Vom Aussterben bedroht und jetzt ausgezeichnet
Berliner Florenschutzprojekt unter den TOP 10 der UN-Dekade

Im Nordwesten Berlins liegt ein echter Naturschatz. Auf bis zu 30 Meter hohen Dünen versteckt, die noch aus der Eiszeit stammen. Hier wächst im Naturschutzgebiet Baumberge in Heiligensee eine Pflanzenwelt, die extrem selten geworden ist – und jetzt bundesweit Aufmerksamkeit bekommt. Denn ein gemeinsames Projekt der Stiftung Naturschutz Berlin und des Botanischen Gartens Berlin hat es beim UN-Dekade-Projektwettbewerb 2025 zum Thema „Stadtnatur im Fokus” unter die Top 10 geschafft. Ausgezeichnet wurde das Projekt „Florenschutz im NSG Baumberge“ in der Kategorie „Renaturierung“. Der Wettbewerb zeichnet Projekte aus, die natürliche Lebensräume wiederherstellen, pflegen oder erhalten – und dabei andere Menschen zum Mitmachen motivieren.
Warum die Baumberge so besonders sind
Die Baumberge sind ein besonderes Naturschutzgebiet. Sie bestehen aus seltenen Sandtrockenrasen, die früher viel weiter verbreitet waren. Heute gibt es davon nur noch kleine, stark gefährdete Restflächen. Genau hier setzt das Projekt an: Diese besonderen Lebensräume sollen nicht nur erhalten, sondern langfristig wieder stabilisiert werden.
Im Mittelpunkt stehen Pflanzen, die man in Berlin fast verloren hatte – darunter die Duft-Skabiose, das Grünblütige Leimkraut und die Schwärzliche Wiesen-Küchenschelle. Teilweise existierten sie zeitweise nur noch mit einer Handvoll Exemplaren. Ihre Rettung begann schon vor Jahrzehnten: Samen wurden gesammelt, im Botanischen Garten vermehrt und später gezielt wieder in den Baumbergen angesiedelt. Mit Erfolg – heute befinden sich hier die größten Bestände dieser Arten in der Region.
Und wo seltene Pflanzen wachsen, profitieren auch Tiere: Selbst hochspezialisierte Arten wie der vom Aussterben bedrohte Kiesbank-Grashüpfer haben hier wieder einen Lebensraum gefunden.
Teamwork für die Stadtnatur
"Die Platzierung unter den Top 10 ist eine großartige Anerkennung für jahrzehntelanges Engagement im Berliner Artenschutz“, sagt Justus Meißner von der Stiftung Naturschutz Berlin. Das Projekt zeigt, wie viel möglich ist, wenn Fachwissen, Weitsicht und Zusammenarbeit zusammenkommen.
Überhaupt erst ermöglicht und begleitet wird das Projekt durch die Oberste Naturschutzbehörde (ONB) der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Das Team für das Schutzgebietsmanagement hat insbesondere Gehölzaufwuchs gerodet und sensible Flächen eingezäunt und so überhaupt erst die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wiederansiedlung geschaffen. Die ONB kümmert sich zudem regelmäßig um die erforderliche Pflege des Naturschutzgebietes und setzt weitere Entwicklungsmaßnahmen in den Baumbergen um.
Dr. Elke Zippel, wissenschaftliche Leiterin der Dahlemer Saatgutbank am Botanischen Garten, betont, wie wichtig ein langfristiger Ansatz ist: „Unsere hochgradig gefährdeten und seltenen heimischen Pflanzenarten bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Universitäre Botanische Gärten spielen mit ihrer Expertise in Anzucht und Vermehrung von Wildpflanzen und der Einbettung in die aktuelle Forschung eine zentrale Rolle im Botanischen Artenschutz. Ich freue mich, dass unsere Arbeit zunehmend Aufmerksamkeit und Wertschätzung bekommt.“
Erfolgreicher Artenschutz ist also kein Sprint, sondern braucht einen langen Atem. Ohne kontinuierliche Pflege, Monitoring und Forschung geht es nicht. Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg: Menschen, die mit anpacken. Ehrenamtliche bringen Pflanzen mit aus, beteiligen sich jährlich daran, die Bestände zu zählen, und unterstützen bei Pflegemaßnahmen.
Die Ansiedlungen der Duft-Skabiose erfolgten im Rahmen des Projektes „Wildpflanzen-Schutz in Deutschland“ (WIPs-De), das von 2013 bis 2025 vom Bundesprogramm Biologische Vielfalt / Bundesamt für Naturschutz gefördert wurde.
Der erste Preis des UN-Dekade-Wettbewerbs ging an ein anderes Berliner Projekt, das die Stiftung 2023 bereits mit dem Berliner Naturschutzpreis ausgezeichnet hat: den „Blühenden Campus“ der Freie Universität Berlin. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch!
Die prämierten Projekte zeigen eindrucksvoll, dass Artenschutz mitten in der Stadt funktioniert, wenn man gemeinsam anpackt.
Autorin: S. Bengelsdorf


