Pflanze des Monats August 2018

Großer Odermennig – Agrimonia procera WALLR.

Einst populär, inzwischen in Vergessenheit geraten – das trifft nicht nur auf Boygroups der 90er Jahre zu, sondern auch auf so manche Heilpflanze. Ein Beispiel dafür ist der Große Odermennig.

Das Rosengewächs kommt ganz ohne Dornen aus und kann bis zu 180 cm groß werden. Ebenso bemerkenswert wie die Form der grob gezahnten Fiederblätter ist sein frischer, zitronenähnlicher Geruch, der zahlreichen Drüsen auf den Blattunterseiten entspringt. Die dekorativen gelben Blüten des Großen Odermennigs erscheinen in länglichen Ähren zwischen Juni und August.

Man kann den großen Odermennig als Europäer bezeichnen. Sein geschlossenes Verbreitungsareal erstreckt sich von Irland, Nordschottland und Westfrankreich über Mitteleuropa bis in den mittleren Balkan. Daneben existieren zerstreute Vorposten in Spanien, Italien, Südskandinavien, in der Türkei sowie in Westrussland und in der Ukraine. Deutschlandweit hat er im letzten Jahrhundert Vorkommen verloren. Aus Berlin ist er fast ganz verschwunden, hier kennen wir aktuell nur ein einziges autochthones Vorkommen.

Kalkhaltige Böden, wie sie in Städten häufig sind, meidet der große Odermennig. Die bevorzugten Standorte der Halblichtpflanze sind frische Krautsäume an Weg-, Wald- und Wiesenrändern. Als sogenannte Saumart benötigt der Große Odermennig locker bewachsene, halbschattige Übergangsbereiche zwischen geschlossenen Vegetationsstrukturen wie Wäldern und offenen Bereichen wie Wiesen und Wegen. Damit sich an Weg- und Waldrändern blütenreiche Krautsäume mit Pflanzen wie dem Großen Odermennig entwickeln können, braucht es einen nur leicht beschatteten Streifen ohne Gehölze, der ab und an gemäht wird. Gehölzaufwuchs würde nämlich zu einer Verdrängung der Kräutervielfalt führen.

Aber auch die Entsorgung von Gartenabfällen in der freien Landschaft oder an Waldrändern stellt ein ernstzunehmendes Problem dar. Gartenabfälle führen zu einer Nährstoffanreicherung der Böden, die die Standorte nachhaltig verändert und nährstoffliebende, konkurrenzstarke Arten fördert. Pflanzen, wie der Große Odermennig, die nur geringe Nährstoffgehalte im Boden benötigen, ziehen dann schnell den Kürzeren. Bitte entsorgen Sie daher keine Gartenabfälle in der Landschaft.

Wenn Sie der altertümlichen Heilpflanze bei einem Ihrer Sommerspaziergänge über den Weg laufen, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung, am besten mit Fotobeleg! Vielen Dank.

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
Potsdamer Straße 68
10785 Berlin
E-Mail: mail(at)stiftung-naturschutz.de
Tel.: 030 26394 -176