Derk Ehlert, sag doch mal! Folge 9

Kinder stellen manchmal die besten Fragen. Luis ist drei Jahre alt und wollte wissen: Können Eulen eigentlich pupsen? Als Wildtierexperte der Senatsumweltverwaltung kennt sich Derk Ehlert auch mit Eulen bestens aus und antwortet:
Hallo Luis,
das ist eine richtig gute Frage! Die bekomme ich tatsächlich öfter gestellt: Können Eulen pupsen?
Ich habe schon sehr viele Eulen gesehen. Ich habe sie nachts fliegen sehen, ich habe sie auf Ästen sitzen sehen, aber eine Eule pupsen gehört habe ich noch nie.
Trotzdem lautet die Antwort: Ja, Eulen können pupsen.
Warum das ganz normal ist
Eulen haben eine Verdauung, genau wie wir Menschen. Wenn ein Tier sein Essen im Bauch verarbeitet, wird die Nahrung zerkleinert und zersetzt. Dabei entstehen Gase. Das ist ein ganz normaler Prozess.
Und diese Gase müssen irgendwann wieder aus dem Körper heraus. Das gilt für fast alle Wirbeltiere, also auch für Eulen.
Warum hören wir das dann nicht?
Ganz einfach: Eulen sind kleine Tiere. Ihr Pups ist deshalb wahrscheinlich sehr leise. Um ihn zu hören, müsste man direkt neben der Eule sitzen – vielleicht sogar mit dem Ohr ganz nah an ihrem Po. Und ich kenne ehrlich gesagt niemanden, der das ausprobiert hat. Deshalb bekommen wir davon fast nie etwas mit.
Mit dieser Fähigkeit sind Eulen übrigens nicht allein. Viele Tiere müssen Gase loswerden: Elefanten pupsen auch. Wale machen das sogar unter Wasser. Und selbst Ameisen können kleine Gase produzieren. In der Tierwelt ist das also völlig normal.
Was Eulen in Berlin fressen
Eulen sind echte Nachtjäger. Wenn es dunkel wird, fliegen sie fast lautlos durch die Stadt und suchen nach Futter. In Berlin fressen sie zum Beispiel: Mäuse (das ist ihr Lieblingsessen), manchmal Ratten, kleine Vögel, große Insekten, gelegentlich auch Frösche.
Viele Eulen schlucken ihre Beute im Ganzen herunter. Später würgen sie die Teile wieder hoch, die sie nicht verdauen können, zum Beispiel Knochen oder Fell. Diese kleinen grauen Klumpen nennt man Gewölle. Wenn man so ein Gewölle findet und vorsichtig auseinander nimmt, kann man darin manchmal sogar kleine Mäuseknochen entdecken. Das ist ein bisschen wie Detektivarbeit.
Welche Eulen in Berlin leben
Auch in einer großen Stadt wie Berlin gibt es mehrere Eulenarten. Am häufigsten treffe ich den Waldkauz.

Waldkauz
Der Waldkauz lebt gern in großen Parks, auf Friedhöfen und in alten Bäumen. Nachts kann man seinen Ruf hören – ein geheimnisvolles „Huu-hu-huhuhuhuu“. Wenn man Glück hat, hört man ihn zum Beispiel im Grunewald oder Spandauer Forst.

Waldohreule
Auch die Waldohreule lebt in Berlin. Sie ist etwas schlanker und hat auffällige „Federohren“ auf dem Kopf. Besonders im Winter kann man sie manchmal entdecken, wenn mehrere Waldohreulen gemeinsam in Bäumen schlafen, zum Beispiel auf Friedhöfen oder in ruhigen Grünanlagen.

Schleiereule
Die Schleiereule lebte früher ebenfalls in Berlin, zum Beispiel in Kirchtürmen oder Baumhöhlen. Heute gilt sie hier allerdings als ausgestorben, weil sie in der Stadt kaum noch passende Plätze zum Brüten findet.
Mein Tipp für die nächste Begegnung mit einer Eule
Wenn du abends mit deinen Eltern durch einen großen Park gehst und ganz still bist, kannst du vielleicht eine Eule hören. Nachts klingt die Stadt nämlich plötzlich ganz anders.
Und vielleicht sitzt irgendwo über euch eine Eule auf einem Ast. Ob sie gerade pupst? Das verrät sie uns wahrscheinlich nicht.
Dein Derk Ehlert

Derk Ehlert ist Berlins Wildtierexperte und kümmert sich bei der Senatsumweltverwaltung um alles, was kreucht und fleucht. Ob Füchse am Kanzleramt oder Waschbären in der Mülltonne – er kennt die wilden Bewohner der Stadt wie kein Zweiter und bringt Licht ins Dickicht der Berliner Stadtnatur.