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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats Juni 2019

Lämmersalat Arnoseris minima (L.) Schweigg. & Körte

Früher sorgte er dafür, dass hungrigen Schafen das Wasser im Mund zusammenlief. Vermutlich war es aber nicht der Geschmack, der die Tiere entzückte, sondern vielmehr die Tatsache, dass der Lämmersalat auf kärgsten Sandäckern wächst, wo sonst kaum Grünfutter zu finden ist.

Die Blätter der 10 bis 25 cm großen einjährigen Pflanze sind in einer Rosette angeordnet, aus der einköpfige, teils verästelte Blütenstiele ragen. Die gelben Korbblüten sitzen auf charakteristischen Blütenstielen, die nach oben hin keulig verdickt sind. Sie blühen zwischen Juni und September.

Bis auf einzelne Vorposten in Marokko und Zypern ist der Lämmersalat ausschließlich in Europa zu finden. Das geschlossene Verbreitungsgebiet verläuft von Nordspanien und Mittelfrankreich, nördlich der Alpen bis zur Grenze Weißrusslands. Im Norden reicht es bis Südengland und Südskandinavien. Deutschland gehört zum Hauptareal der Art. Hier kommt er vor allem in Nordostdeutschland vor, wo sein weltweiter Verbreitungsschwerpunkt liegt. Früher war er häufig aufzufinden, heute ist er sehr selten geworden. Seit Mitte des 20. Jahrhundert hat er in Deutschland einen Großteil seiner Vorkommen verloren und gehört inzwischen zu den deutschen Verantwortungsarten. Das sind Wildpflanzen, für deren Erhaltung Deutschland aus globaler Perspektive eine besondere Verantwortung trägt.

Es fehlt heutzutage an nährstoffarmen, ungedüngten Äckern, auf denen der Lämmersalat seine Stärken unter Beweis stellen kann. Denn die Pionierpflanze kommt mit ausgesprochen wenig Nährstoffen, Trockenheit und sogar sauren Standorten zurecht. Dabei bevorzugt sie mineralarme, sandige Äcker und Ackerbrachen sowie sandige bis lehmige Ruderalflächen. Früher waren dies z.B. brachliegende Felder, die zeitweise mit Schafen beweidet wurden oder der Rand sandiger Roggenfelder, da auch Roggen auf leicht sauren Böden wächst.

Werden die Flächen einer intensiven Landwirtschaft zugeführt, macht die Anwendung von Herbiziden, Dünger oder Kalk den Standort für den Lämmersalat unbewohnbar. Gleiches gilt im Fall der Aufgabe der Bewirtschaftung. Dann setzen sich konkurrenzstarke Gräser und Gehölze durch, so dass konkurrenzschwache Arten wie der Lämmersalat verdrängt werden.

In dieser Zwickmühle steckt der Lämmersalat nicht alleine, viele Ackerwildkräuter haben ähnliche Probleme. Eine Lösung besteht im Erhalt der Äcker unter biologischer Bewirtschaftung. Insofern könnte man Lämmersalat & Co. als leidenschaftliche Anhänger des ökologischen Landbaus bezeichnen. Auch im Falle des bekannten verbliebenen Berliner Vorkommens scheint darin die letzte mögliche Rettung zu liegen. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass es weitere, uns unbekannte Vorkommen des Lämmersalates in Berlin gibt. Sollten Sie auf Ihren Spaziergängen eine solche Pflanze finden, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung per E-Mail mit Fotobeleg. Vielen Dank!

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