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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats Dezember 2015

Grünblütiges Wintergrün Pyrola chlorantha Sw.

Rosen, Lilien, Astern und Birnbäume – viele bekannte Pflanzen sind schon von Dichtern beschrieben worden. Aber das Wintergrün? Niemand geringerer als Adelbert von Chamisso – übrigens ein Franzose, der im Kindesalter als Flüchtling nach Berlin kam und ein großer deutscher Dichter wurde – fand seinen Gefallen an den eher unscheinbaren Pflänzchen: „Die Arten der Gattung Pyrola, Wintergrün, Wald-Mangold, sind niedrige Untersträucher mit zierlichen weißen offenen Blumen, die man im traurigen Schatten unserer dichtesten Kiefernwälder an feuchten moosigen Stellen findet, und an denen der Pflanzenfreund seine Freude hat.“ Dies schrieb 1827 Chamisso, der auch ein bedeutender Naturforscher war und lange Jahre als Kustos das Königliche Herbarium von Berlin betreute. Das Grünblütige Wintergrün, eine der Pyrola-Arten, wurde von Chamisso in Berlin gesammelt und diese Pflanze ist noch heute im berühmten Berliner Herbarium zu finden. Leider vielleicht bald nur noch dort, denn seit 1900 wurde es in Berlin nur noch dreimal in der Natur gesehen, zuletzt 2010 im NSG Wilhelmshagen-Woltersdorfer Dünenzug (Köpenick). 

Die Art ist auf der Nordhalbkugel verbreitet und hat ihren Schwerpunkt in Nadelwäldern der gemäßigten bis borealen Zone. In Deutschland erreicht sie die Westgrenze ihres europäischen Areals und ist fast ausschließlich in Ost- und Süddeutschland zu finden. In  Berlin und Brandenburg ist das Grünblütige Wintergrün eng an Kiefern-Trockenwälder gebunden, denn es geht mit vielen Wurzelpilzen (Mykorrhiza) der Kiefer eine lebenslange Symbiose ein. Im Mai - Juni bildet die nur 10 bis 25 cm hohe Pflanze zwei bis sechs hellgrüne Blüten aus. Sobald die Bestäubung durch Insekten oder Selbstbestäubung erfolgt ist, entwickeln sich in jeder Samenkapsel mehrere Tausend staubfeine Samen, die als sogenannte Ballonflieger vom Wind verbreitet werden. Zur Keimung müssen sie in kurzer Zeit einen passenden Mykorrhiza-Pilz finden, was besonders gut an offenen Bodenstellen gelingt. Daneben kann sich die Art jedoch auch vegetativ durch Ausläufer vermehren.

Nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland müssen wir einen dramatischen Rückgang des Grünblütigen Wintergrüns feststellen. Ursache für den Rückgang ist die erhöhte Schadstoff- und Stickoxidbelastung der Luft, wodurch die Pilzflora der Waldböden geschädigt wird und eine flächendeckende Düngung der Wälder erfolgt. Letzteres fördert die Ausbreitung konkurrenzstarker Gräser, Kräuter und Gehölze, worunter sich in Berlin zudem viele Neophyten wie Robinie, Späte Traubenkirsche und Schneebeere befinden.

Zum Schutz des vom Aussterben bedrohten Grünblütigen Wintergrüns und anderer gefährdeter Arten sollten in den Berliner Wäldern einheimische Baumarten gefördert und lichte Bestandsstrukturen erhalten werden. Eine weitere Option zur Sicherung des Grünblütigen Wintergrüns ist die Überführung einiger der letzten Exemplare mitsamt ihrer Bodenpilzflora in die Erhaltungskultur eines Botanischen Gartens.

Helfen Sie uns beim Schutz des Grünblütigen Wintergrüns und weiterer Zielarten des Florenschutzes. Über Fundmeldungen von Zielarten per E-Mail – am besten mit Fotobeleg – würden wir uns sehr freuen. Vielen Dank!

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