten Sie den Mäuseschwanz-Federschwingel bei einem Spaziergang in Berlin finden, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung über das Artenfinderportal mit Fotobeleg. Vielen Dank!
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