Versunkener See
Das Projekt im Überblick:
Was: Versunkener See und umliegende Wiesenflächen, Flächengröße: 2,8 ha
Wo: Bezirk Treptow-Köpenick im LSG “Köpenicker Wälder nördlich der Müggelspree”
Moortyp: Verlandungsmoor
Entwicklungsziel: Saure Arm- und Zwischenmoore (Übergangs- und Schwingrasenmoore, FFH LRT 7140), angrenzend Mager- und Trockenrasen
Wann: 2024-2025
Stand: Initialmaßnahmen abgeschlossen, weitere Pflegemaßnahmen in den Folgejahren
Finanzierung: Ersatzgeldzahlungen zur Kompensation von Eingriffen in die Natur
Wollgras, Torfmoose, Sonnentau und Sumpfblutauge, diese und noch weitere seltene Moorpflanzen waren einst im sog. „Versunkenen See“ in Hessenwinkel in Rahnsdorf zu finden. Heute ist nicht mehr viel davon übrig.
Um die Voraussetzungen für die Rückkehr dieser und anderer seltener Pflanzen und Tiere zu schaffen, wurden im Jahr 2025 Pflegemaßnahmen zur Renaturierung des Versunkenen Sees und einiger umgebender Trockenflächen umgesetzt. Renaturierungsmaßnahmen sorgen nun für die Rettung dieser einst artenreichen Flächen. Ein Großteil der Maßnahmen wurde bereits umgesetzt und lässt erste Erfolge erkennen.
Ein einzigartiger Lebensraum
Bei dem Versunkene See handelt es sich um eine vermoorte Senke inmitten eines Waldgebiets im Bezirk Treptow-Köpenick. Das Moor ist, wie der Eigenname andeutet, durch die Verlandung eines Sees entstanden.
Bereits 1928 fertigte die 18-jährige Schülerin Margarete Bosse eine detaillierte Beschreibung des Versunkenen Sees an. Sie dokumentierte sehr genau die einzigartige Pflanzenwelt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich in dem Bereich eine offene, von Torfmoosen und Wollgras geprägte Fläche mit Vorkommen von Sonnentau, Moosbeere, Sumpfblutauge und weiteren wertvollen Arten. Jahrzehntelang geriet das Moor in Vergessenheit, bis ihre Tochter – selbst Landschaftspflegerin – die Hausarbeit im Jahr 2000 wiederentdeckte. Heute sind die Aufzeichnungen von Margarete Bosse eine wichtige Informationsquelle für die Renaturierung dieses besonderen Lebensraums.
Die damals beschriebenen Arten sind heute fast vollständig verschwunden. Auf dem zwischenzeitlich ausgetrockneten Moorboden konnten sich Bäume und Sträucher ausbreiten, die dem Moor durch die erhöhte Verdunstung über ihre Blätter weiter Wasser entziehen und durch ihre Wurzeln den sonst schwimmenden Boden fixieren. Auf Luftbildern von 1953 ist bereits ein Aufwuchs von Gehölzen in der Senke zu erkennen und auf einem Luftbild von 1992 ist der Versunkene See nicht mehr von den umgebenden Gehölzbeständen zu unterscheiden.
Ohne Renaturierung geht dieser einzigartige Lebensraum verloren. Um das Moor am Versunkenen See und seine Funktionen als Wasser- und Kohlenstoffspeicher wiederherzustellen, setzen sich die Stiftung Naturschutz Berlin, die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt sowie die Berlin Forsten gemeinsam für eine Rettung ein. Mithilfe von Ersatzgeldzahlungen zur Kompensation von Eingriffen in die Natur ist es das Ziel den Wasserhaushalt zu stabilisieren, den offenen Charakter des Moores wiederherzustellen und somit den Lebensraum für die besondere Pflanzenwelt zu sichern.
Darüber hinaus sollen auf den umliegenden Flächen standortfremde Gehölze entnommen und Offenflächen zu artenreichen Magerrasen entwickelt werden.
Hilfe für sensible Arten
Im vermoorten Kernbereich wurden im Januar und Februar 2025 zunächst alle Gehölze zur Wiederherstellung eines offenen Moores behutsam entnommen. Wegen der geringen Tragfähigkeit des Moorbodens und um Schädigungen an ihm zu vermeiden, wurden besondere Kettenfahrzeuge für diese Arbeiten eingesetzt. In Teilbereichen mit Resten typischer Moorvegetation wurde ohne Maschineneinsatz gearbeitet.
In den Randbereichen wurden standortfremde Arten und Neophyten inklusive Wurzelausläufer gerodet. Vor allem expansive Arten, wie die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina), wurden mitsamt ihrer Wurzelstubben entnommen. Alteichen wurden dagegen als wertvolle Biotopbäume erhalten und freigestellt. Das Auflichten der Bereiche in unmittelbarer Umgebung der vermoorten Kernzone reduziert die Verdunstung durch die Gehölze und verbessert somit die Wasserverhältnisse im Moor.
Die Maßnahmen wurden im Frühjahr 2025 beendet und schon in den folgenden Monaten konnten erste Erfolge beobachtet werden: Üppige Bestände der Grau-Segge (Carex canescens), des Kleinen Knöterichs (Persicaria minor) und des Zweizahns (Bidens spec.) schienen nur darauf zu warten genug Platz und Licht zum Wachsen zu bekommen
Ausblick
Die Entwicklung der zentralen Moorfläche und der Randbereiche muss weiterhin kontrolliert und gepflegt werden, um eine erneute Ausbreitung von Gehölzen frühzeitig zu verhindern. So wird mit etwas Glück der Wasserhaushalt stabilisiert und die einst charakteristischen Arten können sich wieder ansiedeln.
Auf mehreren kleinen höhergelegenen, Flächen wurden ebenfalls Maßnahmen umgesetzt. Hier soll nach der Entnahme von Gehölzen und der Auflockerung des Bodens durch die Ausbringung einer gebietseigenen Saatmischung artenreiche Trocken- und Magerrasen entwickelt werden. Durch diesen Strukturreichtum der beieinander liegenden unterschiedlichen Lebensräume entsteht langfristig ein besonders artenreicher Biotopkomplex.












