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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats Mai 2021

Gewöhnlicher Sumpfquendel Peplis portula L.

Ein Pionier, der sich mit einem Fuß unter Wasser und dem anderen an Land behaupten kann – diese Eigenschaft, auf extrem wechselnassen Standorten zu überleben, hat der Sumpfquendel offenbar perfektioniert.

Seine mit Luft gefüllte Wurzelrinde ermöglicht es ihm, das Rhizom auch längere Zeit in flachem Wasser stehend mit Sauerstoff zu versorgen. Anderen Arten kann bei diesen nassen Bedingungen schon einmal die „Luft“ ausgehen. Diese Strategie hat sich nicht ohne Grund entwickelt, denn das lichthungrige Gewächs aus der Familie der Blutweiderichgewächse ist aufgrund seiner geringen Größe von nur 5 cm bis 20 cm auf offene und unbeschattete Böden angewiesen, die für andere Arten eher unattraktiv sind.

Um den Sumpfquendel besser zu finden, sollte man nach den häufig rötlich überlaufenen und kriechenden Stängeln mit gegenständigen spatelförmigen Blättern Ausschau halten. Zwischen Juni und September sitzen in den Blattachseln die unauffälligen rosafarbenen Blüten und Früchte.

Nach der Fruchtreife werden in den kugelförmigen Kapseln besonders langlebige und schwimmfähige Samen ausgebildet, die eine weitere Anpassung an den Lebensraum des Sumpfquendels darstellen. Wenn in einem Jahr die Bedingungen ungünstig sind, ruhen die winzigen Samen einfach im Boden und warten geduldig auf ihre nächste Chance zu keimen.

Geeignete Standorte für den stresstoleranten Sumpfquendel sind unbeschattete, gehölzfreie sowie wechselfeuchte Gräben, Pfuhle und Uferbereiche von Kleingewässern. Aber auch temporäre Mikro-Habitate wie zeitweise überflutete Ackerflächen und Fahrspuren werden von dieser kurzlebigen Art besiedelt.

Das natürliche Verbreitungsareal des Sumpfquendels erstreckt sich nahezu über den gesamten europäischen Kontinent. Die Art kann von der Iberischen Halbinsel bis Irland und Südskandinavien, östlich bis zum Ural und südöstlich auf dem Balkan angetroffen werden. Außerhalb des geschlossenen Verbreitungsareals kommt die Art vereinzelt auch in Nordafrika, der Türkei und auf den Azoren vor. Mittlerweile wurde der Sumpfquendel bis nach Nordamerika und Australien verschleppt, wo er zuvor nicht vorkam. Sein Vorkommen in der Landschaft konzentriert sich vor allem auf wasserreiche oder sumpfige Gebiete in sämtlichen Höhenlagen mit Ausnahme der alpinen Stufe. Die Art kommt zerstreut in ganz Deutschland vor, ist aber in einigen Gegenden wie den mitteldeutschen Trockengebieten und kalkreichen Gebieten seltener anzutreffen.

In Berlin wird der Sumpfquendel mittlerweile als vom Aussterben bedroht eingestuft, da langfristig und kurzfristig ein sehr starker Rückgang zu verzeichnen ist. Seine Lebensräume sind in den letzten Jahrzehnten entweder verschwunden oder wurden erheblich zu Ungunsten von Arten der Schlammboden-Pionierfluren verändert. So wurden viele Pfuhle und andere Kleingewässer mit wechselnden Wasserständen vernichtet oder in Parkgewässer mit nahezu gleichbleibenden Wasserständen umgewandelt. Dabei wurden Ufer befestigt und mit Gehölzen oder Röhricht bepflanzt, intensive Erholungsnutzung führt zu weiteren Belastungen. Ackersölle und Nassstellen in Äckern werden sowohl durch eine Intensivierung als auch durch Aufgabe der Ackernutzung als Lebensraum für den Sumpfquendel unbrauchbar. Nährstoffeinträge in die Gewässer begünstigen gleichzeitig das Wachstum weniger dominanter und schnellwüchsiger Arten, wie z.B. Schilf. Diese verdrängen dann die artenreichen, auf Pionierstandorte angewiesenen Zwergbinsengesellschaften an Ufern von Pfuhlen und Kleingewässern. Eine weitere Belastung stellen die langen Trockenperioden der letzten Jahre dar, wodurch Kleingewässer langfristig trockenfallen und zuwachsen.

Da die Samen des Sumpfquendels sehr langlebig sind, besteht die Chance, dass die Art an früheren Fundorten aus der Bodensamenbank reaktiviert werden kann. Mit gezielten Renaturierungs- und Pflegemaßnahmen können wieder günstige Standortbedingungen für die konkurrenzschwache Art an Kleingewässern geschaffen werden. Zum Teil müssen dazu an ehemaligen Fundorten zunächst Gehölze oder dichte Grasdecken beseitigt werden. In Bereichen mit wechselnden Wasserständen kann die Art dann an offenen Bodenstellen wieder aufwachsen und sich vermehren.

Sollten Sie auf Ihren Spaziergängen an einer nassen Stelle das kleine Pflänzchen entdecken, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung per E-Mail mit Fotobeleg. Vielen Dank!

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