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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats November 2023

Spiegelndes Laichkraut Potamogeton lucens L.

Die Badezeit ist inzwischen vorbei, doch mit unserer Pflanze des Monats November begeben wir uns mutig ins kalte Nass. Auch in unseren Breiten gibt es eine hohe Anzahl an Pflanzenarten, die sich an den Lebensraum Süßwasser angepasst haben. Einmal abgesehen von den opulent blühenden Seerosen fallen diese den meisten Menschen allerdings selten auf, außer eine von ihnen verheddert sich beim Baden in den Beinen.

Zu einer der größten Gattungen von Wasserpflanzen zählen die Laichkräuter (Potamogeton) mit weltweit etwa 90 Arten, von denen über 20 in heimischen Gewässern vorkommen. Ihr Name leitet sich vom griechischen potamos (Strom, Fluss) und geiton (Nachbar) ab und weist auf ihren Lebensraum in Flüssen und Seen hin. Auch das Spiegelnde Laichkraut (Potamogeton lucens) zählt dazu. Bekannt könnte die Art bei Besitzer*innen von Gartenteichen sein, die sich um eine naturnahe Bepflanzung ihrer künstlichen Gewässer bemühen.

Hecken unter Wasser

In der Natur wächst das Spiegelnde Laichkraut in stehenden oder langsam fließenden Gewässern. Es wurzelt im sandigen oder schlammigen Untergrund und ist in klaren Gewässern bis zu einer Tiefe von 6 m anzutreffen. Die Pflanze ist mehrjährig und bildet bis zu 1 cm dicke, verzweigte Rhizome im Boden, aus denen oft in großer Zahl neue Sprosse wachsen. Diese können in tiefen Gewässern bis zu 6 m lang werden und wirken fast wie „Hecken“ unterhalb der Wasserlinie. Bis auf die Blütenstände befindet sich die gesamte Pflanze unter Wasser und bildet ausschließlich Tauchblätter. Schwimmblätter, welche bei vielen anderen Arten in der Gattung Potamogeton vorkommen, werden nicht ausgebildet. Die Blätter sind hellgrün, glänzend und durchscheinend häutig. Sie werden 10 bis 35 cm lang und bis zu 5 cm breit. Charakteristisch ist ihre deutliche Quernervatur und ein kräftiger Mittelnerv, der am Blattende in einer Stachelspitze endet. An der Blattbasis befindet sich ein 4 bis 8 cm langes Nebenblatt. Von Juni bis September werden die ährenförmigen Blütenstände gebildet. Diese werden 3 bis 6 cm lang, sind dicht mit Blüten besetzt und befinden sich an bis zu 30 cm langen und verdickten Ährenstielen, welche aus dem Wasser herausragen. Wie bei allen Laichkräutern sind die Blüten unscheinbar. Kronblätter fehlen, stattdessen befinden sich an den vier Staubblättern kronblattähnliche, grüne Anhängsel. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind, manchmal auch durch das Wasser. Die etwa 4 mm kleinen, rundlichen Steinfrüchte werden durch Wasserströmungen und Wasservögel ausgebreitet und können eine sehr langlebige Samenbank im schlammigen Untergrund bilden. Eine Vermehrung erfolgt aber häufig auch durch Ausläufer und Sprossbruchstücke, welche im Wasser treiben und an günstigen Stellen wurzeln.

 

Ein Quartier für Fische

Der Lebensraum des Spiegelnden Laichkrautes sind Seen, Teiche, Flüsse und ihre Altarme, aber auch Gräben und Bergbaugruben. Dabei bevorzugt es natürlicherweise nährstoffreiche, also eutrophe Gewässer. Bei starker Wasserverschmutzung verschwindet es allerdings. Da es häufig größere Bestände bildet, bieten seine verzweigten Sprosse mit ihren großen Blättern einen wichtigen Rückzugsraum für Fische und andere Tiere.

Die Vorkommen des Spiegelnden Laichkrauts finden sich in einem weitläufigen Areal, welches sich von den Pyrenäen und den Britischen Inseln bis nach Sibirien erstreckt. Im Norden reicht es bis ins südliche Skandinavien und südliche Finnland, im Süden bis Mittelitalien und Griechenland. Charakteristisch ist es für die Region des großen, Eurasien durchziehenden Laubwaldgebietes. Kleinere Vorposten finden sich zum Beispiel im nördlichen Marokko und im Kaukasus.

Deutschland gehört zum Hauptareal von Potamogeton lucens. Die Vorkommen im Flachland häufen sich besonders entlang des Verlaufs größerer Flüsse. Im Nordosten kommt es gehäuft in der Mecklenburgischen Seenplatte und der Uckermark vor. Von Nordwestdeutschland bis Süddeutschland ist allerdings seit den 1950er Jahren ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.

 

Motorboote und andere Gefährdungen

Man sollte denken, dass das Spiegelnde Laichkraut durch seine Bevorzugung nährstoffreicher Gewässer nicht gefährdet ist. Allerdings fördern Nährstoffeinträge auch das Algenwachstum, wodurch das Wasser trübe und die Photosynthese erschwert wird. Ähnlich wirkt Motorbootverkehr, welcher Schwebstoffe aufwirbelt. Überhaupt macht der Ausbau und die Nutzung von Gewässern als Verkehrsweg der Art zu schaffen. Entkrautungen und Entschlammungen können ebenfalls Bestände vernichten. Bei regelmäßiger Entschlammung wird die langlebige Samenbank entfernt, sodass eine Neubesiedlung aus Samen nicht mehr möglich ist.

So ist die einst häufige Art deutschlandweit im Rückgang und steht inzwischen auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Noch schlimmer sieht die Situation in Berlin aus. Potamogeton lucens gilt hier nach starkem Rückgang als vom Aussterben bedroht. Ehemalige Bestände im Wannsee, der Havel oder dem Tegeler See sind verschwunden. Größere Vorkommen gibt es nur noch in wenigen Gewässern im Osten der Stadt, z.B. in Marzahn-Hellersdorf und in Treptow-Köpenick.

Um diese zu schützen und wieder eine Ausbreitung des Spiegelnden Laichkrautes zu ermöglichen, gilt es die Wasserqualität zu verbessern. Wichtige Maßnahmen sind hier die Einschränkung des Motorbootverkehrs, vor allem in ruhigen Bereichen von Seen und in Altarmen von Flüssen sowie die Verringerung von Nährstoffeinträgen aus der Landwirtschaft. So werden Schwebstoffe und Algenteppiche im Wasser vermindert, sodass tiefere Gewässerbereiche vom Licht erreicht werden können. Dies fördert neben dem Spiegelnden Laichkraut auch konkurrenzschwache Wasserpflanzen und nebenbei den Badespaß.

Sollten Ihnen auf Ihren Spaziergängen oder beim herbstlichen Baden das Spiegelnde Laichkraut begegnen, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung per E-Mail mit Fotobeleg. Und falls Sie sich dazu entschließen sollten, das Spiegelnde Laichkraut in Ihrem naturnahen Gartenteich anzupflanzen, achten Sie unbedingt darauf, Pflanzen aus regionaler Herkunft zu verwenden. Umgekehrt sollten Sie auf keinen Fall aus Ihrem Gartenteich Pflanzen in Gewässer der freien Landschaft aussetzen. Das würde die heimischen Bestände gefährden.

Vielen Dank!

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