Berliner Kleingewässerprogramm
Zwischen Straßen, Spielplätzen und Schrebergärten liegen sie wie kleine, stille Juwelen: die mehr als 600 Kleingewässer Berlins. Viele von ihnen sind nur ein paar Schritte vom Alltag entfernt – und doch Welten für sich. Doch viele dieser Wasserperlen kämpfen ums Überleben. Sie verschlammen, verschatten oder trocknen aus.
Vielen gefährdeten Kleingewässern in Berlin kann schon mit relativ geringem Aufwand eine Erste Hilfe geleistet werden. Insbesondere das Auflichten der Ufervegetation kann große positive Effekte haben und einer weiteren Verschlechterung des Gewässerzustands effektiv entgegenwirken. Über das Berliner Kleingewässerprogramm der Senatsumweltverwaltung werden solche Maßnahmen durch die Stiftung Naturschutz Berlin umgesetzt. Sie eignen sich außerdem zur Vorbereitung für weitere Revitalisierungsmaßnahmen an den betreffenden Gewässern. Mehrere Gewässer standen im Herbst und Winter 2025 besonders im Fokus. Dazu gehören der Kleine und der Große Röthepfuhl in Neukölln sowie der Goebenteich in Steglitz.
Warum Kleingewässer so wichtig sind und oft unterschätzt werden
Kleingewässer sind wahre Multitalente, denn sie sind
- Lebensraum für Amphibien, Insekten und seltene Pflanzen.
- Orte der Erholung für Menschen.
- wichtige Bausteine für die klimaangepasste Stadt, weil sie Hitze puffern und Feuchtigkeit speichern.
- Trittsteine für Tiere und Pflanzen in einem großen Netzwerk.
All das gelingt aber nur, wenn die Gewässer nicht überwuchert werden und das Wasser nicht sofort über die Vegetation verdunstet.
Die Röthepfuhle in Neukölln
Im Landschaftsschutzgebiet Röthepfuhl, zwischen Waltersdorfer Chaussee und „Am Espenpfuhl“, liegen zwei natürlich entstandene Teiche, der Kleine und der Große Röthepfuhl. Am Kleinen Röthepfuhl hatte sich ringsum ein dichter Gehölzsaum gebildet, so dass ein Großteil des Gewässers im Schatten lag.
Auch das Ufer des Großen Röthepfuhls wuchs von außen immer mehr mit Brombeeren, jungen Weiden und anderen Gehölzen zu. Die vorhandene Infrastruktur zur Einleitung von Brunnenwasser war vollständig überwuchert und nicht mehr zugänglich. Die Aufgabe an beiden Gewässern lautete: Auflichten, freistellen, Lebensraum zurückgeben.
Das anfallende Material wurde dabei nicht einfach entsorgt. Es wurde genutzt, um kleine Totholzstrukturen zu schaffen, die wiederum als Verstecke und Lebensraum für verschiedene Tiere dienen
Der Goebenteich in Steglitz
Mitten im Steglitzer Stadtpark liegt der Goebenteich, ein Ort, der durch die riesigen Weiden und andere Gehölze und die Lage in einer Senke fast märchenhaft wirkt.
In letzter Zeit waren durch starke Stürme jedoch mehrere große Weiden bzw. Teile davon in den Teich gestürzt. Statt Wasser sah man Wurzeln, Kronen und Äste aus denen neue Weiden austrieben Im Rahmen der Maßnahmen wurden die mächtigen Stämme und Kronen aus dem Teich entnommen und zu Schichtholzhecken verarbeitet bzw. aufgeschichtet. Das Ziel ist den Teich und die darin lebenden Tiere und Pflanzen vor Trittschäden zu schützen.
Ein neues Kapitel für Berlins Kleingewässer
Diese Renaturierungsmaßnahmen mögen klein wirken – ein paar Gehölze hier, ein bisschen Auflichtung dort. Doch für Amphibien, Wasserpflanzen und Insekten ist es ein Unterschied zwischen Leben und Sterben. Wenn wieder Licht auf die Wasserfläche fällt, wenn sich Totholz in wertvolle Rückzugsräume verwandelt, wenn der Schatten weicht und der Teich wieder atmen kann – dann beginnt die Natur sich zu regenerieren.
Die Röthepfuhle und der Goebenteich sind die ersten Kleingewässer, die die Stiftung Naturschutz im Rahmen des neuen Aufgabenschwerpunkts Kleingewässer und Moore aufgewertet hat. In den nächsten Jahren sollen möglichst viele weitere folgen. Dafür baut die Stiftung ein breites Netzwerk aus Akteuren auf und beantragt Gelder aus verschiedenen Programmen, die den sensiblen Lebensräumen zur Verfügung stehen.