Archiv Pflanzen des Monats
Traubige Trespe Bromus racemosus
Die Pflanze des Monats im Dezember ist ein Süßgras von eher unscheinbarer und zurückhaltender Gestalt, das in diesem Jahr nach längerer Abwesenheit wieder gesichtet wurde. Für die meisten Menschen würde es wahrscheinlich unsichtbar im Gräsermeer der Kulturlandschaft versteckt bleiben. Dennoch ragt es meist leicht aus der umgebenden Vegetation empor und bleibt zumindest Kenner*innen nicht verborgen. Ist es in einer Wiese vorhanden, ist das ein Indikator für eine naturnahe Wiesennutzung. Mit dem Wiegen seiner derben und leicht glänzenden Rispen in der frühsommerlichen Brise macht unser Highlight dieses Monats, die Traubige Trespe (Bromus racemosus), auf sich aufmerksam.
Ein Gras wie viele andere und doch einzigartig
Wie viele andere Süßgräser kommt auch Bromus racemosus von Juni bis Juli zur Hauptblüte und verbreitet seinen Pollen mit dem Wind. Die winterannuelle Art wächst 30–100 cm hoch mit locker stehender, leicht seitwärts gebogener Rispe mit Ährchen, die sich der Länge nach dachziegelartig überdecken. Kahle und begrannte Deckspelzen mit schmalem Hautrand und gleichmäßig gebogener Außenlinie sind sehr gute Erkennungsmerkmale für diese Art. Typisch für die Gattung Bromus ist eine geschlossene Blattscheide. Bei der Traubigen Trespe sind die unteren Blattscheiden zudem behaart. Ihre Blattspreiten sind schwach gerieft und an den Rändern auffallend lang flaumig behaart.
Eine unscheinbare Art, dennoch Teil artenreicher Lebensgemeinschaften feuchter Standorte
Die Traubige Trespe wächst vor allem in tieferen Lagen, bevorzugt auf Feuchtwiesen mit sicker-grundfeuchten Böden und meist auf kalkarmen Standorten mit etwas höherem Nährstoffangebot. Eine intensive Nutzung mit häufiger Mahd lässt die Art jedoch schnell verschwinden. In Berlin wurde die Art in artenreichen Feucht- und Frischwiesen nachgewiesen. Die Art wird als etwas wärmeliebend und frostempfindlich beschrieben.
Verbreitung
Bromus racemosus ist in Europa heimisch und gehört zu den subatlantischen bis submediterranen Florenelementen. Sein Areal reicht von Nordspanien über Mittelengland bis nach Südskandinavien, im Osten bis Polen und im Südosten bis Bulgarien. Die Art meidet ausgesprochen kontinentale Gebiete. Außerhalb Europas tritt sie in Nordamerika und Neuseeland als Neophyt auf.
In Deutschland kommt sie vor allem in Nordwest-, West- und Südwestdeutschland gebietsweise etwas häufiger vor; nach Osten nimmt die Häufigkeit deutlich ab. In Nordostdeutschland ist Bromus racemosus selten. In Brandenburg liegen bekannte Vorkommen vor allem in der Prignitz sowie im Bereich Luckenwalde–Treuenbrietzen.
In Berlin ist die Art heute nahezu verschwunden. Das einzige aktuell bestätigte Vorkommen existiert in einer Feuchtwiese im NSG Eiskeller und Spandauer Luchwald. Historische Fundorte in Heiligensee, Wittenau, Lübars, Spandau sowie im Spreetal und in den Rudower Wiesen gelten seit Jahrzehnten als erloschen.
So wie extensive Feuchtwiesen ist auch die Art heute meist verschwunden
Wie viele Wiesenarten, die auf traditionelle Nutzung angewiesen sind, reagiert Bromus racemosus empfindlich auf Brachfallen oder zu intensive Nutzung, Düngung und das Trockenlegen feuchter Standorte und verschwindet dann schnell. Zwar bildet die Art reichlich Samen, die meist direkt nach der Reife im Boden keimen. Dadurch fehlt ihnen aber eine ausgeprägte Dormanz. Das bedeutet, dass kaum Samen im Boden überdauern, die Jahre ohne erfolgreiche Samenbildung überbrücken könnten. Daher ist die Chance einer Wiederetablierung der Art nach dem Verschwinden an einem Standort relativ unwahrscheinlich. Bestehende Vorkommen der Traubigen Trespe sind deshalb besonders empfindlich gegenüber Nutzungsänderungen und unbedingt zu erhalten.
Maßnahmen
Auch die Feuchtwiese am letzten verbliebenen Berliner Fundort sollte dauerhaft extensiv genutzt bzw. gepflegt werden. Um einem zufälligen Aussterben der einzigen Berliner Population vorzubeugen, könnten im Umfeld ähnliche extensiv genutzte Feuchtwiesen gesucht oder entwickelt werden, die für eine Ansiedlung der Art geeignet erscheinen. Mit Hilfe von Vermehrungskulturen könnten Ausbringungen an diesen Standorten erfolgen, um die Art dort anzusiedeln. Mit Hilfe eines passenden Mahdregimes, welches der Art die Ausbildung von reifen Samen ermöglicht, könnte die Entwicklung der Populationsgröße positiv beeinflusst werden.
Sollten Sie auf Ihren Spaziergängen in Berlin eine solche Pflanze finden, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung über das Artenfinderportal mit Fotobeleg. Vielen Dank!
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