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Saatgut-Aktion für Kleingärtner*innen

Mehr Arten im Garten

Einheimische Wildpflanzen sind für die biologische Vielfalt einer Region sehr wichtig. Denn von jeder einheimischen Pflanzenart sind mehrere Tierarten abhängig. Damit es in Berliner Kleingärten künftig mehr brummt, summt und schillert, haben wir gemeinsam mit dem Landesverband der Gartenfreunde zwei spezielle, insektenfreundliche Saatgutmischungen zusammengestellt: den „Wildbienen- und Schmetterlingssaum“ und den „Kräuter- und Magerrasen“.

Unsere Mischungen beinhalten gebietsheimische Pflanzenarten, die bestens an die Berliner Bedingungen angepasst sind. Viele der herkömmlichen Blühmischungen bestehen aus nichtheimischen Arten, in deren Heimat beispielsweise die Böden Feuchtigkeit besser speichern oder einfach mehr Regen fällt. In Berlin sind sie deshalb auf eine ständige Bewässerung angewiesen, selbst in durchschnittlich feuchten Jahren. Das ist einer der Gründe, warum manche Blühmischungen nicht gut gedeihen. Außerdem werden in diesen Blühmischungen oft einjährige Arten verwendet, um einen schnellen, aber kurzfristigen Effekt zu erreichen.

Saatgut „Wildbienen- und Schmetterlingssaum“

Mit dieser Saatgut-Mischung können Wildbienen- und Schmetterlingssäume innerhalb der Parzellen angelegt werden. Die bunte Auswahl von 32 für Berlin typischen Wildblumenarten, wie z.B. die Gewöhnliche Schafgarbe (Achillea millefolium), die Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) oder die Acker-Witwenblume (Knautia arvensis), blüht zwischen Mai und Oktober und bietet ein langanhaltendes Nahrungsangebot für bestäubende Insekten.

Außer etwas Geduld ist nicht viel notwendig, damit bald eifrige Marienkäfer, elegante Falter und viele verschiedene Wildbienen in den Garten geflogen kommen. Die Samen unserer Wildbienen- und Schmetterlingssaummischung haben als echtes Wildpflanzensaatgut eine natürliche Keimverzögerung. Denn für das Überleben einer Pflanzenart in freier Wildbahn ist es günstiger, wenn nicht alle Samen im selben Jahr keimen. Ein Teil der ausgebrachten Samen keimt also erst in den Folgejahren. Das ist völlig normal. 

Für die Aussaat eignen sich sonnige bis halbschattige Standorte mit trockenem bis frischem, nicht gedüngtem Boden. Sie müssen frei von mehrjährigen, konkurrenzstarken Pflanzen wie Quecke, Ampfer oder Giersch sein. Auf keinen Fall sollte gedüngt werden! Viele der verwendeten Wildpflanzen sind nämlich konkurrenzschwach und benötigen nur sehr wenige Nährstoffe. Das ist ihre ökologische Strategie, um Standorte zu besiedeln, an denen konkurrenzstärkere Arten, die sehr wuchsfreudig sind und viele Nährstoffe benötigen, nicht bestehen können. Werden die Flächen gedüngt, siedeln sich durchsetzungskräftigere Arten wie Brennessel und Giersch an.

Ist der Wildbienen- und Schmetterlingssaum einmal angewachsen, sollte er nur noch in starken Trockenperioden gewässert werden. Eine Mahd pro Jahr reicht, am besten im zeitigen Frühjahr. Übrigens sind die Säume auch im Winter ein schöner Hingucker im Kleingarten. Die verbleibenden Samenstände und Stängel bieten Futter für Vögel und Überwinterungsmöglichkeiten für verschiedene Falterarten – und bei Raureif ein zauberhaftes Gartenbild!

Die Verteilung der Samentütchen „Wildbienen- und Schmetterlingssaum“ für einzelne Kleingärten erfolgt durch den Landesverband der Gartenfreunde Berlin e.V. über die Bezirksverbände. Ansprechpartner ist Herr Beil, Tel. 0178-5646647.

Saatgut „Kräuter- und Magerrasen“

Für die Gemeinschaftsflächen der Berliner Kleingartenkolonien haben wir ebenfalls eine Saatgutmischung zusammengestellt: Mit 44 Wildkräutern wie Flockenblume, Königskerze und Margerite, die sich zu extensiven Rasen- und Wiesenflächen entwickeln und nach ihrer Etablierung nicht mehr gegossen werden müssen. Auch diese Kräuter- und Magerrasen-Mischung stammt aus zertifizierter gebietseigener Herkunft.

Unterschiedliche Blüten sorgen von Mai bis September für ein großes Nahrungsangebot für bestäubende Insekten wie (Wild-)Bienen, Schmetterlinge und Tagfalter. Die Saatgutmischung besteht aus überwiegend niedrigwüchsigen, konkurrenzschwachen Arten, die trockenheitsverträglich sind. Außerdem sind in der Mischung höherwüchsige, buntblühende Arten der Wiesen und Säume enthalten. Das Ergebnis ist ein lichter Kräuterrasenbewuchs.

Für die Aussaat eignen sich trockene bis frische Gemeinschaftsflächen mit einem geringen Nährstoffgehalt, die keiner hohen Trittbelastung ausgesetzt sind. Von doppeltem Nutzen wäre z.B. die Anlage eines wegebegleitenden Wildpflanzenbanketts, weil somit das zeitraubende Freihalten von Aufwuchs entfällt. Nach dem ersten Jahr müssen die Flächen nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden. Um die Wirksamkeit dieser Aktion zu steigern, werden möglichst großflächige Aussaaten von mindestens 50 m² angestrebt .

Die Verteilung der Mischung „Kräuter- und Magerrasen“ für Gemeinschaftsflächen der Kolonien durch die Stiftung Naturschutz Berlin pausiert aufgrund der Corona-Pandemie. Sie wird sobald wie möglich fortgeführt. Interessierte wenden sich für Bestellungen bitte an Regina Otters per E-Mail regina.otters(at)stiftung-naturschutz.de oder telefonisch unter 030 26394-176.