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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats November 2019

Kanten-Hartheu Hypericum maculatum CRANTZ

Wenn die Tage kürzer werden und es an Sonnenlicht mangelt, helfen Stimmungsaufheller. Als solch einer gilt das Johanniskraut, in dessen runden, gegen das Licht durchscheinenden Öldrüsen auf Blüten und Blättern heilsame Substanzen stecken. Johanniskraut macht die Haut lichtdurchlässiger und wirkt als Antidepressivum. Die höchste Wirkstoffkonzentration enthält vermutlich das seit Jahrhunderten als Heilpflanze genutzte Echte Johanniskraut. Doch zu viel Licht ist nicht immer gut: Haben weiße Pferde, Schafe oder Ziegen zu viel an Johanniskraut geknabbert und dann auf der sonnigen Weide gestanden, so drohen mitunter gefährliche Hautveränderungen und die Hartheukrankheit. Auch Menschen sollten Johanniskraut nicht vor dem Sonnenbaden einnehmen oder einreiben.

Das mit dem Echten Johanniskraut verwandte Kanten-Hartheu wird auch Geflecktes Johanniskraut genannt. Von den halbtransparenten Öldrüsen besitzt das Gefleckte Johanniskraut nur vergleichsweise wenige. Der Zusatz ‚Gefleckt‘ bezieht sich vielmehr auf dunkle Tupfen und Linien auf den Blütenblättern und Blatträndern. Da die dunklen Punkte aber in unterschiedlichem Ausmaß typisch für mehrere Johanniskrautarten sind, sollte man das Kanten-Hartheu sicherheitshalber über mehrere Merkmale, unter anderem den vierkantigen, hohlen Stängel identifizieren. Die vier Leisten der verholzenden Stängel lassen sich in der Stängelmitte am besten erfühlen.

Für rund 13 in Brandenburg heimische Schmetterlingsarten ist das Kanten-Hartheu Raupenfutterpflanze. Neben den beiden Rote-Liste-Arten Hartheu-Spanner und Moorheiden-Frühlingseule gehören vier auf Hartheu spezialisierte Schmetterlinge dazu. Die sonnengelben Blüten der 20 bis 100 cm hohen Pflanze blühen kurz nach dem Johannistag zwischen Juli und August und scheinen mit bis zu 100 Staubblättern pro Blüte regelrecht zu strahlen.

Das Kanten-Hartheu stellt keine großen Ansprüche an seinen Lebensraum. Es benötigt viel Licht, wächst aber auf stickstoffärmsten Standorten und meidet Kalk. Es gilt deshalb als Säurezeiger und besiedelt nährstoff- und kalkarme Wald- oder Staudensäume, Magerrasen sowie Mager- und Frischwiesen.

Die Verbreitung der Art erstreckt sich über große Teile Europas: von den britischen Inseln über Frankreich, Deutschland, Süd- und Mittelskandinavien, über die Karpaten, der Ukraine, Weiß- und Nordrussland bis an den Ural. Deutschland gehört zum Hauptareal des Kanten-Hartheus, wobei es hier sehr ungleichmäßig verbreitet ist. So kommt es in Schleswig-Holstein, Sachsen und den Mittelgebirgen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz häufig vor, in den übrigen Teilen Deutschlands hingegen nur zerstreut bis sehr selten. Seit den 1950er Jahren hat die Art vor allem in Nordwestdeutschland deutliche, sonst vorwiegend sporadische Verluste erlitten. In Nordostdeutschland ist sie ausgesprochen selten.

Die Gründe für den Negativtrend liegen im Verlust magerer, offener Standorte, etwa durch Düngung oder Stickstoffeinträge aus der Luft. Auch die Aufgabe der Nutzung oder der Pflegemahd stellen eine Gefährdung dar, weil sich dadurch konkurrenzstarke Arten ungehindert ausbreiten können. Konkurrenzschwache Arten wie das Kanten-Hartheu werden verdrängt. Ein weiterer Faktor sind menschliche Umgestaltungen, wie z. B. Aufforstungen, die ebenfalls zum Verlust von Offenland führen.

Maßnahmen zur Arterhaltung sind beispielsweise ein- bis zweischürige Pflegemahd ohne Düngung sowie Gehölzauflichtung und Entbuschung. Konkurrenzstarke Arten, wie z.B. die Kanadische Goldrute oder das Land-Reitgras, sollten möglichst gezielt zurückgedrängt oder entfernt werden.

Wenn Sie das Kanten-Hartheu finden, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung mit Fotobeleg per E-Mail. Vielen Dank!

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