Hilfe für kleine Gewässer

Zwischen Straßen, Spielplätzen und Schrebergärten liegen sie wie kleine, stille Juwelen: die mehr als 600 Kleingewässer Berlins. Viele von ihnen sind nur ein paar Schritte vom Alltag entfernt – und doch Welten für sich. Hier quaken Frösche im Frühjahr ihre Konzerte, Libellen tanzen über dem Wasser, und wer genau hinschaut, entdeckt Spuren eines Lebens, das sonst leicht übersehen wird.

Doch viele dieser Wasserperlen kämpfen ums Überleben. Sie verschlammen, verschatten, trocknen aus. Die Stiftung Naturschutz Berlin macht sich deshalb gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt auf, diesen stillen Orten neue Luft zum Atmen zu schenken.

Die Renaturierungsarbeiten sind Teil des Berliner Kleingewässerprogramms und wurden in enger Abstimmung mit den zuständigen Grünflächenämtern und Naturschutzbehörden durchgeführt. Mehrere Gewässer standen in diesem Herbst/Winter besonders im Fokus. Dazu gehören der Kleine und der Große Röthepfuhl in Neukölln sowie der Goebenteich in Steglitz.

Warum Kleingewässer so wichtig sind und oft unterschätzt werden

Kleingewässer sind wahre Multitalente, denn sie sind

  • Lebensraum für Amphibien, Insekten und seltene Pflanzen.
  • Orte der Erholung für Menschen.
  • wichtige Bausteine für die klimaangepasste Stadt, weil sie Hitze puffern und Feuchtigkeit speichern.
  • Trittsteine für Tiere und Pflanzen in einem großen Netzwerk.

All das gelingt aber nur, wenn die Gewässer nicht überwuchert werden und das Wasser nicht gleich über die Vegetation verdunstet.

Die Röthepfuhle in Neukölln

Im Landschaftsschutzgebiet Röthepfuhl, zwischen Waltersdorfer Chaussee und „Am Espenpfuhl“, liegen zwei natürlich entstandene Teiche, der Kleine und der Große Röthepfuhl. Am Kleinen Röthepfuhl hatte sich ringsum ein dichter Gehölzsaum gebildet, so dass ein Großteil des Gewässers im Schatten lag.

Auch das Ufer des Großen Röthepfuhls wuchs von außen immer mehr mit Brombeeren, jungen Weiden und anderen Gehölzen zu. Die vorhandene Infrastruktur zur Einleitung von Brunnenwasser war vollständig überwuchert und nicht mehr zugänglich. Die Aufgabe an beiden Gewässern lautete: Auflichten, freistellen, Lebensraum zurückgeben.

 Das anfallende Material wurde dabei nicht einfach entsorgt. Es wurde genutzt, um kleine Totholzstrukturen zu schaffen, die wiederum als Verstecke und Lebensraum für verschiedene Tiere dienen

vorher Röthepfuhl
Vorher
nachher Röthepfuhl
Nachher

Der Goebenteich in Steglitz

Mitten im Steglitzer Stadtpark liegt der Goebenteich, ein Ort, der durch die riesigen Weiden und andere Gehölze und die Lage in einer Senke fast märchenhaft wirkt. 

In letzter Zeit waren durch starke Stürme jedoch mehrere große Weiden bzw. Teile davon in den Teich gestürzt. Statt Wasser sah man Wurzeln, Kronen und Äste aus denen neue Weiden austrieben Im Rahmen der Maßnahmen wurden die mächtigen Stämme und Kronen aus dem Teich entnommen und zu Schichtholzhecken verarbeitet bzw. aufgeschichtet. Das Ziel ist den Teich und die darin lebenden Tiere und Pflanzen vor Trittschäden zu schützen.   

Goebenteich vorher
Vorher
Goebenteich nachher
Nachher

Ein neues Kapitel für Berlins Kleingewässer

Diese Renaturierungsmaßnahmen mögen klein wirken – ein paar Gehölze hier, ein bisschen Auflichtung dort. Doch für Amphibien, Wasserpflanzen und Insekten ist es ein Unterschied zwischen Leben und Sterben. Wenn wieder Licht auf die Wasserfläche fällt, wenn sich Totholz in wertvolle Rückzugsräume verwandelt, wenn der Schatten weicht und der Teich wieder atmen kann – dann beginnt die Natur sich zu regenerieren. 

Die Röthepfuhle und der Goebenteich sind die ersten Kleingewässer, die die Stiftung Naturschutz im Rahmen des neuen Aufgabenschwerpunkts Kleingewässer und Moore aufgewertet hat. In den nächsten Jahren sollen möglichst viele weitere folgen. Dafür baut die Stiftung ein breites Netzwerk aus Akteuren auf und beantragt Gelder aus verschiedenen Programmen, die den sensiblen Lebensräumen zur Verfügung stehen.

Fotos: Stiftung Naturschutz Berlin / P. Rall