32 Jahre Beharrlichkeit, Herz und Haltung
Danke, Manfred Schubert!

Manfred Schubert war 32 Jahre lang der Geschäftsführer der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN). Ende 2025 ist er in den Ruhestand gegangen. Sein Wirken im Berliner Naturschutz umfasst eine so lange Periode, dass er quasi eine lebende Chronik des Berliner Naturschutzes darstellt. 32 Jahre – das entspricht ungefähr dem zeitlichen Umfang von zwei, drei großen Infrastrukturprojekten von der Idee bis zur Umsetzung in Folge. 1993 übernahm er den Staffelstab von Johannes Schwarz. Damals hatte die BLN ihre Geschäftsstelle in einem Ladenbüro in der Charlottenburger Abbestraße. In den 90igern wurde in dem nun wieder vereinten Berlin fast alles neu geplant und auch entsprechend viel gebaut. Mit einer halben Geschäftsführerstelle, einer Bürokraft und mit Unterstützung von sogenannten „ABM“- Kräften wurde viel Beteiligungsarbeit bewältigt.
Manfreds Beginn als Geschäftsführer fiel in eine turbulente Zeit. 1994 fuhr bei der damaligen Geschäftsstelle ein LKW mit 44 dicken Ordner zum Planvorhaben „Verkehrsanlagen im zentralen Bereich“ inklusive der Tiergartentunnel vor. Innerhalb von sechs Wochen mussten diese bearbeitet werden. Kurze Zeit später folgten elf rote Ordner mit Planänderungen. Zum Glück gab es damals die BI Westtangente. Und es formierte sich ein Bündnis aus 60 Organisationen in der sogenannten „Anti-Tunnel-GmbH“. Die gemeinsame Stellungnahme gegen den Tunnelbau umfasste 112 Seiten. Das war auch der Beginn einer langjährigen Netzwerkarbeit zwischen den verkehrspolitischen Initiativen und der BLN.
Was geschah noch in den 90er Jahre neben Clubkultur, Hausbesetzungen und dem Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin?
1993 war die Olympiabewerbung 2000, 1994 wurde ein neuer Flächennutzungsplan für ganz Berlin aufgestellt, es erfolgten die Unterschutzstellungen von den nach DDR-Recht ausgewiesenen Naturschutzgebieten. Neben dem „Tiergartentunnel“ füllten weitere Ordner für große Verkehrsplanungen die Regale, wie ICE-Strecken, die BAB 113, der Bau der Schleuse Charlottenburg, die Standortsuche für den Großflughafen. Manfred Schubert hatte dabei immer die Ruhe weg und hat fleißig „genetzwerkt“ und viele MitstreiterInnen, Vereine und BIs für die BLN gewonnen, die teilweise noch heute aktiv sind.
In seiner Abschiedsrede hat Manfred Schubert eine Auswahl an Meilensteinen und damit verbundenen WeggefährtInnen aufgelistet. Aus dieser Chronik des Berliner Naturschutzes der letzten drei Jahrzehnte zitieren wir:
- Mitte der 90er Jahre war Manfred Teilnehmer der Werkstatt Barnim, ein Zusammenschluss von Verwaltungen, Initiativen und Vereinen aus dem Landschaftsraum des Barnim, einer Erholungslandschaft im Norden Berlins; 1998 wurde dann der einzige gemeinsame Naturpark Berlins und Brandenburgs ausgerufen. Seit der Gründung war Manfred auch Mitglied im Förderverein Naturpark Barnim und ist dort heute noch aktiv. Ein Beispiel für den langen Atem, den man im Naturschutz braucht und den Manfred immer wieder bewiesen hat.
- Über die BLN lief auch die Beteiligung zu Planung des BER, als größtes Verfahren der BLN in mehreren Durchgängen; Uwe Rink hat diese nahezu alleine erarbeitet, es gab große Erörterungsveranstaltungen und dabei wenig Unterstützung.
- Zusammen mit Angela von Lührte und Prof. Hartmut Kenneweg war Manfred Mitglied im Aktionbündnis Teufelsberg. Die Verbände haben immer das Ziel gehabt, das Plateau dem Berliner Wald und der Bevölkerung zurückzugeben und nur die ehem. Radarstation als Museum zu erhalten; bis heute ist das Thema aktuell, zum Jahreswechsel wurde wieder eine Stellungnahme abgegeben.
- Der „Runde Tisch Wald“, ein Gesprächsforum der Berliner Forsten mit den Berliner Naturschutzverbänden, wurde von dem langjährigen Leiter der Berliner Forsten Elmar Lakenberg und Manfred Schubert aus der Taufe gehoben. Sein Nachfolger Gunnar Heyne hat diese Tradition dankenswerterweise fortgesetzt.
- Modernisierung der Eisenbahn mit Planung neuer ICE-Trassen und der Dresdener Bahn, mit Unterstützung durch Ulrike Kielhorn, die damals in der BLN für Verkehrsprojekte zuständig war, viele Planungsabschnitte, ständige Auseinandersetzung mit der Verwaltung und der DB, bis heute ist der Ausgleich für die Dresdener Bahn noch nicht umgesetzt.
