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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats Juni 2021

Gekielter Lauch Allium carinatum s.l. L.

Auf den ersten Blick erinnert sein ungewöhnlicher Blütenstand an Planetenmodelle in Science-Fiction-Filmen. Paradoxerweise findet man den Gekielten Lauch in Berlin aber nahezu ausschließlich in einem historischen Umfeld und zwar in alten Parkanlagen.

Vor allem zur Blütezeit zwischen Juni und August kann man die zierliche, 20-60 cm hohe Pflanze sichten. Dann faszinieren ihre langen, rosa-violetten Blütenstängel, die seitlich bogig herabhängen. Extravagant ist das Aussehen der mehrjährigen Zwiebelpflanze aber schon vorher, wenn die noch unfertigen Scheindolden von einem häutigen, gezipfelten Beutel umschlossen sind. Zur Blüte zerreißt die Doldenhülle dann in zwei vertrocknende Hälften.

Die in Berlin vorkommende Unterart des Gekielten Lauchs, Allium carinatum subsp. carinatum, setzt dem sogar noch einen drauf. Sie entwickelt innerhalb ihres Blütenstandes auffällige, grüne Brutzwiebeln. Neigt sich die Blüte ihrem Ende zu, fallen diese ab und tragen so maßgeblich zur Verbreitung der Pflanze bei. Die Blüten selbst sind meist unfruchtbar und Früchte mit Samen entwickeln sich eher selten. Die Artbezeichnung „Gekielter“ Lauch rührt von den nur 2-4mm schmalen, linealischen Blättern, die aussehen, als wären sie in der Mitte längs gefaltet und die unterseits kleine Längsrippen aufweisen.

Ähnlich wie bei seinem Allium-Gefährten Knoblauch sind auch die Zwiebeln des Gekielten Lauchs essbar. Die bis zu 1 cm breiten Zwiebeln überdauern als Erneuerungsknospen im Boden und ermöglichen so das Überleben im Winter. Früher wurde die Pflanze als Heilmittel für Verdauungsschwierigkeiten und gegen Motten eingesetzt.

Seit 1950 hat er den Großteil seiner Vorkommen in Mittel- und Norddeutschland eingebüßt, so dass er in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen nur noch in süddeutschen Flusstälern, im Alpenvorland und im Alpenraum vorkommt. Im restlichen Europa findet sich der Gekielte Lauch schwerpunktmäßig in den Berg- und Alpenregionen, in Norditalien und auf dem Balkan. Während sein ursprüngliches Areal Zentral- und Südosteuropa bis zur Westküste des Schwarzen Meeres umfasst, gilt er in Norddeutschland, Großbritannien, Belgien und den Niederlanden als eingebürgerter Neophyt. In Berlin ist er extrem selten und vom Aussterben bedroht. Er gilt hier als sogenannter Grassamenankömmling, da er bei der Anlage historischer Landschaftsparks wie der Pfaueninsel unabsichtlich mit Ansaaten eingebracht wurde.

Für eine Suche nach dem Gekielten Lauch kommen sonnige, offene und stickstoffarme Standorte in Frage.  Mit seiner Vorliebe für ausgesprochene Nährstoffarmut und einer Toleranz für starke Trockenheit ist er vorrangig in Trocken- und Halbtrockenrasen zu finden. Als Stromtalart kann er außerdem stark wechselnde Feuchtigkeit ertragen, weshalb er darüber hinaus in wechseltrockenen bis feuchten Wiesen sowie alten Parkanlagen zu finden ist. Auch an Rändern lichter Laubwälder ist das Lauchgewächs mitunter zu entdecken.

Die Gründe für den Rückgang der Art liegen im Verlust von extensiv genutzten mageren Rasenflächen und Feuchtwiesen. Werden sie bebaut, intensiv beweidet oder mittels Düngung in ertragreicheres Grünland umgewandelt und intensiv bewirtschaftet, dann hat der Gekielte Lauch keine Chance mehr. Andererseits darf die Mahd auch nicht gänzlich eingestellt werden. Ist dies der Fall, setzt die natürliche Sukzession mit einer Abfolge von konkurrenzstarken Gräsern, Hochstauden und Gehölzaufwuchs ein, bis aus der einstmaligen Offenfläche wieder Wald geworden ist.  

Zur Erhaltung der Art ist eine ein- bis zweischürige späte Mahd zu empfehlen, so dass die Wildpflanze zur Blüte gelangen und fruchten kann. Dabei kann abwechselnd ein- oder zweimal im Jahr gemäht werden.

Sollten Sie auf Ihren Spaziergängen durch historische Parkanlagen die extravagante Pflanze entdecken, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung per E-Mail mit Fotobeleg. Vielen Dank!

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