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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats Oktober 2016

Röhricht-Brennnessel Urtica kioviensis Rogow.

Haben Sie auch schon einmal (schmerzhafte) Bekanntschaft mit der Großen Brennnessel gemacht? Sicherlich, denn die Pflanze ist in allen Stadtteilen Berlins anzutreffen. An Gewässerufern, in Röhrichten und Auenwäldern lohnt sich jedoch ein zweiter Blick – denn hier könnte auch die sehr seltene Röhricht-Brennnessel vorkommen. Sie ist mit einer Höhe von bis zu zwei Metern stattlicher als die Große Brennnessel und ihre Blätter weisen eine glänzende Oberseite auf. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal sind aber die Blüten: Während die Große Brennnessel zweihäusig ist, d.h. männliche und weibliche Blüten an verschiedenen Exemplaren vorkommen, ist die Röhricht-Brennnessel einhäusig und vereint somit beide Blütentypen an einer Pflanze. Die Röhricht-Brennnessel ist ein subkontinentales Florenelement mit Schwerpunkt in Zentral- und Osteuropa. Darauf deutet schon ihr lateinischer Name Urtica kioviensis – Kiewer Brennnessel – hin. Sie erreicht in Deutschland ihre westlichsten Vorposten. Vorkommen sind so zum Beispiel aus den Auen der Elbe, Havel, Spree und Peene bekannt. Die Pflanze ist dabei ein echter „Ur-Berliner“, wie Funde ihrer Samen in Sedimenten aus dem 10. Jh. n. Chr. am slawischen Burgwall in Spandau bezeugen.

Geeignete Wuchsorte für die Röhricht-Brennnessel sind im heutigen Berlin durch Uferverbauung, Beschattung und das illegale Abschütten von Gartenabfällen in Röhrichten sehr selten geworden. Seit 2010 wurde die Art nur noch im Gebiet der Unteren Havel in den Naturschutzgebieten Pfaueninsel und Bäkewiese (beide im Bezirk Steglitz-Zehlendorf) nachgewiesen. Durch Renaturierung und Offenhaltung von Flussufern und eine extensive Nutzung von Uferwiesen können bestehende Wuchsorte verbessert und Möglichkeiten für eine Wiederausbreitung der Art geschaffen werden. Gartenabfälle gehören zudem grundsätzlich nicht in die freie Landschaft, sondern sind auf dem Komposthaufen, in der Biotonne oder in Laubsäcken der BSR zu entsorgen. 

Vielleicht haben Sie Glück und können die Röhricht-Brennnessel entlang der Havel oder am Kleinen Müggelsee, ihrem letzten Fundort in Treptow-Köpenick, entdecken. Über eine Fundmeldung per E-Mail – am besten mit Fotobeleg – würden wir uns sehr freuen. Vielen Dank!

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