- Projekt 17 – u.a. der Havelausbau - mit all seinen Facetten, die bis heute fortwirken. Hier war Manfred Krauß tatkräftig aktiv und die BLN wurde auch Mitglied im Havelbündnis.
- Thema Friedhöfe: seit etwa 1997 befasst sich die BLN im Austausch mit Pfarrer Reinhard Dalchow (ehem. Umweltbeauftragter der Evangelische Kirche) mit zahlreichen Stellungnahmen, u.a. zum Friedhofsentwicklungsplan, unzähligen Führungen, zwei Ausstellungen, einer Broschüre mit der Wahrung der Biodiversität auf Friedhöfen.
- Seit etwa 2010 Befassung mit dem Thema Trinkwassergewinnung und deren Auswirkungen auf Moore und Wälder. Die Thematik wurde lange begleitet von Andreas Meißner, fortgeführt von Manfred Krauß, Tim Stähle, Julia Hoffmann. Für Manfred Schubert als Gewässerökologe war es eines seiner Herzensthemen.
- Von 2013 bis 2017 nahm die Beteiligung der Naturschutzverbände an der Planung für die IGA 2017 viel Raum ein. In dieser Zeit entwickelte sich eine gute Zusammenarbeit mit der GRÜN Berlin GmbH, die sich auch an anderer Stelle fortgesetzt hat, wie beim Flugfeld Tempelhof, dem Spreepark oder dem Flughafen Tegel, auch wenn diese nicht immer konfliktfrei war.
- Seit etwa 2014 gibt es das Berliner Netzwerk für Grünzüge mit Planungen für das Grüne Band für Berlin (unter der Federführung von Antje Henning), dem Erhalt von Grünanlagen, Entsiegelung und Bodenschutz. Die BLN hat einen engen Austausch mit dem Netzwerk gepflegt.
- Das jahrelange Engagement für die Elisabeth-Aue mit der BI um Oskar Tschörner ist ein Beispiel für die Planung von 24 Stadtquartieren, die, nach der Auffassung Manfred Schuberts, neben Späthsfelde, der Moorlinse und der Alten Gärtnerei zu den wertvollsten Gebieten gehört, die bebaut werden sollen. Gemeinsam mit der BI wurde eine Broschüre erarbeitet.
- Bis 2016/2017 bestand das Personal der BLN aus zwei MitarbeiterInnen, befristeten ABM-MitarbeiterInnen, Bundesfreiwilligen und Praktikanten der BLN. Durch den energischen Einsatz aus dem Kreis der Mitgliedsverbände in die Politik gelang es, die Zuwendung der Senatsumweltverwaltung für die BLN schrittweise zu erhöhen, so dass 2018 eine weitere MitarbeiterInnenstelle geschaffen und mit Antje Stavorinus besetzt werden konnte. Dadurch konnte das Thema Artenschutz mit hoher Priorität bearbeitet werden. 2020 und 2022 konnten mit Nina Feyh und Julia Hoffmann weitere neue Stellen besetzt werden und damit neue Themenbereiche wie das Thema Kleingärten bearbeitet oder vorhandene wie das Thema Wasser intensiviert werden.
- Seit 2022 gibt es die Wassernetz-Initiative und das Wassernetz Berlin um Christian Schweer und Team. Im dritten Anlauf ist es gelungen, ein Lottomittel-Projekt einzuwerben, das der Vernetzung von Akteuren vor allem im Bereich von Kleingewässern dient. Dieses wird als Wassernetz Plus ab Sommer diesen Jahres fortgeführt.
- In die letzten Jahre fiel die gemeinsame Klage der BI Grüner Kiez, des BUND, der NaturFreunde und der BLN gegen den Bau einer modularen Unterkunft in Pankow, die zumindest bisher die Erteilung einer naturschutzrechtlichen Genehmigung für das Vorhaben verhindert hat.
- 2024 war für die BLN ein entscheidendes Jahr, ihre Arbeit wurde durch das Unabhängige Institut für Umweltfragen evaluiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Während in 32 Jahren die Landesregierungen und Vorsitzenden der BLN (Hans-Jürgen Stork, Tom Kirschey, Torsten Hauschild, Kristian Klöckner, Gudrun Rademacher, Andrea Gerbode) wechselten, gestaltete Manfred Schubert mit seinem langen Atem die Herausforderungen, die die wachsendende Stadt für die Naturschutzverbände bedeutete, mit ruhiger Hand.
Dieses herausragende Engagement zeigte sich mit Eigenschaften wie Geduld, Zuverlässigkeit, Beharrlichkeit, Freundlichkeit, Verbindlichkeit. Manfred Schubert war jederzeit ansprechbar – nur zur Karnevalszeit nicht – dann verschwand er in einer der Hochburgen des Karnevals oder der Fastnacht.
Manfred Schubert hat versprochen, neben einem seiner Herzensthemen, dem Schutz der Friedhöfe noch bei einigen anderen Themen weiterzumachen. Denn der Kampf um den Erhalt der Berliner Stadtnatur für die Wahrung der Biodiversität und unserer Lebensqualität geht weiter!
Alles Liebe und Gute für die Zukunft!
Autorinnen: Andrea Gerbode & Ulrike Kielhorn


