Pflanze des Monats Mai 2018

Waldmeister
Waldmeister
Bild: Antje Deepen-Wieczorek/piclease

Waldmeister Galium odoratum (L.)

Wir alle kennen ihn von leucht- bis quietschgrünen Gaumenfreuden vergangener Kindheitstage. Das unverwechselbare Aroma veredelt neben Wackelpudding und Brause auch saisonale Klassiker wie die Maibowle. Auf lange Sicht könnte seine Beliebtheit dem Waldmeister jedoch zum Verhängnis werden.

Während uns die Lebensmittelindustrie das ganze Jahr hindurch mit künstlichen Aromen betört, hat der echte Waldmeister jetzt im Frühling Saison. Seine zarten, weißen Blüten verströmen von Mai bis in den Juni einen lieblichen Duft. Das typische Waldmeisteraroma entstammt jedoch den Blättern der bis zu 30 cm hohen Pflanze, die leicht angewelkt das intensivste Aroma verbreiten.

Der Meister des Waldes wächst in fast ganz Deutschland. Er liebt Laubwälder mit humosen Böden, die reich an Nährstoffen sind. Dabei benötigt er halbschattige bis schattige Standorte mit einer gewissen Bodenfeuchte. Diese Standortbedürfnisse sind einer der Gründe, weshalb die einheimischen Bestände des Waldmeisters im trockenen, vielerorts sandigen Berlin eine Seltenheit sind. Der andere Grund liegt in Veränderungen und der Bewirtschaftung der Wälder. Zum Beispiel können Waldmeisterbestände leicht übersehen, bei Forstarbeiten überfahren oder von Holzstößen überlagert werden. 

Aber ist der Waldmeister in Berlin wirklich so selten? Schon seit Jahrhunderten wird der populäre Sympathieträger gerne in Gärten und Parks angepflanzt. Die alte Heilpflanze ist für viele Menschen der Inbegriff von Frühling und kann zu dieser Zeit sogar im Supermarkt erworben werden. Jedoch sind solche Exemplare aus gärtnerischer Anzucht für die wenigen ursprünglichen Berliner Waldmeisterbestände weder Ersatz noch Hilfe. Ganz im Gegenteil, können sie in der Nähe alteingesessener, wilder Bestände sogar ein Risiko für diese darstellen. 

Denn über lange Zeiträume hinweg passen sich alle Pflanzenarten an die spezifischen Umweltbedingungen ihrer Region an. Diese genetischen Anpassungen bieten ihnen in ihrer jeweiligen Region die größten Überlebenschancen. Vermischen sich die Wildbestände aber mit Pflanzen anderer Regionen oder aus gärtnerischer Herkunft, gefährdet das ihre langwierig erworbenen Anpassungen. So ist es z.B. möglich, dass die gärtnerischen Kulturen noch weniger Trockenheit tolerieren können als die regionalen Wildbestände. Dazu kommt, dass Wildbestände genetisch breiter gefächert sind als ihre Ebenbilder aus der gärtnerischen Zucht. Der Erhalt einer hohen genetischen Vielfalt ist jedoch von großer Bedeutung für die zukünftige Überlebenschance einer Pflanzenart, insbesondere vor dem Hintergrund sich ändernder Klima- und Umweltbedingungen.

Vielfach unbekannt ist, dass Gartenabfälle auch Pflanzenteile enthalten können, die noch vital sind. Werden sie in der freien Landschaft, in Grünanlagen, an Wegrändern oder im Wald entsorgt, stellen sie neben der Eutrophierung des Standortes ein genetisches Risiko für gefährdete Wildpflanzen dar. Bitte entsorgen Sie Gartenabfälle deshalb ordnungsgemäß in der Biotonne oder kompostieren sie sie innerhalb Ihres Gartens. So helfen sie mit, die wilden Berliner Pflanzen und ihre genetische Vielfalt zu erhalten.   

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
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