Ein Haufen Ärger

Warum liegen gelassener Hundekot Berlins Stadtnatur schadet

Morgens, kurz nach sieben. Der Berufsverkehr schiebt sich durch die Straße, Cafés rücken draußen klappernd ihre Tische und Stühle zurecht, irgendwo zischt die erste Siebträgermaschiene. Auf dem Gehweg führt jemand seinen Hund spazieren. Ein kurzer Stopp, ein Rascheln im Gras – und die Gassirunde geht weiter. Zurück bleibt etwas, das in Berlin alle kennen. Und das wahrscheinlich allen stinkt: Hundekot.

Was erstmal nur eklig und nervig klingt – und von Aktivist*innen gerne mal mit Fähnchen oder Goldstaub sichtbar gemacht wird – ist in Wahrheit ein ernstes Umweltproblem. Denn täglich hinterlassen mehr als 130.000 gemeldete Hunde in Berlin ihre Häufchen. Hochgerechnet sind das schätzungsweise 55 bis 60 Tonnen Hundekot pro Tag und bis zu 300 Hundehaufen pro Minute. Ein Teil davon bleibt einfach liegen: auf Gehwegen, in Parks, auf Grünflächen oder sogar in Schutzgebieten.

Hundekot ist daher mehr als ein Ärgernis oder ein Hygieneproblem. Er schadet der Stadtnatur – genau den grünen Räumen, die Berlin eigentlich lebenswerter machen sollen.

Kleiner Haufen – Große Auswirkungen

Besonders tückisch ist Hundekot, weil er Böden nachhaltig verändert. Durch die proteinreiche Ernährung von Hunden enthält er hohe Mengen an Stickstoff und Phosphor, die in der Natur wie ein überdosierter Kunstdünger wirken.

Besonders empfindlich reagieren sogenannte Magerstandorte mit ihren seltenen Sandtrockenrasen. Diese kargen, nährstoffarmen Flächen wirken oft unscheinbar, sind aber echte Hotspots der Artenvielfalt. Hier wachsen hoch spezialisierte Pflanzen, die perfekt an diese extremen Bedingungen angepasst sind – viele davon bereits stark gefährdet. 

Gelangt dort regelmäßig Kot in den Boden, wird die natürliche Zusammensetzung zerstört und das ökologische Gleichgewicht kippt. Stickstoffliebende Pflanzen wie Brennnesseln breiten sich aus, während die spezialisierten Arten verschwinden – und mit ihnen eine einzigartige Insektenvielfalt.

Kein harmloser Dünger

Auch Stadtbäume leiden unter liegen gelassenen Häufchen – dabei stehen viele von ihnen ohnehin schon unter Stress durch Hitze, Trockenheit und verdichtete Böden. Hundekot wirkt auf Baumscheiben aber nicht nur wie Dünger – er bringt zusätzliche Schadstoffe in den Boden.

Dazu zählen Medikamentenreste aus Entwurmungsmitteln, Antibiotika und anderen Tierarzneien sowie Salze und Ammoniak, die die Wasseraufnahme der Wurzeln behindern und sie schädigen können. Das schwächt die Straßen- und Stadtbäume weiter und macht sie anfälliger für Krankheiten.

Nicht selten tummeln sich im Hundekot auch Parasiten wie Wurmeier oder Giardien und Bakterien wie Salmonellen oder Campylobacter. Menschen treten rein, Kinder kommen beim Spielen damit in Kontakt, andere Hunde schnüffeln dran und die Krankheitserreger verbreiten sich weiter. Auch Wildtiere können so Parasiten aufnehmen, die für sie gefährlich werden können.

Vom Land ins Wasser

Doch die Folgen liegen gelassener Hundehaufen enden nicht am Boden. Bei Regen werden Keime und Schadstoffe ausgewaschen und gelangen über das Wasser in die Kanalisation, ins Grundwasser oder direkt in Flüsse, Seen und Kleingewässer.

Wie schnell sich das Problem zuspitzen kann, zeigte sich in Berlin im vergangenen Winter: Wochenlang froren die Hinterlassenschaften am Boden fest. Als schließlich das Tauwetter einsetzte, wurden die im Kot enthaltenen Stoffe auf einmal freigesetzt und mit dem Schmelzwasser in großen Mengen in Gullys und Gewässer gespült.

Dort sorgen Stickstoff und Phosphor übrigens auch für eine unerwünschte Nährstoffzunahme: Algen breiten sich aus, dem Wasser wird Sauerstoff entzogen und insbesondere stehende Gewässer drohen zu kippen. In der Folge können sich auch giftige Blaualgen massiv vermehren. Umso größer ist dann die Bestürzung bei Hundebesitzern, wenn sich ihre Tiere beim Baden oder Trinken aus solchen Gewässern vergiften – mit teils schweren gesundheitlichen Folgen bis hin zum Tod.

Kein Kavaliersdelikt

Hundekot verschwindet nicht von selbst. Und gerade in einer Metropole wie Berlin sind die Hinterlassenschaften von Hunden kein kleines Ärgernis, sondern ein großes vermeidbares Problem mit spürbaren Folgen – für Böden, Pflanzen, Tiere, Gewässer und das Zusammenleben im öffentlichen Raum.

Entsprechend ist das Liegenlassen längst kein Kavaliersdelikt mehr: Hundehaltende sind verpflichtet, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner einzusammeln und ordnungsgemäß zu entsorgen. Laut dem neuen Bußgeldkatalog des Berliner Senats drohen seit 2025 Bußgelder zwischen 100 und 350 Euro – statt bislang 55 Euro.

Doch jenseits von Regeln und Strafen geht es auch um das Miteinander im öffentlichen Raum. Hundekot ist ein emotional aufgeladenes Thema, das immer wieder Ärger und Konflikte auslöst – in extremen Fällen sogar dazu führt, dass Giftköder ausgelegt werden und Hunde zu Schaden kommen.

Das wirksamste Mittel dagegen ist schlicht Rücksicht. Wer den Kot seines Hundes konsequent aufsammelt, schützt nicht nur die Stadtnatur, sondern trägt auch zu einem entspannteren Miteinander bei. Oder anders gesagt: Kackfreundlich sein schadet doch auch in Berlin niemandem.

Autorin: N. Wank