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draußen spielen

Was sind Naturerfahrungsräume?

Naturerfahrungsräume sind naturnahe Freiflächen in Städten, auf denen Kinder ohne Geräte spielen und sich ausprobieren können. Unbeaufsichtigt durchs Gebüsch toben, im Matsch spielen, Staudämme bauen, auf Baumstämmen balancieren, Käfer um die Wette laufen lassen – Kinder brauchen Naturerfahrungen, und zwar eigenständige. Sie brauchen sie für ihre Persönlichkeits- und Sozialentwicklung ebenso wie für die Herausbildung eines eigenen Umweltbewusstseins. Doch wie sollen Kinder eine Beziehung zu ihrer Umwelt aufbauen, wenn naturnahe Freiflächen und wilde Brachen fast vollständig aus unseren Städten verschwunden sind? Hier setzt das Konzept der Naturerfahrungsräume (NER) an. Es bietet die große Chance, urbanes Leben und Stadtnaturschutz zu verbinden.

Warum diese Spiel- und Entdeckungsmöglichkeit für Kinder in der Stadt so wichtig ist, zeigt unser Film. Denn Kinder lieben spielen und Kinder lieben Natur.

Das Konzept

Das Konzept der städtischen Naturerfahrungsräume als neue Grünflächenkategorie entstand bereits 1998. Idealerweise handelt es sich dabei um eine mindestens ein Hektar große „wilde“ Fläche in der nahen Wohnumgebung, auf der Kinder und Jugendliche unbeaufsichtigt und ohne Geräte frei spielen und mit der Natur in Kontakt treten können. Vorbilder dafür fand man in der Stadt Oppenheim mit dem naturnahen Spielraum „Paradies” oder mit der „Naturwildnis” in Lübeck. Die Eigenschaften von städtischen Naturerfahrungsräumen hat Dr. Hans-Joachim Schemel in einem Steckbrief zusammengestellt.

Die Haupteigenschaften eines städtischen Naturerfahrungsraums

Nutzung

Vorrang Erholung (Schutzgebiete nur in Ausnahmefällen geeignet)

Charakter

min. 50 % naturbelassen, der Rest extensiv gepflegt
natürliche Entwicklung der Pflanzen (natürl. Sukzession)
natürliche Attraktivität (evtl. Anfangsgestaltung: z.B. Erdhügel, Tümpel)
keine Geräte oder sonstige Infrastruktur

Größe

ca. 2 ha (in Ausnahmefällen: min. 1 ha)

Pflege

zwecks Offenhaltung extensive Pflege in Teilräumen (je nach örtlichen Gegebenheiten, Besucherfrequenz und Wünschen der Nutzer/innen)

Lage

in Wohnbereiche integriert oder diesen dicht zugeordnet
(Erreichbarkeitsradius möglichst nicht über ca. 300 m)

Zielgruppe

vorrangig Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 12 Jahren,
nachrangig auch ältere Jugendliche und Erwachsene

Betreuung

möglichst keine pädagogische Betreuung, Kinder bleiben unter sich
Ausnahmen: Spielaktionen zum Kennenlernen, Abbau von Schwellenängsten bei der Begegnung mit „wilder“ Natur
allerdings Betreuung der Fläche zur Gewährleistung der Sicherheit

Reglementierung

keine Verbote oder Gebote, allerdings Einhaltung von Sicherheitsstandards  (in Abstimmung mit Haftpflichtversicherung),
ansonsten sind alle Aktivitäten außer Motorsport erlaubt

Planerische Sicherung

Im Rahmen der Bauleitplanung sind Naturerfahrungsräume als Grünflächen mit besonderer Zweckbestimmung auszuweisen

Die genannten Eigenschaften hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. dem Charakter der Flächen, der Wohnumgebung oder den Anwohner*innen, und sind daher sehr unterschiedlich auslegbar. Aufgabe des von der Stiftung Naturschutz durchgeführten Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens (E+E-Vorhaben) zu Naturerfahrungsräumen in Großstädten war es deshalb, das Konzept auf seinen gezielten Einsatz in Großstädten zu überprüfen.

Quelle:
Schemel, H.-J./Wilke, T. (2008): Das Konzept der Städtischen Naturerfahrungsräume und Thesen zu seiner Umsetzung. In: BfN (Hrsg.) BfN -Skripten 230 (2008): Kinder und Natur in der Stadt. Spielraum Natur: Ein Handbuch für Kommunalpolitik und Planung sowie Eltern und Agenda-21-Initiativen. Bonn-Bad Godesberg: S. 83, S. 79-92

Da sich Naturerfahrungsräume noch nicht als öffentliche Freiräume in unseren Städten etabliert haben, wurde am 23. Februar 2018 auf einer Fachtagung in Berlin die „Resolution für die Schaffung von Naturerfahrungsräumen in der Stadt“ verabschiedet. Oberstes Ziel ist es, dass diese Freiflächen fester Bestandteil des öffentlichen Raums werden. Die Resolution finden Sie beigefügt als Pdf zum Download.

Im Jahr 2000 gründete sich der bundesweite Arbeitskreis Städtische Naturerfahrungsräume mit dem Ziel, mehr Wissen über das Thema zu erlangen und die breite Öffentlichkeit, örtliche Politiker und Planer zu informieren >> www.naturerfahrungsraum.de

Die Stiftung Naturschutz Berlin ist als Beratungsstelle für Naturerfahrungsräume tätig >> Infos NER-Beratungsstelle Berlin