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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats September 2019

Heilziest Betonica officinalis (L.)

Der Heilziest war einst ein echter Star unter den Heilpflanzen und durfte vor keinem Anwesen und in keinem Kräutergarten fehlen. Heute ist es still um ihn geworden, dabei besitzt er gleich mehrere Eigenschaften, die durchaus Comeback-würdig sind.

Äußerst dekorativ sind seine Blätter, die in einer grundständigen Rosette und kreuzgegenständigen Paaren um den vierkantigen Stängel herum angeordnet sind. Spätestens zur Blütezeit stellt der Heilziest, auch Gewöhnliche Betonie genannt, ein echtes Schmuckstück dar. Die purpurroten, selten auch weißen Blüten der 30 bis 100 cm großen Staude blühen im Hochsommer zwischen Juli und August. Sie sind nicht nur für das menschliche Auge, sondern auch für Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge höchst attraktiv. Denn der Heilziest ist eine wichtige Nektarpflanze, die zum Beispiel in Brandenburg von neun teils gefährdeten Falterarten wie dem Großen Wiesenvögelchen angeflogen wird.

Es war jedoch weder die Schönheit des Heilziestes noch sein ökologischer Wert, weshalb er schon seit der Antike kultiviert wird, sondern seine Nutzung als Heilpflanze. Historische Dokumente über das Römischen Reich und bei Hildegard von Bingen belegen das. Er galt als wahre Wunderwaffe und Allheilmittel, das gegen jedes Unheil und sogar tödliches Gift helfen sollte. Heute wissen wir, dass dies weit übertrieben war. Der Heilziest besitzt eher sanfte Heilkräfte, wird in der Naturheilkunde aber heute noch geschätzt.

Zur früheren Beliebtheit und großen Verbreitung des Heilziestes trug mit Sicherheit auch bei, dass er nicht anspruchsvoll ist und sein Anbau leicht gelingt. Er benötigt wenig Nährstoffe, ist für sonnige bis halbschattige Standorten geeignet und toleriert unterschiedliche Bodenfeuchten. Ideale Standorte für ihn sind sonnige, wechselfeuchte bis wechseltrockene Wiesen, Mager- und Halbtrockenrasen sowie lichte Säume und Laubmischwälder. Seine besondere Vorliebe gilt nährstoffarmen Flächen mit wechselnder Grundwasserversorgung. Hier kann er sich aufgrund seiner Fähigkeit, mit wechselnder Feuchte umzugehen, besonders gut gegen eigentlich konkurrenzstärkere Arten durchsetzen. Langfristige Grundwasserabsenkungen, die z.B. durch eine erhöhte Wasserentnahme von Wasserwerken hervorgerufen werden, führen allerdings zur Begünstigung der konkurrenzstarken Arten. Das Gleiche gilt für den kontinuierlichen Eintrag von Nährstoffen durch Stickoxide in der Luft. Beide Faktoren tragen dazu bei, dass der Heilziest durch Beschattung und Platzmangel verdrängt wird. Seit 1950 hat er in ganz Deutschland über die Hälfte seiner Vorkommen eingebüßt. Sein Verbreitungsschwerpunkt liegt hier südlich des norddeutschen Tieflandes, in Nordostdeutschland kommt er nur zerstreut vor. Im Nordwesten Deutschlands fehlt er ganz, denn die nordwestliche Grenze seines Verbreitungsgebietes durchzieht Deutschland etwa entlang der Mittelgebirgsgrenze bis zur Ostsee. Sein Areal reicht von England über Frankreich, Italien, Mittel- und Südosteuropa bis zum Ural.

Weitere Gefährdungen der Art bestehen in der intensiven Wiesennutzung mit häufiger Mahd und Düngereintrag. Wachsen die Standorte zu, weil die Wiesen gar nicht genutzt und gemäht werden, ist der Heilziest ebenfalls gefährdet. Um dies zu verhindern und ihn zu erhalten, müssen die Flächen mittels Beweidung oder Mahd offengehalten werden. Gesunkene Grundwasserstände sollten nach Möglichkeit wieder angehoben werden. Die Berliner Wuhlheide ist so ein ehemals grundwasserbeeinflusster Standort. Der wachsende Trinkwasserbedarf Berlins sorgte im 20. Jahrhundert für die Austrocknung des früher feuchten Waldgebietes, woraufhin sich die Zusammensetzung der Vegetation langfristig verändert hat. Das Vorkommen des Heilziestes konnte sich trotz der Trockenheit halten und profitiert seit ein paar Jahren von den Gehölzauflichtungen und der Wiesenmahd ehrenamtlicher Helfer*innen.

In diesem Jahr gab es am 11. September einen Pflegeeinsatz der Koordinierungsstelle Florenschutz in Kooperation mit dem Bezirksamt Treptow-Köpenick. Die Biotop-Pflege wird am 14. September durch einen Pflegeeinsatz des Botanischen Vereins von Berlin-Brandenburg fortgeführt. Sie sind herzlich willkommen daran teilzunehmen!

Sollten Sie die alte Heilpflanze auf Ihren Spaziergängen durch Wald und Wiese finden, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung per E-Mail, am besten mit Fotobeleg. Vielen Dank!

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