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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats Mai 2022

Pechnelke Lychnis viscaria L.

Die Pechnelke ist alles andere als ein Pechvogel – ganz im Gegenteil! Umliegende Wildpflanzen können sich sogar besonders glücklich schätzen, sie zur Nachbarin zu haben. Denn die Pflanze aus der Familie der Nelkengewächse besitzt unsichtbare Superkräfte. Welches Geheimnis dahinter steckt, konnten Forscherinnen und Forscher enträtseln: In der Pechnelke sind Pflanzenhormone enthalten, die pflanzeneigene Abwehrkräfte stärken und das Pflanzenwachstum begünstigen. Diese positiven Eigenschaften versucht sich auch der Mensch zu Nutze zu machen. Dabei kommt ein aus der Pechnelke gewonnenes Extrakt mittlerweile in der Landwirtschaft als Pflanzenstärkungsmittel zum Einsatz.

 

In Deutschland ist die Pechnelke vielerorts selten geworden

Obwohl ihre nützlichen Pflanzenwirkstoffe bereits international gehandelt werden, ist die Pechnelke natürlicherweise nur in einem geschlossenen Verbreitungsgebiet von Zentraleuropa bis nach Westsibirien beheimatet. Vorposten der Art reichen von Westfrankreich, Schottland bis in den Norden Skandinaviens sowie von Spanien nach Süditalien bis an den Kaukasus. Durch den Menschen  konnte sich die Pechnelke als Neophyt inzwischen auch in einigen Bundesstaaten im Nordosten der USA und in Neuseeland etablieren.

In Deutschland erreicht die Pechnelke die Westgrenze ihres Hauptverbreitungsgebiets. An der Nordseeküste und in großen Teilen Nordwestdeutschlands sowie im Süden Deutschlands fehlt die Art sogar ganz. In den Mittelgebirgen in Sachsen, Bayern und Rheinland-Pfalz ist die Pechnelke noch häufiger anzutreffen. In Nordostdeutschland wird die Art hingegen immer seltener und hat in den vergangenen Jahrzehnten viele ihrer Vorkommen verloren. In Berlin ist die Pechnelke inzwischen sogar vom Aussterben bedroht.    

Klebriger Stängel enttarnt die Pflanze

Die mehrjährige Pflanze wird zwischen 30 bis 60 cm groß und bildet im ersten Jahr nur eine unscheinbare Blattrosette aus. Blütentriebe bekommt die Pechnelke erst ab dem zweiten Lebensjahr. Zwischen Mai und Juli kann man dann die in Trauben stehenden, purpurnen Blüten der Pechnelke entdecken. Auffällig ist dann die meist heller gefärbte, hochragende Nebenkrone, die den Weg ins Innere für viele Blütenbesucher versperrt. Nur Tagfalter und Hummeln erreichen mit ihren langen Saugrüsseln dann noch den tief in der Blütenröhre verborgenen Nektar.

Um sicher zu gehen, dass man wirklich die Pechnelke vor sich hat, kann man auch den "Klebtest" machen. Ihren Namen hat die Pflanze nämlich durch ihren stark klebrigen Stängel erhalten, der vermutlich als Schutz gegen hinaufkrabbelnde Insekten wie Blattläuse wirkt. Größere Insekten wie gefräßige Schmetterlingsraupen werden davon aber nicht aufgehalten.

Fehlende Lebensraumpflege schwächt die Vorkommen

Grund für den Rückgang ihrer Vorkommen ist vermutlich der Lichtmangel in Folge von Beschattung. Die Sonnenanbeterin ist auf offene Trocken- und Magerrasen sowie auf lichte trockene Wälder und Gehölzsäume angewiesen, am liebsten wächst sie auf kalkarmen und nährstoffarmen Böden. In ihren Lebensräumen hat die Pechnelke jedoch kaum noch eine Chance, sich gegen hochwüchsige Gräser oder eine dichter werdende Strauch- und Baumschicht durchzusetzen.

Maßgeblich für die Veränderungen ihres Lebensraums sind vor allem die Nährstoffanreicherung ärmerer Böden durch Immissionen aus Flug- und Stadtverkehr sowie durch Düngereinträge aus der Landwirtschaft. Aber auch die fehlende Landschaftspflege offener Habitate kann die Vergrasung oder Verbuschung zusätzlich beschleunigen. Wo früher Schafe das Gras kurzgehalten haben, müssen heute zum Teil aufwändige Maßnahmen ergriffen werden, um der Pechnelke und vielen weiteren lichtliebenden Arten wieder mehr Platz einzuräumen.  

Sollten Sie auf Ihren Spaziergängen die Pechnelke finden, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung per E-Mail mit Fotobeleg. Vielen Dank!  

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