Pflanze des Monats Februar 2018

Quellgras
Quellgras
Bild: J. Meißner

Quellgras Catabrosa aquatica  (L.) 

Einen wahren Quell der Freude muss das unscheinbare Quellgras für das Vieh auf nassen Weideflächen dargestellt haben. Sein süßer Geschmack machte es einst zu einem geschätzten Futtergras, das gut Tritt- und Weidebelastungen verträgt. Selbst sein botanischer Name ist aus dem griechischen Wort katabrosis abgeleitet, was so viel wie „verzehren“ bedeutet. Der deutsche Name hingegen kann auch als Hinweis auf seine bevorzugten Standorte gelesen werden. Quellgras liebt das Wasser und besiedelt am liebsten sickernasse Ufer von Quellen, Wassergräben und Fließgewässern. Mitunter reichen seine Bestände sogar flutend in das Wasser hinein.

Das Gras bildet 10 bis 40 cm hohe, lockere Rasen und wird aufgrund seiner Ähnlichkeit leicht mit Rispengras- und Schwaden-Arten verwechselt. Am besten lässt es sich mithilfe seiner zahlreichen Blüten in der Zeit zwischen Juni und September erkennen. Es vermehrt sich sowohl mittels seiner Samen als auch über lange kriechende Ausläufer.

Das Hauptareal der Art liegt in Europa, außerdem ist sie im nördlichen Asien und in Nordamerika zu finden. Das Quellgras tritt jedoch in seinem Verbreitungsgebiet charakteristischerweise nur zerstreut auf. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es Vorkommen noch in weiten Teilen Deutschlands. Die Bestände sind in Deutschland und großen Teilen Mitteleuropas in den letzten Jahrzehnten jedoch dramatisch eingebrochen, etwa zwei Drittel der Vorkommen sind inzwischen verschwunden. In Berlin ist die Lage nicht besser: Es sind acht historische Fundorte des Quellgrases bekannt, aktuell kann jedoch nur ein einziger davon bestätigt werden.

Die Ursache für den Rückgang ist eine Kombination mehrerer ungünstiger Entwicklungen, die der Art zu schaffen machen. So wurden beispielsweise nasse Standorte in Berlin großflächig trockengelegt und z. T. überschüttet oder bebaut. Auch die Begradigung von Gräben, das Brachfallen von Feuchtwiesen und ein Verlust dörflicher Elemente verringern die Anzahl möglicher Lebensräume des Quellgrases. Der Lebensraum der extensiv gemähten, kleinseggenreichen Niedermoorwiesen, in dem das Quellgras aktuell in Berlin vorkommt, ist ebenfalls kaum noch in der Hauptstadt zu finden. 

Aus Abgasen stammende Stickstoffeinträge begünstigen auch hier das Wachstum konkurrenzstarker Arten, wie z. B. von Schilf oder Großseggen. Hohe und dichtwüchsige Schilf- und Seggenbestände können dann das lichtbedürftige Quellgras leicht verdrängen. Die Rettung besteht in einer regelmäßigen Mahd der Flächen, wodurch das Quellgras begünstigt wird. 

Um den Erhalt der Berliner Vorkommen des Quellgrases langfristig zu sichern, sollen Samen am verbliebenen Fundort gesammelt und in die Erhaltungs- und Vermehrungskultur aufgenommen werden. Neu gezogene Exemplare können dann an geeigneten Standorten ausgebracht werden.

Halten auch Sie Ausschau nach Feucht- und Nasswiesen, auf denen sich das Quellgras wohlfühlen könnte. Über entsprechende Mitteilungen freuen wir uns!

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