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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats Juli 2024

Schopf-Kreuzblümchen Polygala comosa SCHKUHR

Unsere Pflanze des Monats zieht mit ihrer grazilen Blütenpracht alle Blicke auf sich. Das Schopf-Kreuzblümchen (Polygala comosa) fasziniert von Mai bis August mit seinen leuchtend violetten Blütenständen, die wie kleine Zöpfe aus den Wiesen und Waldsäumen herausragen.

Der Name ist Programm, gleich in doppelter Hinsicht

Das Schopf-Kreuzblümchen gehört zur Familie der Kreuzblumengewächse (Polygalaceae). Die besondere Blütenform wird durch zwei große, kronblattartige Kelchblätter bestimmt, die sich flügelartig ausbreiten und das namensgebende Kreuz formen. Drei Kronblätter sind miteinander verwachsen, wobei das untere Kronblatt schiffchenartig nach vorn steht und fein gefranste Anhängsel besitzt. Die dichten Trauben aus purpurvioletten Kronblättern werden von schmalen Deckblättern überragt und erinnern an einen Schopf. Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet und linealisch bis verkehrt-eiförmig.

Die Bestäubung erfolgt meist selbst, aber auch Schmetterlinge und Wildbienen besuchen seine Blüten. So dient Polygala comosa als Futterpflanze des in Brandenburg sehr selten gewordenen Kreuzblumen-Bunteulchens (Phytometra viridaria). 

Häufig in Gesellschaft anderer seltener Pflanzen

Die 15 bis 30 cm hohe Pflanze wächst auf mageren, trockenen und kalkhaltigen Böden. Sie ist ein mediterran-mitteleuropäisches Steppenelement und somit oft mit seltenen Arten wie der Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa) und der Blaugrünen Segge (Carex flacca) vergesellschaftet. Die ausdauernde Pflanze bevorzugt sonnige, warme Halbtrocken- und Trockenrasen, kann aber auch in angrenzenden Lebensräumen wie (wechsel)trockenen Frischwiesen und in den Übergängen zu Pfeifengraswiesen gefunden werden.

Polygala comosa ist im Wesentlichen eine europäische Art, kommt aber auch am Rande von Westsibirien und Vorderasien (Kaukasus) vor. In Europa reicht das Verbreitungsgebiet von den Pyrenäen, über die Südhälfte Frankreichs, große Teile Mitteleuropas, Südost- und Osteuropas bis zum Ural. In Deutschland erreicht die Art die Nordgrenze ihres Verbreitungsareals und fehlt in Nordwestdeutschland. Sie konzentriert sich in den zentralen Mittelgebirgen und ist im westlichen Teil Deutschlands, in Sachsen und südlich der Donau spärlicher vertreten. In Nordostdeutschland ist die Art selten, mit Verbreitungsschwerpunkten in Mittelbrandenburg inklusive Berlin und in Nordostbrandeburg entlang der Oder.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts verzeichnet die Art Verluste ihrer Vorkommen außerhalb ihres Kerngebiets, verstärkt in Süddeutschland. In Berlin ist das Schopf-Kreuzblümchen bereits vom Aussterben bedroht und konnte in der jüngeren Vergangenheit nur noch an wenigen Orten nachgewiesen werden. Der Rückgang ist hauptsächlich auf den Verlust des Lebensraumes durch Intensivierung der Landwirtschaft oder Verbrachung zurückzuführen. 

Zum Schutz der Art und zur Erhaltung ihrer Lebensräume ist eine extensive Wiesenmahd oder Beweidung mit geringer Besatzdichte entscheidend. Diese Pflege wird häufig durch den Vertragsnaturschutz gesichert, der Landwirte finanziell unterstützt. Dadurch lohnt sich die Arbeit für die Landwirte, und die Flächen können weiterhin extensiv genutzt werden. 

Oftmals wird die Mahd zusätzlich abschnittsweise und zeitlich versetzt durchgeführt. Dies stellt sicher, dss Pflanzenarten Samenstände zur vollen Fruchtreife entwickeln können und Tiere das ganze Jahr über einen geeigneten Lebensraum vorfinden. 

Um die Bestände des Schopf-Kreuzblümchens zu stabilisieren oder die Art wieder an erloschenen Standorten anzusiedeln, ist es möglich, Mahdgut von sogenannten Spenderflächen, in denen die Art noch vorkommt, zu übertragen. Diese Methode wurde bereits erfolgreich im Naturschutzgebiet „Eiskeller und Spandauer Luchwald“ im Nordwesten Berlins durchgeführt.

Sollten Sie auf Ihren Spaziergängen eine solche Pflanze finden, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung per E-Mail mit Fotobeleg. Vielen Dank!

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