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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats November 2016

Schlamm-Segge Carex limosa L.

Dort, wo einst der Sage nach Irrlichter nächtliche Wanderer ins Verderben lockten, ist die Schlamm-Segge zu Hause. Sie lebt in der Kernzone von Hoch- und Zwischenmooren am Rand von Schwingrasen und in flach überstauten Schlenken. Die zierliche Art ist an diesen für Menschen schwer zugänglichen, geheimnisumwitterten Lebensraum perfekt angepasst. Mit ihren kleinen, Laternen ähnelnden Fruchtständen ist sie zugleich eine seiner hübschesten Bewohnerinnen. Die Schlamm-Segge gilt in Mitteleuropa als Eiszeitrelikt, denn ihr eigentliches Reich sind die ausgedehnten Moore des nordischen Nadelwaldgebietes. Sie ist ein Indikator intakter Torfmoore und zeigt zahlreiche Anpassungen an das Leben mit der wachsenden Torfmoosdecke. So vermehrt sich die Schlamm-Segge vegetativ durch Ausläufer und vermag auch noch aus Samen zu keimen, die 15 cm tief im Torfmoos versunken sind. Die Verbreitung der Samen übernehmen Wind, Wasser und vorbeistreifende Säugetiere und Vögel.

Diese Anpassungen und auch ein hohes mögliches Alter von mehreren Jahrzehnten bieten jedoch keinen Schutz bei einer dauerhaften Austrocknung der Moore. In Berlin stellt die seit dem 19. Jahrhundert wirksame großflächige Grundwasserabsenkung die größte Gefährdung der Art dar. Durch die Grundwasserabsenkung kommt es in den Torfmooren zur Torfzersetzung und zur Freisetzung von Nährstoffen. Dies fördert die Ausbreitung konkurrenzstarker Seggen, Gräser und Gehölze. Bei fortschreitender Degeneration der Moore hat die kleine Schlamm-Segge kaum eine Chance. Deshalb ist sie heute, nach einer zehntausend Jahre währenden Besiedelung, fast gänzlich aus den Berliner Mooren verschwunden.

In den letzten 16 Jahren wurde die Schlamm-Segge nur noch in einem Wilmersdorfer und in einem Köpenicker Moor nachgewiesen. Um diese letzten Berliner Vorkommen zu erhalten, sind Maßnahmen zur Moorrenaturierung erforderlich. Hierzu zählen die Entfernung des Baum- und Strauchwuchses auf den Moorflächen sowie die Stabilisierung des Moorwasserstandes, wodurch die Moore wieder in einen wachsenden Zustand zurückversetzt werden sollen. So wird der Gehölzaufwuchs eingedämmt, klimaschädliches CO2 gebunden und der Schlamm-Segge neuer Lebensraum geboten. Die Stiftung Naturschutz Berlin hat 2011-2016 bereits zwei Projekte zur Moorrenaturierung mit Mitteln der Berliner Klimaschutzabgabe durchgeführt und ein drittes Projekt begonnen. Weitere Moorrenaturierungsprojekte sind geplant.

Helfen Sie uns beim Schutz der Schlamm-Segge und weiterer Zielarten des Florenschutzes! Über Fundmeldungen von Zielarten per E-Mail – am besten mit Fotobeleg – würden wir uns sehr freuen. Vielen Dank!

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