Archiv Pflanzen des Monats
Igel-Segge Carex echinata
Diesen Monat wollen wir Ihnen eine Pflanzenart vorstellen, welche von Naturschutzmaßnahmen im Berliner Stadtgebiet profitiert hat. Mit der Wiederherstellung von Zwischenmoorstandorten an der Krummen Laake bei Müggelheim konnte sich dort auch die Igel-Segge (Carex echinata) wieder ausbreiten. Heute ist sie nur noch von wenigen Orten in Berlin bekannt. Jeder neue oder wiederhergestellte Lebensraum, in dem die Art vorkommt, sichert ihren Bestand und damit die Möglichkeit für zukünftige Generationen, von ihr zu lernen – aber besonders, sich an ihr zu erfreuen.
Stern, Streitkolben oder Igel? Auf jeden Fall kugelig und stachelig
Was dieses Sauergras mit einem Igel zu tun hat, ist die kugelig-stachelige Form seiner Fruchtstände, die durchaus an eines dieser wehrhaften Tiere erinnert. Die Igel-Segge, auch Stern-Segge genannt, ist eine 10-40 cm hohe, lockerhorstige, grazile Pflanze. Die gras- bis dunkelgrünen Laubblätter sind bis zu 2 mm breit mit hellbraunen Blattscheiden am Grund. Sie werden von den Ährenständen überragt. Die Blütezeit der gleichährigen (das heißt, alle Ährchen sind mit weiblichen und männlichen Blüten gleich gestaltet), leicht voneinander entfernten Ährchen ist von Mai bis Juli. Die Schläuche sind auf der Innenseite flach und außen gewölbt, sternförmig spreizend und kurz geschnäbelt. Die weiblichen Blüten besitzen zwei Narben.
Moore, Sümpfe und feuchte Waldstellen
Möchte man die Igel-Segge einmal hautnah erleben, muss man sich in Lebensräumen mit mageren bis mäßig nährstoffreichen, sauren und feuchten Verhältnissen begeben. Besonders vielversprechend sind Moore, Feuchtwiesen und feuchte Waldlichtungen oder Waldwege. Sie benötigt Standorte, an denen der menschliche Einfluss auf die Natur eher gering ist, da sie zum Beispiel zu häufige Mahd nicht verträgt.
Vom Mittelmeer bis in den hohen Norden
Carex echinata hat eine recht weite klimatische Verbreitungsamplitude. Sie kommt in den warmgemäßigten bis borealen Klimalagen Europas, mit Schwerpunkt in Nord- und Mitteleuropa vor. Des Weiteren ist die Art auch in Westasien und Nordamerika verbreitet. Bei uns in Europa kommt sie von den Küsten bis in die Alpen locker verstreut vor und zeigt klare Schwerpunkte in Nordwestdeutschland, in der Uckermark und im Mecklenburger Seengebiet, in Südbrandenburg und in den Mittelgebirge sowie im Alpenvorland und in den Alpen. In Berlin war die Art nie häufig, hat jedoch bis in die Gegenwart viele ihrer ursprünglichen Standorte verloren. Heute ist sie vorwiegend an noch nicht zu stark vom Menschen überprägten Orten zu finden, so im Westen an Moorstandorten des Grunewaldes und im Südosten im Bereich des Köpenicker Forstes.
Intensivierung und Vernachlässigung: Beides hat negative Folgen für die Art
Weltweit und auch in Deutschland gilt die Igel-Segge nicht als bedroht. Trotzdem ist sie in mehreren Bundesländern stark gefährdet und in Berlin sogar vom Aussterben bedroht, da sie aufgrund von Verlust von Lebensraum dort in den letzten Jahren im Rückgang begriffen ist. Auch wenn die Wiederherstellung von Moorstandorten zur Verbesserung der Situation für die Art gesorgt hat, sind magere Feuchtstandorte heute in Berlin stark gefährdet, sei es durch Nutzungsaufgabe oder Absenkung der Grundwasserspiegel. Die Art ist also darauf angewiesen, dass wir unsere Bemühungen zur Wiederherstellung und Pflege solcher Lebensräume weiter intensivieren, um den Fortbestand dieser besonderen Lebensgemeinschaften dauerhaft zu gewährleisten.
Mehr Moor, mehr Igel-Segge
Um die Art zu fördern, ist es notwendig, weiter Moorstandorte und magere Feuchtwiesenstandorte in Berlin zu aktiv zu erhalten und wiederherzustellen. Wenn Sie mehr über unsere Erfolge bei Moorrenaturierungen erfahren möchten, schauen sie doch einmal beim Themenfeld „Moorrenaturierungen in Berlin“ vorbei.
Sollten Sie auf Ihren Spaziergängen in Berlin eine solche Pflanze finden, freuen wir uns sehr über eine Fundmeldung über das Artenfinderportal mit Fotobeleg. Vielen Dank!
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