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Die Vielfalt im Blick

Wiedergefundenes

Der Mittlere Sonnentau

Der Mittlere Sonnentau ist eine fleischfressende Pflanze, die in Berlin vom Aussterben bedroht ist. 2001 galt sie in der Hauptstadt als verschollen, wurde seitdem aber in zwei Berliner Mooren wieder nachgewiesen. Daher gehört der Mittlere Sonnentau zu den Zielarten des Berliner Florenschutzes, zudem ist er eine besonders geschützte Art. 

Dr. Hanna Köstler hat den Mittleren Sonnentau im östlichen Moorarm der Krummen Laake auf Maßnahmenflächen der Stiftung Naturschutz Berlin wiederentdeckt – mehr als zehn Jahre nach dem letzten Nachweis im westlichen Moorarm (2005). Zusätzlich konnte Frau Dr. Köstler dort vier Torfmoosarten nachweisen, die neuen Torf bilden und somit dafür sorgen, dass das Moor wieder wächst und klimawirksame Gase bindet. Diese positive Entwicklung ist ein Resultat von Naturschutzmaßnahmen, die die Stiftung Naturschutz Berlin aus Mitteln der Klimaschutzabgabe im östlichen Moorarm umgesetzt hat. Im Herbst 2016 werden auch im westlichen Moorarm Maßnahmen durchgeführt, um einen weiteren Teil der Krummen Laake wieder in seinen ursprünglichen, CO2-bindenden und vielfältigen Zustand zu versetzen.

Im September 2014 war der Mittlere Sonnentau unsere Pflanze des Monats.

Die Salzbinse

Manche einst in Berlin heimische Art findet sich heute nur noch als getrockneter Beleg im Herbarium des Botanischen Museums Berlin-Dahlem. Leider wächst die Zahl der gefährdeten Arten kontinuierlich. Da ist es schon eine kleine Sensation, wenn siebzehn Jahre nach dem letzten Fund eine Art wieder auftaucht, die schon als so gut wie ausgestorben galt. Bei einer Zielartenerfassung fand Dr. Hanna Köstler, Kartiererin der Koordinierungsstelle Florenschutz, eine Pflanze wieder, die in Berlin das letzte Mal vor siebzehn Jahren gesichtet wurde: die Salz-Binse.

Der letzte Nachweis der Art stammte aus einer Baugrube in Neukölln, in der sie 1998 zuletzt gefunden wurde. Da der Fundort wenig später bebaut wurde, galt die Art seitdem in Berlin als ausgestorben. Umso größer war die Überraschung, als in diesem Spätsommer die Salz-Binse an ihrem historischen Fundort im Herrnholzbecken in Wittenau wiederentdeckt wurde. An dieser Stelle war sie zuletzt 1984 gesichtet worden.

Wie ihr Name schon andeutet, ist die Salz-Binse  in Europa vor allem an den Küsten heimisch. Dort besiedelt sie mit weiteren salztoleranten Arten von Rindern und Schafen beweidete Salzwiesen, die gelegentlich vom Meerwasser überflutet werden. Abseits der Küsten ist die Salz-Binse in Mitteleuropa extrem selten. Sie zeigt hier Binnensalzstellen an, an denen salzhaltiges Wasser an die Oberfläche gelangt.

In Brandenburg wurden bis heute etwa 60 Salzaustrittstellen dokumentiert, ihre Schwerpunkte liegen im Berliner und Baruther Urstromtal sowie in den dazwischen liegenden Niederungen. Dass es auch in Berlin Salzaustrittstellen gibt, belegen die im 19. Jahrhundert zu Heilzwecken genutzten Mineralquellen am heutigen Gesundbrunnen (Wedding) und in Charlottenburg, denen 1832 ein Gehalt an vielen Salzen bescheinigt wurde. Ebenso deutet das Vorkommen der Salzbinse, die im 19. und 20. Jahrhundert an drei Stellen in Berlin nachgewiesen wurde, auf den Austritt von mineralhaltigem, leicht salzigem Wasser hin.

Eine Besonderheit stellt das 2015 wiederentdeckte Vorkommen der Salzbinse im Herrnholzbecken (Reinickendorf) dar. Die Art wird in dieser Feuchtwiese, die aus einem Moor hervorgegangen ist und heute als Regenrückhaltebecken genutzt wird, nämlich durch zwei weitere salztolerante Zielarten, den Salz-Hornklee und den Erdbeer-Klee, begleitet. Um diese in Berlin einzigartige Vegetation zu erhalten, ist eine jährliche Mahd erforderlich, da sonst Schilf die Wiese zu überwuchern droht. Die Koordinierungsstelle Florenschutz setzt sich für eine angemessene Pflege dieser Wiese ein.