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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats September 2015

Quendel-Seide Cuscuta epithymum (L.) L.

Nicht nur Blattläuse können sich von Pflanzensäften ernähren, auch Pflanzen haben besondere Anpassungen entwickelt, um sich diese Nährstoffquelle zunutze zu machen. Eine dieser Spezialistinnen ist die Quendel-Seide. Als sogenannter Vollparasit entwickelt sie keine Blätter, Blattgrün und Wurzeln mehr. Stattdessen umschlingt sie die Wirtspflanze mit ihren schnurähnlichen Stängeln und entzieht ihr mittels sogenannter Haustorien Wasser und Nährstoffe. Die Art ist in Europa, Nordafrika, West- und Zentralasien heimisch. In Berlin ist sie auf Trocken- und Halbtrockenrasen beschränkt, in denen ihre Wirtspflanzen wie z.B. Berg-Haarstrang, Wiesen-Flockenblume, Echtes Labkraut und Feld-Beifuß vorkommen. Auch wenn es manchmal scheint, dass befallene Pflanzen unter einem Meer kleiner weiß-rosa Blüten der Quendel-Seide unterzugehen drohen, so ist der Parasit jedoch für keine der Wirtsarten eine ernste Gefährdung. In einem artenreichen Lebensraum sind immer nur einzelne Pflanzen der Arten betroffen. 

Die Quendel-Seide ist durch intensive Grünlandpflege stark gefährdet. Als einjährige Pflanze ohne Speicherorgane und ohne vegetative Vermehrung muss sie regelmäßig zur Blüte und Samenbildung kommen, um einen Bestand langfristig zu erhalten. Auch Brachfallen von Wiesen und Gehölzaufwuchs stellen Gefährdungen dar, da hierdurch die lichtliebenden Wirtspflanzen verdrängt werden. Aufgrund der späten Blüte von Juli bis September kommt die Quendel-Seide am besten mit einer ein- bis zweischürigen Mahd oder Schafbeweidung im Frühsommer und Herbst zurecht.

Nach 2010 wurde die Quendel-Seide nur noch in zwei Schutzgebieten im Bezirk Spandau nachgewiesen. Sie gilt in Berlin als vom Aussterben bedroht. Da die Samen sehr langlebig sind und im Boden über 15 Jahre überdauern können, ist ein überraschendes Auftreten an früheren Fundorten jedoch nicht ausgeschlossen. Die Art wird zudem manchmal übersehen, da sie außerhalb der Zeit zur vollen Entwicklung kommt, in der Grünland gewöhnlich von Botanikern untersucht wird.

Helfen Sie mit, die Quendel-Seide in Berlin zu erhalten! Halten sie in Magerrasen, insbesondere an den Rändern Berlins, nach den roten Stängeln, welche dünnen Schnüren ähneln, und den kleinen weißen bis rosafarbenen Blüten der Pflanze Ausschau. Melden Sie uns Ihren Fund per E-Mail – am besten mit einem Fotobeleg, auf dem auch die Wirtspflanze zu erkennen ist. Vielen Dank!

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