Logo Stiftung Naturschutz Berlin  
Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats November 2020

Wild-Hanf Cannabis sativa L.

Hanf ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Erde und dazu ein echtes Multitalent. Denn ob Speiseöl, Biodämmstoff oder Segeltuch: die Produktpalette, die sich aus der weitbekannten Pflanze mit den symbolträchtigen, handförmig zusammengesetzten Blättern fertigen lässt, ist groß und abwechslungsreich. Eine Weile in Vergessenheit geraten, erlebt Hanf nun eine Renaissance. Neben seiner Verwendung als Nahrungs-, Medizinal- und Rauschpflanze sind vor allem die Fasern der verholzten Stängel von Nutzen. 

Während auf den Feldern verschiedene Zuchtformen angebaut werden, bezeichnet Wild-Hanf die ursprüngliche, nicht kultivierte Art. Dabei fällt die klare Abgrenzung gar nicht so leicht. Zum einen sind in mehreren Jahrtausenden Hanfanbau immer wieder Nutzpflanzen verwildert, die sich dann in Wildbestände eingekreuzt haben. Zum anderen besitzt Hanf eine ausgeprägte Vielgestaltigkeit. So können die äußeren Merkmale einzelner Pflanzen auch innerhalb der Art, Unterart oder Sorte ganz verschieden ausfallen. Auch die Unterscheidungsmerkmale von Wild- und Kulturhanf sind in fließenden Übergängen zu finden, was die botanische Bestimmung erschwert.

Ein wichtiger Hinweis kann beispielsweise die Größe sein, denn Wild-Hanf ist mit 0,40-1,50 m wesentlich kleiner als seine auf Ertrag gezüchteten Verwandten. Weitere entscheidende Merkmale finden sich in der Biologie der Blüten. Zum Beispiel ist Hanf ursprünglich zweihäusig, sodass es männliche und weibliche Pflanzen gibt, die zeitversetzt blühen. Da diese Eigenschaft aber zwei Erntegänge erfordern würde, wurden einhäusige Züchtungen entwickelt, die männliche und weibliche Blüten auf einer Pflanze vereinen und die Ernte vereinfachen. Der Fund einer einhäusigen Pflanze lässt demnach auf eine Kulturform schließen.

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Wild-Hanfs ist durch die lange zurückreichende Geschichte des Hanfanbaus ebenfalls nicht grenzscharf zu ermitteln. Mit Sicherheit liegt es in den asiatischen Steppengebieten. Eventuell umfasst es aber zusätzlich die südosteuropäischen Steppen. Heute gilt der Wild-Hanf auch in Teilen Südost- und Mitteleuropas als eingebürgert. Hier in Berlin ist er allerdings sehr selten und vom Aussterben bedroht. Sowohl kurz- als auch langfristig wurden starke Rückgänge der Bestände verzeichnet.

Die schnellwüchsigen, einjährigen Kurztagspflanzen, deren recht unscheinbare Blüten sich hier bei uns zwischen Juli und August öffnen, benötigen einen sonnigen bis halbschattigen Standort mit tiefgründigem Boden sowie einer guten Nährstoff- und Wasserzufuhr. In Berlin findet man sie deshalb meist auf ehemaligen Rieselfeldern sowie auf Ackerbrachen und –säumen. Historische Fundorte lagen außerdem an Wegrändern und in Parkanlagen. Es ist anzunehmen, dass derart öffentliche Standorte heute kaum mehr besiedelbar sind, da wild wachsende Pflanzen leicht als illegale Anpflanzung mit dem Ziel der Rauschmittelgewinnung missverstanden werden können. In einem solchen Fall werden die Vorkommen in der Regel vernichtet. Auf Brachflächen und sonstigen Offenlandstandorten ist der Wild-Hanf vor allem durch Bebauung und ein Zuwachsen der Flächen durch aufkommende Gehölze gefährdet.

Maßnahmen zum Erhalt der Art bestehen in der Aufklärung und Information zuständiger Bezirksämter über bekannte Vorkommen des Wild-Hanfs. Um das Zuwachsen von Offenflächen zu verhindern kann eine einschürige Mahd durchgeführt werden.

Sollten Sie auf Ihren Spaziergängen eine solche Pflanze finden, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung per E-Mail mit Fotobeleg. Vielen Dank!

Alle Pflanzen des Monats von A - Z