Pflanze des Monats Oktober 2018

Gewöhnlicher Teufelsabbiss
Gewöhnlicher Teufelsabbiss

Gewöhnlicher Teufelsabbiss – Succisa pratensis MOENCH

Für unzählige Berliner Freibadgänger war der diesjährige Rekordsommer ein echter Traum. Die Berliner Vorkommen des Gewöhnlichen Teufelsabbisses hätten bestimmt auch überaus gerne ihre Füße in kühles Nass gesteckt, denn das Kardengewächs liebt es feucht und wächst am liebsten in nährstoffarmen Feuchtwiesen, wechselfeuchten bis frischen Magerrasen oder auch Flachmooren. Es ist bis in Höhen von 2.400 m zu finden. 

Wessen Wanderwege zwischen Juli und September also an feuchten Berg- oder moorigen Almwiesen vorbeiführten, der konnte sich mit etwas Glück am hübschen Anblick der violettblauen Blüten des Gewöhnlichen Teufelsabbisses erfreuen. Aufgrund der späten Blütezeit ist er für diverse einheimische Falter und Raupen nicht nur eine wichtige Raupenfutter-, sondern auch eine bedeutende Nektarpflanze. Über 50 Einzelblüten sind in seinen halbkugeligen Körbchenblüten zusammengefasst. Er ähnelt somit anderen Kardengewächsen wie Skabiosen und Witwenblumen. Ein auffälliger Unterschied zu diesen ist, dass seine Einzelblüten im ganzen Körbchen die gleiche Größe und Form besitzen. Dagegen sind bei Skabiosen und Witwenblumen die Randblüten vergrößert und strahlend. Trotz seines Namens steckt die altertümliche Heilpflanze nicht mit dem Teufel unter einer Decke. Vielmehr heißt es, der Teufel habe ihm aus Wut über seine Heilkräfte die untere Wurzel abgebissen. Da der untere Teil seines Wurzelstocks im Herbst abstirbt, scheint dieser wie aus der Tiefe abgeknabbert.

Das geschlossene Verbreitungsgebiet des Gewöhnlichen Teufelsabbisses reicht von Südfrankreich über die Britischen Inseln, Mitteleuropa, Südskandinavien und Weißrussland bis nach Westsibirien. Er kommt in allen deutschen Bundesländern vor, wobei sich sein Bestand seit den 1950er-Jahren signifikant verringert hat. In Berlin ist er in einzelnen Forsten und Naturschutzgebieten im Norden und Südosten der Stadt, wie z. B. am Tegeler Fließ und in den Gosener Wiesen, zu finden. 

Seit der Aktualisierung der Roten Liste Anfang des Jahres gilt der Teufelsabbiss in Berlin wegen seines starken Rückgangs als vom Aussterben bedroht. Daher wird er nun als eine neue Zielart des Berliner Florenschutzes mit sehr hoher Schutzpriorität eingestuft. Gefährdet wird die Art vor allem durch eine Absenkung des Grundwasserstandes, Sommertrockenheit, Nährstoffeinträge aus der Luft und das Verschwinden mageren Feuchtgrünlandes. Ein großes Problem stellt die mangelnde Nutzung bzw. Pflege extensiver Wiesen und Weiden dar. Wenn deren Nutzung oder Pflege aufgegeben wird, erobern konkurrenzstarke Gräser, Stauden und Gehölze die Flächen, so dass konkurrenzschwache Wiesenarten wie der Teufelsabbiss nicht überleben können.

Mit etwas Glück können Sie aber auch bei Wanderungen in Berlin den Teufelsabbiss noch entdecken. Wir freuen uns über Fundmeldungen!

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
Potsdamer Straße 68
10785 Berlin
E-Mail: mail(at)stiftung-naturschutz.de
Tel.: 030 26394 -176