Pflanze des Monats Juli 2018

Borstige Schuppensimse – Isolepis setacea (L.) R. BR.

So widerspenstig wie sie sich anhört, ist die Borstige Schuppensimse eigentlich gar nicht. Ganz im Gegenteil kann sie recht anhänglich werden. Sind ihre Samen reif, heften sich die Ährchen an die Gefieder von Vögeln, um als blinde Passagiere neue Standorte zu erobern. Diesen charakteristischen Früchten hat die Borstige Schuppensimse wohl auch ihren Namen zu verdanken, denn zum einen sind sie deutlich geschuppt und zum anderen besitzen sie ein ungewöhnliches Hüllblatt, das einer Borste ähnelt. Einem Hutzipfel gleich ragt es mehrere Zentimeter über die Frucht hinaus und verleiht der Pflanze eine freche, zwergenhafte Erscheinung. Mit ihrer geringen Größe von 2 bis 10 cm zählt die Borstige Schuppensimse auch ansonsten zu den Zwergen unserer Pflanzenwelt. Selbst ihre Blüten, die zwischen Juli und Oktober erscheinen, sind klein und unscheinbar.

Man muss also genau hingucken, um die Borstige Schuppensimse zu entdecken. Die Suche lohnt sich nur an feuchten Standorten, da sie feuchte bis nasse Ufer, Grabenränder, feuchte Weiden und Waldwege bevorzugt. 

Bis auf wenige Ausnahmen kommt sie nur in Mittel- und Westeuropa, auf den Britischen Inseln und in Marokko vor. Ihre östliche Verbreitungsgrenze reicht knapp über die Oder hinaus. Deutschland zählt zum Hauptareal der europäischen Art. Bundesweit hat sie bis heute jedoch zahlreiche Vorkommen eingebüßt. In vielen Bundesländern gilt sie als gefährdet, in Berlin sogar als vom Aussterben bedroht. 

Ein wesentlicher Grund dafür ist der Wegfall feuchter Standorte, die durch eine extensive Nutzung offengehalten werden. Historische Nutzungsformen wie leichte Beweidung verhinderten nicht nur das Zuwachsen offener Flächen, sondern führten durch die Tritte der Tiere auch zu Lücken in der Vegetationsdecke, die der Borstigen Schuppensimse zu Gute kamen. Als meist einjährige Pionierpflanze benötigt sie nämlich regelmäßig offene Bodenstellen, um Keimen zu können. Nasse Standorte liegen heutzutage jedoch oftmals brach und wachsen im Laufe der Zeit zu. Lichtliebende Arten wie die Borstige Schuppensimse werden dann durch die geschlossene Grasnarbe ausdauernder Kräuter und Gräser verdrängt. Maßnahmen zum Erhalt der Art sind z. B. Mahd oder Beweidung, um die offenen Standorte vor dem Zuwachsen zu bewahren und eine lückige Vegetationsdecke zu erhalten.

Derartige Pflegemaßnahmen lohnen sich selbst auf ehemaligen Standorten der Borstigen Schuppensimse, auf denen die Art aktuell nicht mehr nachgewiesen werden kann. Ihre Samen sind nämlich nicht nur anhänglich, sondern auch ausgesprochen langlebig und können außergewöhnlich lange im Boden überdauern. Durch diese Zähigkeit kann dem Zwerg auch nach Jahrzehnten noch zu einem Comeback verholfen werden.

Wenn Sie die Art auf einem Ihrer nächsten Spaziergänge entdecken, melden Sie den Fund – am besten mit Fotobeleg – an die Stiftung Naturschutz Berlin. Vielen Dank!  

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
Potsdamer Straße 68
10785 Berlin
Tel.: 030 26394 -176
E-Mail: mail(at)stiftung-naturschutz.de