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Beispiele unserer Fördertätigkeit aus Mitteln des Förderfonds Trenntstadt Berlin

Foto: Sophie Bengelsdorf

Soziales Plastik – Kunst aus Abfall mit und in Neukölln!

Die Harzer Straße in Neukölln ist ein bunter Multikulti-Kiez – Männer sitzen mit Tee vor den Geschäften, in der Bäckerei liegen die Schrippen neben Baklava und aus der Schule strömen Kinder vieler Nationalitäten. Gleich nebenan, auf dem Gelände eines großen Wohnkomplexes, der gerade aufwändig saniert wird, ist die neu errichtete Werkstatt des Künstlers und Designers Gerhard Bär. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit Verpackungskunststoff, der in der Gesellschaft anfällt. Seine Projekte, die soziales Engagement und Umweltbewusstsein verbinden, führt er weltweit, so z. B. in Mexiko, in Syrien und demnächst auch in Montenegro und Albanien durch. Seit Frühjahr 2012 ist er auch in Neukölln mit dem Projekt „Soziales Plastik“ aktiv.

Hier sind die Bewohner aktiv eingebunden: Zuerst wurde das Vorhaben erläutert, dann wurden sie gebeten, ihren Plastikabfall zu sammeln. Dieser wird gemeinsam gesäubert und akribisch sortiert. Gerhard Bär erklärt allen Interessierten – darunter sehr viele Kinder - den Unterschied zwischen den einzelnen Verpackungskunststoffen, Folien, Verbundstoffen, PET und Plastik. Denn: Nicht alles eignet sich für ein zweites Leben, das hier daraus entsteht. Die gesammelten Wertstoffe werden bei niedriger Temperatur geschmolzen, bis sie zu Gegenständen geformt werden können. Und nun sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt – aus scheinbar wertlosem entstehen Gebrauchsgegenstände wie Schalen, Hocker und Papierkörbe.

Mit ein bisschen Übung sind auch größere Objekte möglich. Gerhard Bär hat zusammen mit der Künstler- und Designgruppe Bär + Knell Stühle aus dem Material gefertigt, die in vielen renommierten Museen zu sehen sind. Stabil und bequem wirken sie doch wie hingegossen und sind dazu höchst individuell. Hier sitzt man auf einem gerade noch erkennbaren Stück einer Plastiktüte, auf einer Folie, in der Schokolade eingewickelt war oder auf einer Comicfigur von einer Verpackung. Solche Sitzmöbel können ebenfalls in der Werkstatt hergestellt werden und vielleicht auch gleich den neuen Hof verschönern. 

Ein großer Teil des benötigten Kunststoffs kommt aus den Privathaushalten der Beteiligten. Durch die strikte Trennung des Plastikabfalls wird ein Ziel des von der Initiative Trenntstadt geförderten Projektes erreicht: Wertstoffe werden getrennt, um daraus andere Dinge entstehen zu lassen – dies gilt auch für den Recyclingkreislauf und ist hier hautnah zu erleben. Wenn für ein größeres Objekt weiterer Kunststoff benötigt wird, kann dieser auch im Kiez oder auf der Straße gesammelt werden, oft entsteht dabei ein neuer Blick auf den Abfall, der uns umgibt. Oder auch ein paar gute Vorsätze.

Gerhard Bär selbst versteht sich als Motivator und Begleiter für den Anfang – mit Leben erfüllt wird das Projekt durch das Engagement der Beteiligten. Schon jetzt wird das Interesse immer größer – neben den Menschen in der Harzer Straße haben sich viele andere Organisationen aus dem Kiez gemeldet, die gern dabei sein möchten. Hier findet ein Austausch nicht nur zwischen Anwohnern, sondern auch zwischen Kulturen statt.

Und wenn man ihn fragt, ob die Ergebnisse nun Gebrauchsgegenstände oder Kunst sind? „Das Projekt selbst ist Kunst, eben eine Soziale Plastik!“

Fotos: Sophie Bengelsdorf

Fotos: Sophie Bengelsdorf Fotos: Sophie Bengelsdorf