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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats Juni 2015

Niedrige Schwarzwurzel Scorzonera humilis L.

Schwarzwurzeln haben in der Kulturgeschichte Europas einen erstaunlichen Nutzungswandel erlebt. Wird heute die kultivierte Garten-Schwarzwurzel als leicht verdauliches, schlankmachendes Wintergemüse geschätzt, so wurden noch im  Mittelalter wilde Schwarzwurzeln als Heilmittel gegen Schlangenbisse, Pest und Herzschwäche gesammelt. Besonders die Niedrige Schwarzwurzel (Scorzonera humilis) sollte eine geheimnisvolle Wirkung als Gegengift besitzen, daher wurde sie auch als „Schlangenmord“ oder „Viperngras“ bezeichnet. Der Gattungsname Scorzonera nimmt ebenso auf diese vermeintliche Wirkung Bezug, denn dieser leitet sich wahrscheinlich vom ital. scorzone, einer Abwandlung des mittellateinischen curtio(n-) für „Giftschlange, Viper“ ab. Die Niedrige Schwarzwurzel besiedelt ein europäisches, gemäßigtes bis subkontinentales Verbreitungsgebiet. Deutschland gehört hierbei zum Hauptareal. Sie kommt sowohl in wechselfeuchten bis trockenen, extensiv genutzten Wiesen, in Magerrasen, auf nährstoffarmen Sandböden und in lichten Kiefern-Eichenwäldern vor. Kalkreiche Böden meidet sie hingegen. Ihr Verbreitungsgebiet reicht dabei von Südfrankreich bis Mittelrussland. 

Die Pfahlwurzel der Niedrigen Schwarzwurzel ist sehr langlebig und bildet Jahr für Jahr eine Blattrosette und mit der Zeit kleinere Tochterrosetten aus, die mit der Mutterpflanze in Verbindung bleiben. So können Ansammlungen von über 25 Rosetten entstehen, die ein Alter von über 40 Jahren erreichen. Es ist jedoch keine echte vegetative Vermehrung, denn sobald die Mutterpflanze stirbt, gehen auch die Tochterrosetten zugrunde. Bei sonnigen Lichtverhältnissen kann jede Rosette von Mai bis Juni 1-3 gelbe Blüten ausbilden. Diese werden von Bienen, Schmetterlingen, Fliegen und Käfern bestäubt. Eine Selbstbestäubung ist sehr selten, so dass Blüten isolierter Pflanzen oft keine Samen produzieren. Die Samen besitzen einen Haarkranz und sind daher flugfähig, aber relativ schwer und gehen im Umkreis der Mutterpflanze nieder. Sie sind im Boden nur etwa ein Jahr lebensfähig und benötigen zur Keimung günstige feuchte Bodenbedingungen.

Die Niedrige Schwarzwurzel ist in Berlin nur noch mit kleinen Beständen in Tegel und Köpenick zu finden, im Grunewald gilt sie seit 2003 als verschollen. Die Langlebigkeit der Art maskiert hierbei ihre gravierende Gefährdung, denn  die meisten Exemplare in Berliner Waldgebieten kommen wegen zu starker Beschattung nicht mehr zur Blüte, wodurch sich die Bestände nicht mehr verjüngen können. Die Zunahme der Beschattung ist u.a. eine Folge der Eutrophierung aus der Luft, wodurch konkurrenzstarke krautige Arten und Laubgehölze gefördert werden. Ebenso negativ wirkt sich die starke Expansion der aus Nordamerika stammenden, schattenwerfenden und in Europa durch keine natürlichen Feinde regulierten Späten Traubenkirsche aus. Sehr kleine Bestände der Niedrigen Schwarzwurzel sind zudem auch durch Forstarbeiten, Holzablagerung sowie ein intensives – und möglicherweise gezieltes – Wühlen von Wildschweinen gefährdet.

Helfen Sie mit, die Niedrige Schwarzwurzel in Berlin zu erhalten. Melden Sie uns einen Fund der Art per E-Mail – am besten mit Fotobeleg. Vielen Dank!

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