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Die Vielfalt im Blick

Pflanze des Monats Juli 2019

Erdbeer-Klee Trifolium fragiferum L.

Ein Ballonflieger, der wie eine Erdbeere heißt, aber wie eine unreife Himbeere aussieht? Das kann nur der Erdbeer-Klee sein.

Seine rosafarbenen, köpfchenförmigen Blütenstände setzen sich aus 10 bis 30 Einzelblüten zusammen, die sich nach der Blüte zwischen Juni und September zu dekorativen Früchten wandeln. Dafür blähen sich die kleinen Kelche der Einzelblüten so weit auf, dass der Fruchtstand einer noch nicht ganz reifen Himbeere ähnelt. Dieser Effekt dient der Verbreitung der Samen und wird der Ausbreitungsstrategie der Ballonflieger zugeordnet. Es ist aber durchaus möglich, dass die aufgeblähte Struktur den Samen nicht nur durch die Lüfte, sondern auch über das Wasser tragen soll.

Denn der immergrüne Schmetterlingsblütler steht gerne auf feuchten bis nassen Standorten und kann Überflutungen von bis zu zwei Monate überdauern. Dabei bevorzugt er halb- bis volllichte, nährstoffreiche Standorte, wie Feuchtwiesen und -weiden, Ufer, Gräben und Ruderalstellen. Das Allroundtalent erträgt außerdem mäßige Trittlast und Beweidung, kurzfristige Dürren sowie eine beachtliche Salzkonzentration. Selbst eine höhere Salinität als in Flußmündungen der Nordsee ist kein Problem für den Erdbeer-Klee, weshalb er gerne Standorte in Küstennähe und Binnenlandsalzstellen besiedelt.

Sein Verbreitungsgebiet umfasst Mittel- und Südeuropa, die Südküsten Skandinaviens, die Nordküste Afrikas sowie Teile Westrusslands, Zentral- und Westasiens. Deutschland gehört zum Hauptareal des Erdbeer-Klees. Hier liegen die Verbreitungsschwerpunkte entlang der Nord- und Ostseeküste, in Nordostdeutschland, entlang der Saale, im Thüringer Becken, in Franken, Nordrhein-Westfalen, im Rhein-Maintal sowie entlang der Donau und ihrer Nebenflüsse. In den übrigen Regionen kommt die Art nur spärlich vor und fehlt in großen Gebieten ganz.

Seit 1950 ist der Erdbeer-Klee in Deutschland zurückgegangen und hat insbesondere in Süd- und Mitteldeutschland starke Verluste erlitten. Dieser Trend setzt sich seit 1980 in Ost- und Süddeutschland fort, auch in Berlin kennen wir nur noch vereinzelte Vorkommen des Erdbeer-Klees. Ein Grund dafür sind die Entwässerungen von Feuchtwiesen oder Moore, die in den 1960er bis 1980er Jahren im Rahmen großflächiger „Bodenverbesserungsmaßnahmen“ durchgeführt wurden. Auch Salzstandorte wurden davon nachteilig beeinflusst: sie haben ihren natürlichen Salzgehalt verloren und süßten aus.

Da der Erdbeer-Klee auf feuchte Offenflächen angewiesen ist, sind die verbliebenen Standorte durch die fortlaufende Trockenlegung feuchter Wiesenflächen, die zunehmende Versiegelung und die Intensivierung von Acker- und Grünlandwirtschaft gefährdet. Selbst wenn die Nutzung des Offenlandes aufgegeben wird, wird der Erdbeer-Klee an diesen Standorten aufgrund der zunehmenden Verbuschung nicht fortbestehen können. Um den Erdbeer-Klee zu erhalten, sollten feuchte Gebiete wie Salzwiesen, Feuchtwiesen und -weiden unbedingt erhalten werden. Darüber hinaus kann die Pionierart durch extensive Trittbelastung, Beweidung und andere Störungen, die Offenstellen schaffen, gefördert werden. Eine biologische oder extensive Landwirtschaft ohne Herbizide, die die angrenzenden Biotope und Randstreifen respektiert, kommt dem Erdbeer-Klee ebenfalls zugute.

Sollten Sie auf Ihren Spaziergängen eine solche Pflanze finden, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung per E-Mail mit Fotobeleg. Vielen Dank!

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