Ein Leben für die Stadtökologie
Nachruf Professor Herbert Sukopp

Stadt und Natur. Ein Widerspruch? Auf keinen Fall! Denn im Gegensatz zu vielen ländlichen Agrarlandschaften mit riesigen Monokulturen hält die Stadt ein Sammelsurium an Lebensräumen bereit. Ein „Harlekinmuster“ unterschiedlicher Biotope nannte es Professor Herbert Sukopp, der die Stadtökologie schon in einer Zeit etablierte, in der Berlin noch lange geteilt bleiben wird.
Am 3. Februar 2026 ist Professor Herbert Sukopp im Alter von 95 Jahren gestorben. Der herausragende Botaniker und Ökologe wurde im Jahre 2000 für seine Arbeit von der Stiftung Naturschutz Berlin mit dem Victor-Wendland-Ehrenring (heute Berliner Naturschutzpreis) geehrt.
Gerade Berlin bot dem Wissenschaftler ein interessantes Feld für seine Forschung. Die besondere Geschichte der Stadt trieb besondere Blüten. Vor allem in Mauernähe gab es viele Flächen, in denen sich Pflanzen jahrzehntelang unberührt entwickeln konnten.
An der Technischen Universität Berlin wirkte Sukopp ab 1974 bis 1996 als Professor und Leiter des Fachgebietes Ökosystemforschung und Vegetationskunde am Institut für Ökologie. Seitdem gilt die Hauptstadt weltweit als wichtiges Zentrum der Forschung zur Stadtökologie. Unter anderem als Landesbeauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege in Berlin sowie als Mitglied bedeutender Fachgremien entwickelte er wichtige Instrumente des Naturschutzes, die auch für die Arbeit der Stiftung bis heute wichtige Grundlagen sind.
So veröffentlichte er zum Beispiel 1974 die erste „Rote Liste“ der in der Bundesrepublik Deutschland gefährdeten Arten von Farn- und Blütenpflanzen. Heute sind die Roten Listen ein etabliertes Instrument, um die Gefährdung der Arten zu beurteilen, und auf Bundesebene kümmert sich das Rote-Liste-Zentrum darum. Für den aktiven Naturschutz sind Rote Listen bis heute eine zentrale fachliche Orientierung, insbesondere bei der Auswahl und Begründung von Schutzprojekten sowie bei der Beurteilung von Eingriffsvorhaben. Ebenfalls war er konzeptioneller Wegbereiter des Berliner Landschafts- und Artenschutzprogramms, das 1994 auf ganz Berlin erweitert wurde und bis heute eine wesentliche Planungsgrundlage bildet.
Inzwischen ist die Disziplin Stadtökologie international anerkannt. Mit seinem Einsatz für die Erforschung und den Schutz urbaner Lebensräume hat Herbert Sukopp gezeigt, dass Natur nicht vor den Toren der Stadt endet, sondern mitten in ihr beginnt.
Autorin: J. Kotte