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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats Oktober 2015

Stumpfzähniger Frauenmantel Alchemilla subcrenata Buser

Nein – es handelt sich beim Stumpfzähnigen Frauenmantel nicht um einen neuen Modetrend. Auch nicht beim Gefalteten Frauenmantel oder dem Bergwiesen-Frauenmantel. Es sind stattdessen sehr seltene Wildpflanzen der Berliner Wiesen und Feldsäume. Aber mit dem gleichnamigen Kleidungsstück haben diese Pflanzen doch etwas zu tun. Der deutsche Gattungsname „Frauenmantel“ geht auf die Ähnlichkeit der fächerförmigen Blätter mit dem Faltenwurf der Robe der Jungfrau Maria in mittelalterlichen Darstellungen zurück. Die Pflanzen wurden schon von den Germanen zur Heilung von Frauenleiden, so zum Beispiel zur Linderung von Unterleibskrämpfen, sowie zur Stillung von Blutungen und zur Behandlung von Wunden und Geschwüren genutzt. Daneben galten Frauenmäntel als Zauberpflanzen, was sich in ihrem wissenschaftlichen Gattungsnamen „Alchemilla“ - „kleine Alchemistin“ - widerspiegelt. Eine in Brandenburg vom Aussterben bedrohte Art der Gattung Alchemilla ist der Stumpfzähnige Frauenmantel. Er ist in Europa und Asien heimisch und in Deutschland vor allem in den Mittelgebirgen verbreitet. Die Berliner Vorkommen wurden erst 2004 durch eine spezielle Herbarauswertung von Alchemilla-Funden bekannt. Vorkommen der 1970er und 1980er Jahre befanden sich in Wiesen und Feldsäumen in Hermsdorf, auf dem Dahlemer Feld (Grunewald) und in Lichterfelde. Seit 2000 wurde die Art jedoch nur noch an drei Stellen in Grünflächen und Parkanlagen in Steglitz und Schöneberg gefunden.

Der Stumpfzähnige Frauenmantel ist eine 10 bis 50 cm hohe, ausdauernde Halbrosettenpflanze, deren unscheinbaren gelbgrünen Blütenstände von Mai bis Oktober blühen. Um Samen zu bilden, bedarf es hierbei keiner Befruchtung mehr, denn die Samen entwickeln sich direkt aus der Samenanlage der Mutterpflanze (Apomixis). Daneben ist jedoch auch eine vegetative Vermehrung über unterirdische Erdsprosse möglich. 

Ein auffälliges Merkmal des Stumpfzähnigen Frauenmantels sind seine trichterförmigen Blätter, in deren Mitte sich Tau und Regenwasser sammeln. In der Nacht oder bei hoher Luftfeuchtigkeit vermag die Pflanze zudem an den kleinen Zähnchen der Blattspitzen selbst Wasser abzugeben (Guttation), wodurch um jedes Blatt ein Kranz aus Wassertropfen entsteht. Dieses „Himmelswasser“ war früher bei Druiden und Alchemisten wegen seiner Reinheit als Substanz für rituelle Waschungen und für Experimente zur Verwandlung von unedlen Metallen in Gold begehrt. In Berlin ist der Stumpfzähnige Frauenmantel durch Brachfallen, Siedlungsentwicklung und Nutzungsintensivierung aus der Feldflur des Stadtrandes verschwunden. Die wenigen verbliebenen Vorkommen in der Innenstadt sind durch zu intensive Mahd gefährdet. Dadurch können die Pflanzen keine Samen mehr ausbilden, wodurch sich die Bestände nicht mehr verjüngen und eine Besiedlung weiterer Standorte unmöglich ist.

Helfen Sie mit, den Stumpfzähnigen Frauenmantel und andere vom Aussterben bedrohte wilde Frauenmantel-Arten in Berlin zu erhalten. Achten Sie doch einmal bei ihrem nächsten Spaziergang auf die hübschen Blätter, die sich bei wilden Frauenmänteln sehr ähneln. Melden Sie uns Ihren Fund per E-Mail – am besten mit einem Fotobeleg. Vielen Dank! 

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