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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats September 2021

Gemeiner Wundklee Anthyllis vulneraria L. s. l.

Der Gemeine oder auch Gewöhnliche Wundklee ist ein echter Klassiker in der Volksheilkunde und findet vielseitig Verwendung. Wie sein Name erahnen lässt, wurde er vor allem als Wundheilmittel hochgeschätzt. Aber auch bei anderen Beschwerden, wie Husten, Krämpfen und Entzündungen kommen seine Heilkräfte seit langer Zeit zum Einsatz. Seine Blüten dienten darüber hinaus zum Gelbfärben von Leinen und Wolle.

Die ausdauernde Heilpflanze erreicht Wuchshöhen von 5 bis 60 cm und ist besonders gut an ihrer seidigen Behaarung erkennbar. Typisch sind auch ihre verschiedenartigen Blätter. Die Grundblätter sind lang gestielt und ungeteilt, die Endblättchen der gefiederten Stängelblätter im unteren Teil des Stängels sind größer, als ihre seitlichen Fiederblättchen. Und direkt unter den Blütenköpfchen sitzen die fingerförmig geteilten Tragblätter.

Zwischen Mai und August stellen die leuchtend gelben, seltener auch weißlichen oder rötlichen Blüten des Wundklees nicht nur eine Augenweide dar. Der Nektar der Pflanze ist heiß begehrt, doch leider nicht allen Insekten zugänglich. Da die Staubblätter des Wundklees zu einer Röhre verwachsen sind, gelangen nur langrüsselige Bestäuber wie Hummeln, Langhornbienen und Schmetterlinge bis zu der süßen und nährstoffreichen Flüssigkeit. Erst durch das Herunterdrücken des untersten Blütenblattes, dem sogenannten Schiffchen wird dem Besucher der Zugang zum Nektar gewährt. Gleichermaßen wird dadurch ein Pumpmechanismus in Gang gesetzt, der den Pollen an den Besucher heftet – gewissermaßen wie bei einem „Pollenautomaten“. Nach der Bestäubung schwellen die wollig behaarten Blütenkelche an, in denen sich ein- bis zweisamige Nüsschen ausbilden. Und auch unabhängig von der Blütezeit steht der Wundklee auf dem Speiseplan von einigen besonders wählerischen Schmetterlingsraupen. So naschen beispielweise die Raupen des Zwerg-Bläulings (Cupido minimus) ausschließlich von ihm.

Ehemals als Futter- und Weidepflanze kultiviert, gewann die Art seit den 1980er Jahren auch als Bodenaufwerter in Ansaatmischungen für Mager- und Halbtrockenrasen in Gärten und als Dachbegrünung zunehmend an Beliebtheit. Mit seiner Pfahlwurzel kann der Wundklee auf unbefestigten Standorten rasch Fuß fassen und gleichzeitig durch eine Wurzelsymbiose mit Knöllchenbakterien Stickstoff im Boden binden.

Doch was im Garten eine Bodenverbesserung ist, stellt für den Artenschutz vielerorts ein Problem dar. Denn im konventionellen Saatgutanbau können lokale Anpassungen wie Trockenresistenz oder natürliche Keimverzögerung schnell verloren gehen, da die Pflanzen unter optimalen Bedingungen kultiviert werden. Mischen sich angesäte Bestände aus gärtnerisch kultivierter oder unbekannter Herkunft durch die Bestäubung mit den regionalen Wildformen, gehen deren genetischen Anpassungen rasch verloren und schwächen damit die Überlebenschancen der Wildpopulation. Durch die Verwendung von Saatgut gebietseigener Herkünfte, sogenanntem Regiosaatgut, kann diesen fatalen Folgen für Wildpopulationen und ihre genetische Vielfalt vorgebeugt werden.

Die lichthungrige Art kommt in Trocken- und Halbtrockenrasen sowie in trockenen Wiesen und Kiefernwäldern vor, kann sich aber auch auf anthropogen geprägten Lebensräumen wie Steinbrüchen, Sandgruben und Bahnanlagen als Pionier gut etablieren. Unter besonders nährstoffarmen Verhältnissen sowie kalkhaltigen und trockenen Bodenbedingungen fühlt sich der Wundklee besonders wohl.

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Gemeinen Wundklees erstreckt sich von der Mittelmeerküste bis zum Norden Schottlands und Norwegens, weiter über das Baltikum und den europäischen Teil Zentralrusslands bis über den Balkan. Weitere Vorposten befinden sich auf Island, den schottischen Inseln, den Ostsee- und Mittelmeerinseln, der Türkei und dem Iran. Als Neophyt ist die Art heute auch in Ostafrika, Nordamerika und Neuseeland zu finden. Obwohl der Gemeine Wundklee in nahezu gesamt Deutschland zerstreut verbreitet ist, nehmen die Bestände in Norddeutschland seit 1950 deutlich ab. In Berlin gilt der Wundklee mittlerweile als vom Aussterben bedroht.

Insbesondere die Folgen von Nutzungsauflassung, also zum Beispiel der Rückgang der extensiven Nutzung von Weideflächen, und damit die Verbuschung offener Lebensräume machen dem Gemeinen Wundklee zu schaffen. Denn gegen konkurrenzstarke Arten wie Kanadische Goldrute, Landreitgras, Kratzbeere und schnellaufwachsende Gehölze kann sich der Wundklee kaum durchsetzen. Um wieder Licht in die dunkle Krautschicht zu befördern, helfen dann nur noch die Auflichtung der Strauch- und Baumschicht sowie das Zurückdrängen expansiver Pflanzenarten durch eine Pflegemahd. Vielerorts gefährden zusätzlich unerlaubt abgelagerter Gehölzschnitt, Gartenabfälle oder sonstige Materialen die Vorkommen der Heilpflanze.

Um der Überalterung der Bestände des Gemeinen Wundklees entgegenzuwirken, können die Wildpopulationen Berlins in einigen Fällen auch durch gezielte Maßnahmen gefördert werden, z. B. durch Sammeln von Saatgut und direkte Aussaat vor Ort auf geeigneten Flächen.

Sollten Sie auf Ihren Spaziergängen in Berlin eine solche Pflanze finden, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung per E-Mail mit Fotobeleg. Vielen Dank!

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