Ein neues Kapitel für den Naturschutz in Berlin

Das Haus der Stadtnatur und warum wir es gerade jetzt so dringend brauchen

Liebe Stiftungsfreundinnen und -freunde,

wenn man 45 Jahre an einem Ort gearbeitet hat, fällt ein Abschied nicht immer leicht. Die Potsdamer Straße war für die Stiftung Naturschutz Berlin lange Zeit mehr als nur eine Adresse. Sie war ein Zuhause für engagierte Menschen, für Ideen, Debatten und für unzählige Projekte zum Schutz unserer Berliner Natur. Umso bewegender ist für alle der Moment, in dem wir nun ein neues Kapitel aufschlagen: Im Sommer 2026 werden wir zusammen mit der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) und weiteren Naturschutzakteuren in die Lehrter Straße 17 unweit des Hauptbahnhofes ziehen und hier das zukünftige Haus der Stadtnatur ins Leben rufen.

Das Berliner Abgeordnetenhaus, das unsere Stiftung vor 45 Jahren per Gesetz gründete, hat dem Kauf dieser Immobilie am 29. Januar 2026 einstimmig zugestimmt. Das ist für mich ein starkes Zeichen. Ein Zeichen des Vertrauens in unsere Arbeit und ein Zeichen dafür, dass Naturschutz in dieser Stadt eine Zukunft hat.

Mit dem Haus der Stadtnatur wollen wir etwas schaffen, das es in Berlin in dieser Form bisher nicht gibt: einen offenen zentralen Ort für alle, die sich für Natur interessieren, sie schützen oder einfach mehr über sie erfahren wollen. Einen Ort, an dem Naturschutz sichtbar, erlebbar und gemeinschaftlich wird und das mitten in der Stadt. Berlin ist eine wachsende, pulsierende Metropole und gleichzeitig eine Stadt mit überraschend viel Natur. Diese Natur zu bewahren, zu entwickeln und für kommende Generationen zu sichern, ist eine der großen Aufgaben unserer Zeit.

Naturschutz ist dabei kein abstraktes Konzept. Er passiert konkret: Zum Beispiel, wenn wir Moore renaturieren, Kröten sicher über Straßen bringen, wenn wir für Fledermäuse neue Quartiere anbringen oder Wildpflanzen wieder einen Platz in der Stadt geben. Unsere Stadtnatur-Rangerinnen und Ranger sind täglich draußen unterwegs, unsere Fachleute erheben Daten für den Artenschutz, unsere Umweltbildung erreicht Menschen vom Grundschulkind bis zur Fachkraft und unsere Veranstaltungen in der Stadtnatur begeistern Tausende. All das braucht Raum – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Solch einen Raum wird das Haus der Stadtnatur bieten. Im Erdgeschoss werden wir mit unserer Naturschutzakademie Seminare, Workshops und Veranstaltungen anbieten, offen für alle Interessierten. Denn Umweltbildung ist für uns ein Schlüssel: Nur wer Zusammenhänge versteht und Artenkenntnis erlernt, kann Verantwortung übernehmen. Regelmäßig ausgebuchte Kurse der Naturschutzakademie zeigen uns immer wieder, wie groß das Interesse und die Bereitschaft zum Mitmachen sind.

Besonders wichtig ist mir ein weiterer Gedanke: Naturschutz braucht viele Hände. Er lebt vom Engagement Ehrenamtlicher, von jungen Menschen im Freiwilligen ökologischen Jahr (FÖJ) oder im Bundesfreiwilligendienst, von Initiativen, Vereinen, Unternehmen und Einzelpersonen. Das Haus der Stadtnatur soll ein Treffpunkt für genau diese Menschen werden – ein Ort der Vernetzung, des Austauschs und des gemeinsamen Handelns. Dafür stellen wir Büro- und Veranstaltungsräume zur Verfügung. Wenn Sie daran Interesse haben, melden Sie sich bei uns. Wir freuen uns.

Auch das Gebäude selbst wird diesen Anspruch widerspiegeln. Wir wollen den Hof begrünen und in ein kleines Biotop mit Aufenthaltsflächen verwandeln. Wo heute noch Asphalt und Steine dominieren, wird künftig Leben einziehen: Pflanzen, Insekten, Vögel und Menschen, die sich daran freuen. 

Ich bin überzeugt: Das Haus der Stadtnatur ist eine große Chance für Berlin. Es kann zeigen, dass Naturschutz kein Luxus ist, sondern eine Grundlage für Gesundheit, Lebensqualität und sozialen Zusammenhalt. Gerade in Zeiten von Klimawandel und Artensterben brauchen wir Orte, die Mut machen und zum Handeln einladen. Das Haus der Stadtnatur soll ein solcher Ort für alle Berlinerinnen und Berliner sein.

Ich freue mich sehr auf diesen neuen Abschnitt und darauf, viele von Ihnen im Haus der Stadtnatur begrüßen zu dürfen. Denn eines ist klar: Die Natur dieser Stadt zu schützen, schaffen wir nur gemeinsam.

Stefan Richter

Geschäftsführer Stiftung Naturschutz Berlin