Ein Zuhause für Trockenheitskünstler
Kanonenberge werden fit für seltene Arten
Berlin, den 21. Sept. 2026. Sandstrohblume, Ästige Graslilie, Kleines Mädesüß, Steppengrashüpfer und Zauneidechse – sie alle sind in den Kanonenbergen in Köpenick noch zu finden. Doch der Platz wird langsam knapp. Ab September startet die Stiftung Naturschutz Berlin (SNB) in Abstimmung mit der Revierförsterei Teufelssee, finanziert durch die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) umfangreiche Pflege- und Renaturierungsmaßnahmen in den Kanonenbergen. Ziel ist es, die dortigen Offenstandorte zu erhalten und zu vergrößern, sodass sich seltene Pflanzen und Tiere hier weiterhin wohlfühlen.
Bei den Kanonenberge handelt es sich um natürliche Ausläufer der eiszeitlich entstandenen Müggelberge in Treptow-Köpenick. Historisch sind die offenen Flächen vor allem durch militärische Nutzungen vom 18. bis ins 20. Jahrhundert entstanden. Zwischenzeitlichen wurde hier auch Sand abgebaut. So entstanden offene Flächen, auf denen sich wertvolle Tier- und Pflanzenarten angesiedelt haben.
Um diesen wichtigen Trockenlebensraum zu erhalten, müssen in der sandigen Senke und an den umliegenden Hängen einige Bäume und Sträucher gefällt werden. Vor allem die neophytische Schneebeere hat sich hier stark ausgebreitet und muss mitsamt der Wurzelausläufer entnommen werden, da sie ansonsten andere Arten verdrängt. Dafür kommen in dem Gebiet auch größere forstwirtschaftliche Maschinen zum Einsatz. „Ein Bagger mag auf den ersten Blick ungewohnt wirken. Er ermöglicht uns jedoch, die Arbeiten fachgerecht und möglichst schonend umzusetzen. So schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass sich die seltenen Arten in den Kanonenbergen langfristig halten können“, erklärt Justus Meißner, Projektleiter bei der SNB.
Die großflächige Entnahme von Schneebeeren und weiteren Gehölzen ist dabei nur der erste große Schritt. Über mehrere Jahre hinweg wird die Fläche gepflegt und beobachtet, um eine erneute Ausbreitung der konkurrenzstarken Neophyten zu verhindern.
Die Pflegemaßnahmen in den Kanonenbergen werden aus Naturschutz-Ersatzgeldern finanziert. Diese Ersatzgelder müssen bei Bauvorhaben immer dann gezahlt werden, wenn ein Eingriff in die Natur und Landschaft nicht anders ausgeglichen werden kann. Die SenMVKU entscheidet gemeinsam mit den anerkannten Naturschutzverbänden, für welche Projekte die Gelder verwendet werden. Das vorliegende Konzept für die Kanonenberge wurde deshalb mit den Verbänden, den Berliner Forsten als Flächeneigentümerin, sowie der Obersten und der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. Das Planungsbüro UBB Umweltvorhaben Berlin-Brandenburg betreut die geplanten Arbeiten im Auftrag der SNB. Planer und Stiftung haben bereits Erfahrungen auf diesem Gebiet und in der Vergangenheit ähnliche Vorhaben in Berlin erfolgreich umgesetzt, so zuletzt am Versunkenen See im Hessenwinkel.
Hintergrund:
Sandtrockenrasen gehören mittlerweile zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen. Sie zeichnen sich durch eine große Artenvielfalt aus und sind nur dort zu finden, wo eine Bewaldung z.B. durch Nutzung verhindert wird. Die hier lebenden Pflanzen und Tiere sind Spezialisten für Trockenheit und Wärme. Besonders eindrucksvoll sind Sandtrockenrasen zur Sommerzeit, wenn gelbleuchtende Sandstrohblumen, rosa Grasnelken, bunte Schmetterlinge und viele andere Pflanzen und Tieren zu sehen sind.
Berlinerinnen und Berliner, die sich an der Rettung wertvoller Lebensräume beteiligen möchten, können dies mit einer Spende tun: https://www.stiftung-naturschutz.de/ueber-uns/mithelfen/spenden
Hintergrund zum Bild:
Sandstrohblume, Grasnelke, Ästige Graslilie und viele weitere Arten fühlen sich auf trockenen, mageren Böden wohl. Ihr Lebensraum soll hier erweitert und ausgedehnt werden.

