Berliner Schwäne in Not

Warum derzeit so viele Wildvögel sterben und wie Sie helfen können

Tote oder geschwächte Schwäne am Ufer oder eingefroren auf dem Eis – viele Berlinerinnen und Berliner sind in diesen Wintertagen mit Bildern konfrontiert, die tief berühren. Besonders rund um den Landwehrkanal ist das Leid der Tiere derzeit sichtbar. Die Betroffenheit ist groß, ebenso der Wunsch zu helfen. Doch was steckt hinter dem aktuellen Geschehen und was bedeutet es für die Wildvögel in unserer Stadt?

Mehrere Faktoren kommen zusammen

Die aktuelle Situation hat keine einzelne Ursache, sondern ist wahrscheinlich das Ergebnis mehrerer ungünstiger Faktoren, die zusammenkommen.

„Eigentlich sind Wasservögel gut an winterliche Temperaturen angepasst“, erklärt Derk Ehlert, der Wildtierexperte der Senatsumweltverwaltung (SenMVKU). „Der anhaltende kalte Winter mit zugefrorenen Gewässern erschwert den Tieren die Nahrungssuche jedoch erheblich“. Natürliche Futterquellen sind schwer erreichbar, die Schwäne sammeln sich zusammen mit anderen Wasservögeln an wenigen eisfreien Stellen. Dort stehen sie unter Stress, sind geschwächt und anfälliger für Krankheiten.

Hinzu kommt die Zufütterung durch Menschen. Auch wenn sie gut gemeint ist: Sie führt dazu, dass viele Schwäne am zugefroren Gewässer bleiben, das sie sonst verlassen würden. Bei der aktuell anhaltenden Kälte und zugefrorenen Wasserflächen geraten sie schnell in Schwierigkeiten. Brot ersetzt zudem keine ausgewogene natürliche Nahrung. 

Der dritte, entscheidende Faktor ist die derzeit zirkulierende Aviäre Influenza (Vogelgrippe, siehe Pressemitteilung der SenJustV). Vor allem Wasservögel sind betroffen. Die Erkrankung schwächt die Tiere stark – viele überleben sie nicht, insbesondere wenn Kälte und Nahrungsmangel hinzukommen. 

„Wir sehen derzeit sehr deutlich, wie mehrere Stressfaktoren zusammenwirken“, sagt Wildbiologe Norbert Kenntner der Stiftung Naturschutz Berlin. „Viele der Schwäne sind durch die Vogelgrippe bereits geschwächt. Der Winter mit Eis, Kälte und fehlender Nahrung gibt den Tieren dann sprichwörtlich den Rest.“

Warum gerade Schwäne besonders betroffen sind

Auffällig ist, dass aktuell vor allem Höckerschwäne betroffen sind. Andere Vogelarten zeigen bislang deutlich weniger Krankheitsfälle. Schwäne halten sich oft lange an denselben Gewässern auf, sammeln sich in größeren Gruppen auf wenigen offenen Wasserflächen, überall da, wo sie Futter finden. Dadurch steigt das Risiko, dass sich Krankheiten wie die Aviäre Influenza innerhalb der Bestände schnell verbreiten. Neben Schwänen wurden auch Kormorane und Graureiher vereinzelt positiv auf Aviäre Influenza getestet. Im Vergleich zu den Schwänen treten diese Fälle jedoch deutlich seltener auf.

„Aber auch bei Graureihern sehen wir, wie sie unter den aktuellen Witterungsbedingungen leiden. Durch die zugefrorenen Gewässer kommen sie kaum noch an ihre gewohnte Nahrung. Aktuell kann man im Tiergarten Graureiher dabei beobachten, wie sie keine Fische, sondern Mäuse und Ratten fangen“, so Wildtierexperte Derk Ehlert. 

Auch wenn man im Stadtbild aktuell leider vermehrt auf verendete Wildvögel stößt: Um die Bestände von Graureiher, Kormoran und Höckerschwan müsse man sich trotzdem keine Sorgen machen. 

Was tun, wenn Sie einen geschwächten oder toten Vogel finden?

Der Anblick eines leidenden Tieres löst verständlicherweise den Wunsch aus zu helfen. Hier gibt es jedoch einiges zu beachten:

  • Fassen Sie kranke, geschwächt wirkende oder tote Vögel nicht an.
    Auch Federn sollten nicht eingesammelt werden. Ein direkter Kontakt kann ein Ansteckungsrisiko darstellen.
  • Melden Sie den Fund von toten oder erkrankten Wasser-, Raben-, Greifvögeln oder Möwen dem zuständigen Veterinäramt Ihres Bezirks.
  • Verletzte oder geschwächte Wildvögel können in die Kleintierklinik der Freien Universität Berlin gebracht werden (24/7 Annahme für Wildtiere). Der Transport kann über Polizei oder Feuerwehr organisiert werden (bitte nicht über den Notruf 112).
  • Bitte nicht zufüttern. Auch wenn es schwerfällt: Füttern kann die Situation verschärfen und hält die Tiere an ungeeigneten Orten in sehr hoher Dichte.

Die aktuelle Situation zeigt eindrücklich, wie sensibel das Gleichgewicht zwischen Wildtieren, Witterung und menschlichem Verhalten ist. Mit Aufmerksamkeit, Zurückhaltung und dem richtigen Vorgehen können wir dazu beitragen, weiteres Leid zu vermeiden.

Weitere Informationen und aktuelle Hinweise:

Das Berliner Wildtiertelefon gibt Rat und Unterstützung zum Umgang mit Wildtieren in der Stadt:
https://www.wildtiernahberlin.de/

Die Wildvogelstation NABU Berlin hilft Wildvögeln in Not:
https://berlin.nabu.de/stadt-und-natur/projekte-nabu-berlin/wildvogelstation/erste-hilfe/index.html

Infos zur Aviaren Influenza gibt das Friedrich-Loeffler-Institut:
https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/aviaere-influenza-ai-gefluegelpest/