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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats Januar 2021

Platthalm-Quellried Blysmus compressus (L.) Panz. ex Link

Das könnte er sein, der wegweisende Sprung in die Zukunft für das Platthalm-Quellried! Früher war das kleine Sauergras auf Weidevieh angewiesen, damit es sich an einem Standort behaupten konnte. Jetzt zeigt sich, dass Sonnenanbeter und Badenixen für das Platthalm-Quellried genauso hilfreich sein können. Denn gegen konkurrenzstarke, wuchsfreudige Pflanzen, die der 10-40 cm kleinen, konkurrenzschwachen Art Licht und Platz streitig machen, hilft eine gewisse Trittbelastung.

Zu viel davon mag das Platthalm-Quellried zwar ebenfalls nicht, aber am Rand einer Liegewiese scheint es ihm gerade recht. Auf einer solchen wurde im letzten Jahr ein bisher unbekanntes Vorkommen am Ostufer des Jungfernheideteichs mit etlichen Exemplaren entdeckt. Dieser Fund der Botanikerin Susan Wittwer ist beachtlich, denn seit mehr als 30 Jahren war nur ein einziges Berliner Vorkommen in Wittenau bekannt. In der Jungfernheide wurde das Platthalm-Quellried zuletzt Mitte des 19. Jahrhunderts nachgewiesen. Das Beispiel zeigt, dass auch in einer Großstadt wie Berlin mit vollkommen unerwarteten Wieder- oder Neufunden von vom Aussterben bedrohten Arten gerechnet werden kann. Auch an ungewöhnlichen Orten, wo man sie nicht suchen würde.

Alles in allem ist das Platthalm-Quellried eine recht unscheinbare Pflanze mit grasgrünen, 2-4 mm breiten Blättern und einem straff aufrechten Wuchs. Einen etwas aufmüpfigen Anschein erhält das Sauergras durch grüne, einzeln wachsende Hochblätter, die keck über die braunen Blütenstände hinwegwachsen. Die rotbraunen Ährchen blühen zwischen Juni und Juli. Später bilden sie, passend zur Vorliebe der Art für nasse Standorte, schwimmfähige Samen aus.

Schon der Name der Pflanze weist auf ihren Hang zum Nass hin. Neben Wasser sind es vor allem Sonne und Kalk, die das Platthalm-Quellried liebt. Vornehmlich kommt es somit auf quellnassen Wiesen und Weiden, Quell- und Niedermooren oder feuchten Wegen vor. Es ist außerdem eine der wenigen Pflanzen des Binnenlandes, die ein gewisses Maß an Salz tolerieren.

Vielleicht umfasst deshalb einer der zwei deutschen Verbreitungsschwerpunkte den weiteren Bereich der Ostseeküste. Der andere befindet sich in den Alpen und im Alpenvorland. Das Platthalm-Quellried ist deutschlandweit selten und stark rückgängig. Seit den 50er-Jahren hat es hier rund die Hälfte seiner Vorkommen eingebüßt und wird in der aktuellen Roten Liste Deutschlands als stark gefährdet eingestuft. Deutschland liegt im Zentrum des geschlossenen Verbreitungsgebietes der Art, das von England bis Westrussland und vom Mittelmeergebiet bis Mittelschweden reicht. Vorposten und Einzelvorkommen gibt es in Zentralasien, in der Nähe des Kaspischen Meeres und in Marokko.

Als Bewohner von mäßig genutztem feuchten Grünland war das Platthalm-Quellried im letzten Jahrhundert vor allem durch das Trockenlegen von Feuchtwiesen und Nutzungsintensivierungen wie eine verstärkte Beweidung gefährdet. Heutige Gefährdungen betreffen dagegen vornehmlich den Wegfall von Nutzungen. Entfallen Mahd oder Beweidung gänzlich, wird es eng für das kleine Sauergras. Allzu leicht kann es durch Gehölzaufwuchs und konkurrenzstarke, starkwüchsige Pflanzen wie Schilf, Großseggen oder Hochstauden verdrängt werden.

Nicht nur die Pflanzen des wiedergefundenen Berliner Vorkommens in der Jungfernheide wissen aus diesem Grund die Tritte von Erholungssuchenden sehr zu schätzen. Auch aus Brandenburg wurde von Vorkommen der Art an feuchten Liegewiesen berichtet. Für den Naturschutz ist das höchst erfreulich. Denn fehlen Badegäste und Weidevieh, müssen die Flächen durch Pflegemaßnahmen wie einer ein- bis zweischürigen Mahd offengehalten werden, um das Platthalm-Quellried zu erhalten.

Wenn Sie auf Ihren Spaziergängen oder beim Baden das Platthalm-Quellried finden, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung per E-Mail mit Fotobeleg. Vielen Dank!

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