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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats April 2020

Echte Goldnessel Galeobdolon luteum Huds.

Mit ihren zahlreichen goldgelben Blüten, die sich zwischen Mai und Juli emporrecken, bringt die Echte Goldnessel Glanz in schattige Waldbereiche. Vor allem alte Wälder haben es der blühenden Schattenpflanze angetan. 

Die Echte Goldnessel ist eine 15 – 40 cm große Taubnessel, die zwischen Mai und Juli leuchtend gelb blüht. Ihre Blätter sind mitunter silbrig gefleckt. Sie vermehrt sich über Samen und Ausläufer und bevorzugt mäßig stickstoffreiche Böden in eher frischen Laubwäldern, gelegentlich auch in Hecken oder Gebüschen. Auf besonders stickstoffarmen oder -reichen Standorten ist sie hingegen nur selten zu finden.

Auch in Gärten sind schattenverträgliche Pflanzen mit hübschen Blüten ein gefragter Hingucker. Insbesondere dann, wenn sie dekorative Blätter besitzen, die den Garten das ganze Jahr hindurch zieren. Vermutlich war dies der Grund, aus besonders hübsch gefleckten Exemplaren der Echten Goldnessel eine neue Art, die Silberblättrige Goldnessel, zu züchten. Und ausgerechnet diese nahe Verwandte, die der Echten Goldnessel zum Verwechseln ähnlich sieht, bedroht die Vielfalt ganzer Ökosysteme. Bis auf die deutlichere Zeichnung der Blätter sind die zwei Arten nur schwer voneinander zu unterscheiden. 

Einen sicheren Beleg für den Ursprung der Silberblättrigen Goldnessel gibt es nicht. Fest steht, dass sie kein natürliches Verbreitungsgebiet besitzt und seit dem 19. Jahrhundert als Gartenpflanze gehandelt wird. Dabei hat sie längst den Sprung über den Gartenzaun hinaus in die freie Landschaft und hiesige Wälder geschafft. In großen Teilen Deutschlands ist sie mittlerweile neophytisch etabliert.

Das Verbreitungsgebiet der Echten Goldnessel hingegen erstreckt sich von Nordspanien über die Südhälfte Großbritanniens, Mitteleuropa, Südskandinavien, nördliche Teile Südeuropas bis zur Westküste des Schwarzen Meeres und ins russische Uralvorland. Im Großteil Deutschlands ist sie zerstreut bis gemein verbreitet. Ausnahmen bilden die Voralpen- und Alpenregionen, in denen sie gar nicht vorkommt, sowie Baden-Württemberg, wo sie nur vereinzelt zu finden ist.

Die Art ist vor allem durch die Austrocknung ihrer frischen Standorte, z. B. aufgrund von Grundwasserabsenkungen, sowie der Eutrophierung ihrer Standorte, etwa durch Stickoxide aus der Luft oder landwirtschaftliche Tierhaltung, gefährdet. Durch die Nährstoffanreicherung werden aufwachsende Gehölze oder stickstoffliebende, raumgreifende Arten wie die Brennnessel gefördert. Sie können die Echte Goldnessel in der Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe verdrängen. 

Einen speziellen Fall bilden invasive Arten wie die eingangs erwähnte Silber-Goldnessel. Sie gedeiht auch bei einem reicheren Nährstoffangebot prächtig. Sie wächst und vermehrt sich schneller als die Echte Goldnessel und bildet dabei eine dichte Vegetationsdecke, in deren Konkurrenz nur sehr wenige andere Pflanzenarten bestehen können. Studien haben belegt, dass die Silber-Goldnessel ihre Standorte nachhaltig verändert, indem ihre Vorkommen die Artenzahl reduzieren und den Nährstoffgehalt weiter anheben. 

Dieser Verlust der pflanzlichen Artenvielfalt ist ein großer Nachteil für die gesamte Lebensgemeinschaft und betrifft z. B. die bestäubenden Insekten. Das üppige Nektarangebot der Silber-Goldnessel hat für sie keinen Nutzen, wenn danach Fastenzeit herrscht, weil sämtliche später blühenden Pflanzen verdrängt wurden. Auch bienenumschwärmte Nektarquellen können so eine ökologische Falle darstellen. Vermeiden Sie dies durch die Auswahl heimischer Arten. Gartenabfälle sollten aufgrund ihres Gehalts an Nährstoffen und Pflanzenteilen nicht in der freien Landschaft entsorgt werden. Für ihre Entsorgung gibt es Angebote der BSR. Zudem stellt das Kompostieren im eigenen Garten eine Alternative dar. 

Maßnahmen zum Erhalt der Echten Goldnessel bestehen in der Förderung standortgerechter Waldgesellschaften. An nährstoffreichen Standorten erfordert dies beispielsweise eine Lenkung der Sukzession durch die gezielte Entnahme von Junggehölzen. An ausgetrockneten Standorten sollte der Grundwasserstand wieder angehoben werden.

Sollten Sie auf Ihren Spaziergängen solch ein goldiges Pflänzlein finden, freuen wir uns über eine Fundmeldung per E-Mail mit Fotobeleg. Vielen Dank!

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