Mit dem Teleobjektiv auf Pirsch

Wie der Artenfinder Carsten Eggers Berlins wilde Seiten sichtbar macht

Mit mehr als 1.000 Beobachtungen hat Carsten Eggers im letzten Jahr die Rangliste der Berliner ArtenFinder*innen angeführt. Im Interview spricht er über seine Motivation, seine Beobachtungshighlights und gibt Ihnen vier Tipps für das Naturbeobachten.

Carsten, was hat dich überzeugt, beim ArtenFinder mitzumachen?

Ich habe das erste Mal vor zwei Jahren vom ArtenFinder gehört und zwar über die monatlichen Gewinnspiele für den „Entdeckerkalender“. Da habe ich meine Faszination für die Vielfalt der Stadtnatur entdeckt und konnte außerdem mein relativ neues Hobby der Naturfotografie sinnvoll einsetzen.

Wo in Berlin bist du dann am liebsten unterwegs?

Wenn ich neue Arten dokumentieren möchte, fahre ich an den Stadtrand, z.B. rund um den Seddiner See. Aber auch regelmäßige Runden in meiner Neuköllner Umgebung sind wertvoll für mich. Da haben auch Parks und Friedhöfe viel zu bieten, zum Beispiel der Volkspark Hasenheide, genauso wie die Friedhöfe an der Bergmannstraße und an der Hermannstraße.

Wurdest du schon mal gefragt, warum du mit der Kamera auf dem Boden hockst?

Nein, eigentlich nicht. Man trifft inzwischen oft auf Spaziergänger mit Teleobjektiven um den Hals. Wenn ich angesprochen werde, dann immer mit Sympathie, es sei denn, ich habe gerade ein Liebespaar gestört.

Was war bisher dein Beobachtungshighlight in Berlin?

Mitte April habe ich an der Krummen Laake hinter Müggelheim ein Wildschwein aufgeschreckt, das plötzlich wenige Meter vor mir stand. Diese Begegnung empfand ich als sehr intensiv und ich machte mich lieber schnell aus dem Staub. Dabei hatte mich eine Spaziergängerin kurz zuvor noch vor Wildschweinen gewarnt, die einem dort mitten am Tag begegnen können: „Aggressiv werden sie nicht, aber blöd kieken tun sie schon.“ Genauso war es ja dann.

Meine besonderen Beobachtungshighlights sind aber gerade diejenigen, von denen ich gar keine Fotos machen konnte! Wie von der Waldschnepfe, die gegen Sonnenaufgang auf dem Tempelhofer Flugfeld an einem nebligen Vorfrühlingsmorgen dicht neben mir aufflog. Die hat mich genauso überrascht wie einmal eine Ringelnatter, die durch das Tegeler Fließ schwamm, oder ein Bisam, der mich aus seiner Grashöhle am Lietzengraben anschaute. Es muss einem nicht leidtun, wenn man nicht jede Beobachtung dokumentieren kann. Die Erinnerung bleibt einem ja, und die Naturbeobachtung ist sowieso ein subjektives und sehr privates Vergnügen. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass man meinen Fotos ansieht, dass ich richtig Bock darauf habe.

Was machst du, wenn du eine Art nicht kennst?

Dann freue ich mich! Für einen, dem die Artenvielfalt am Herzen liegt, sind solche Erstbeobachtungen der Grund, warum man vor die Tür geht. Die Bestimmung der Art ist für mich nachrangig, aber sie gelingt mir mittlerweile ganz gut. Dafür benutze ich zunächst eine App mit Fotoerkennung. Und wenn mir die nicht weiterhilft, recherchiere ich online oder nehme die wenigen Bestimmungsbücher zur Hand, die ich zu Hause habe.

Was fehlt dir noch beim ArtenFinder?

Ich fände ein „Schwesterportal“ für das Land Brandenburg wirklich toll. Dann hätten auch Meldungen von jenseits der Stadtgrenze einen fachlichen Wert.

Warum sollte man beim ArtenFinder mitmachen? Was hat man davon

Durch die Naturbeobachtung lernt man viel dazu und entdeckt neue Ecken in der Stadt – das wilde Berlin. Eigentlich prima für Kinder und Jugendliche, aber wenigstens für junge Eltern, die ihren Kindern dann die Natur erklären können. Ein frühes Verständnis für die Artenvielfalt lehrt den Menschen Demut vor der Natur, die es zu schützen gilt. Aber man geht auch mit einem anderen Blick durch die Natur. Man sieht genauer hin, ohne dabei den Sinn für die Landschaft und die Atmosphäre zu verlieren.

Und zum Schluss: Hast du einen Tipp für andere Naturbeobachtende?

Ja, mehrere: Erstens, nimm dir Zeit. Hocke dich an vielversprechenden Stellen einfach für eine Minute hin und warte. Zweitens: Störe die Tiere nicht, die du beobachtest, und bringe sie schon gar nicht in Gefahr! Trete also nicht auf einen Grashüpfer, während du einen Schmetterling verfolgst. Drittens: Plane deinen Spaziergang mit der Sonne im Rücken. Und zum Schluss: Wo es Wasser und eine vielfältige Pflanzenwelt gibt, hat man die besten Chancen, auf tierisches Leben zu treffen.

Redaktion: Dr. Yannick Brenz

Das Interview erschien zuerst auf dem ArtenFinder.