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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats August 2020

Färber-Meier Asperula tinctoria L.

„Schön hochroth“ färbt der Färber-Meier. So heißt es in einem alten botanischen Handbuch von 1808. Bloß wie? Eine Frage, die sich beim Anblick der weißblühenden Staude wohl jedem stellt. Die Lösung liegt wie so oft im Verborgenen. Der entscheidende Farbstoff versteckt sich nämlich unter der Erde, im orange-rötlichen Rhizom und Wurzelwerk.

Die kleinen, zarten Blüten der historischen Färberpflanze blühen zwischen Juni und August. Auch die linealischen Blätter, die in Wirteln zu viert oder sechst um den vierkantigen Stängel sitzen, sind klein und fein. Sie geben der 30 bis 60 Zentimeter großen Staude ein luftiges, graziles Erscheinungsbild. Im Boden benötigt der Färber-Meier viel Kalk, aber nur wenig Nährstoffe. Bevorzugt steht er licht- bis halbschattig und kommt in Halbtrockenrasen, lichten Trockenwäldern und sonnig-warmen Gehölzsäumen vor.

Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Mitteleuropa bis nach Südschweden, Mittelrussland und dem südlichen Ural. Da die Nord-West-Grenze dieses Areals quer durch Deutschland verläuft, ist er ausschließlich in Ost- und Süddeutschland zu finden. Hier existieren Vorkommen in Ost- und Mittelbrandenburg, im sachsen-anhaltinischen und thüringischen Harzvorland, nördlich und südlich des Thüringer Waldes sowie auf der Schwäbischen Alb, der Fränkischen Alb und im Alpenvorland.

Seit den 1950er Jahren hat der Färber-Meier in Deutschland zahlreiche Vorkommen eingebüßt, so dass er heute selten ist. In Berlin ist er mit nur einer verbleibenden Population aus wenigen Exemplaren sogar vom Aussterben bedroht. Die Ursachen für den Rückgang der Art liegen im Verlust seiner Lebensräume. Stoffeinträge aus industrieller Tierhaltung und Landwirtschaft sowie Stickoxide aus verschmutzter Luft verursachen eine zunehmende Nährstoffanreicherung der Böden. Dadurch werden nährstoffliebende, konkurrenzstarke Pflanzenarten gefördert, wodurch Pflanzen wie der Färber-Meier den Kürzeren ziehen. An Magerrasenstandorten führt dies zunächst zum verstärkten Wachstum konkurrenzstarker Gräser und später zu einer Verbuschung der Offenflächen durch aufkommende Gehölze. Waldstandorte werden ebenfalls immer dichter und schattiger, sodass es für Halbschatten- und Halblichtpflanzen wie den Färber-Meier schwer wird. Kleinräumige Sonderstandorte wie Gehölzränder und Brachen sind sowohl durch eine Intensivierung der Nutzung als auch durch Nutzungsauflassung gefährdet.

Aufgrund der Seltenheit erscheint der Schutz aller, auch der derzeit verschollenen Berliner Populationen notwendig. Hilfreich ist eine gelegentliche Biomasseentfernung durch Mahd oder eine sehr extensive und kurzzeitige Schafbeweidung, um den Nährstoffgehalt der Standorte niedrig zu halten. Auch die Entfernung von Randgehölzen, die gelegentliche Mahd von Trockenrasen- und Schneisenflächen sowie die Offenhaltung von Lichtungen mindern den Konkurrenzdruck und sorgen für eine ausreichende Besonnung. Konkurrenzstarke Neophyten, wie beispielsweise die Robinie, sollten an Fundorten des Färber-Meiers entfernt werden.

Die Lebensdauer der Samen in der Bodensamenbank ist noch nicht bekannt. An früheren Fundorten sind deshalb Auflichtungen und Bodenverwundungen sinnvoll, damit im Boden enthaltene Samen zur Keimung gelangen können.

Sollten Sie auf Ihren Spaziergängen eine solche Pflanze finden, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung per E-Mail mit Fotobeleg. Vielen Dank!

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