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Heidrun Grüttner
Verwaltungsleiterin

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Geförderte Projekte

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Beispiele unserer Fördertätigkeit aus Mitteln des Förderfonds Trenntstadt Berlin aus dem Jahr 2012

„Der Müllvollberg“: Ein interaktives Theaterstück des Galli Theaters

„Bringst Du bitte den Müll runter?" Diese Frage ist häufig der einzige Bezug, den Kinder zum Thema Müll haben. Verständlich, dass diese Thematik daher beim Nachwuchs nicht besonders beliebt ist. Das Galli-Theater hat sich vorgenommen, dies zu ändern. Ihr Theaterstück „Der Müllvollberg“ möchte dazu animieren, sich mit den Dingen, die wir wegwerfen, näher zu befassen. In der Geschichte geht es darum, dass der Müllberg auf der Erde nicht nur voll, sondern übervoll ist. Aber die Menschen laden immer weiter Abfall auf ihm ab. Da der große Berg nicht von alleine verschwindet, wird er zum Müllvollberg. Die beiden Helden des Stückes begeben sich auf unterschiedliche Abenteuer, in denen sie den Müll sortieren und verwerten lernen. Aber nicht allein das Zuschauen soll ein Bewusstsein für die Müllvermeidung und -trennung schaffen, sondern auch die aktive Teilnahme. Jedes Kind, das auf der Bühne den Müll richtig trennt, wird zum Ritter geschlagen oder zur Prinzessin ernannt.

Das von der Stiftung Naturschutz Berlin mit Mitteln aus dem Förderfonds Trenntstadt geförderte interaktive Theaterstück wird nun wieder in verschiedenen Berliner Kindergärten und Schulen gezeigt.

Große Ideen und glückliche Gewinner: Der zweite Trenntwende-Wettbewerb hat die besten Projekte gefunden

Vom 16. April bis zum 25. Juni konnten die Berlinerinnen und Berliner ihrer Kreativität freien Lauf lassen und sich mit Projekten zum Thema Recycling und Müllvermeidung beim Trenntwende-Wettbewerb bewerben. Unter der Schirmherrschaft des Senators für Stadtentwicklung und Umwelt, Michael Müller, wurden Projekte aus den Kategorien Privathaushalte, Bildungseinrichtungen und Unternehmen ausgezeichnet. Begeistert war das Trenntwende-Team von der Teilnehmerzahl des zweiten Wettbewerbs. Mit insgesamt rund 100 Teilnehmerprojekten wurden alle Erwartungen übertroffen.

Nach einer mehrstündigen Jurysitzung standen die Gewinner dann endlich fest. Ausgewählt wurden die Siegerprojekte nach den Kriterien Innovation, Vorbildcharakter und Nachhaltigkeit. Die ersten drei Plätze in den Kategorien Bildungseinrichtung, Privathaushalte und Unternehmen erhalten jeweils 1.500, 1.000 und 500 Euro Preisgeld.

Die Juroren der Trenntwende-Fachjury in diesem Jahr:
Heinz Nabrowsky (Stiftung Naturschutz Berlin)
Karsten Hintzmann (Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft)
Indra Enterlein (NABU)
Peter Krüger-Pammin (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt)
Ben Spoden (betterplace.org)

Weitere Informationen zum Wettbewerb unter www.trenntwende.deOpens external link in new window

Der 1. Platz in der Kategorie Bildungseinrichtungen geht an eine Initiative, die sich gegen die Verschwendung von Lebensmitteln stark macht. Die Berufsschüler und Lehrer der Brillat-Savarin-Schule wollen Hotelfachleute und Schüler schon während ihrer Ausbildung in den Themen Mülltrennung und Abfallvermeidung fit machen. Die bisher gesammelten Materialien und Erfahrungen sollen nun auch in der Praxis eingesetzt werden. Die Azubis werden künftig gemeinsam mit Management, Mitarbeitern und Gästen die Betriebe zum nachhaltigen Kochen bewegen. www.osz-gastgewerbe.de

Eine Telefonzelle kann im heutigen Stadtbild schon für Irritation sorgen. Vor allem wenn diese noch mit Büchern gefüllt ist. Der 2. Platz in der Kategorie Bildungseinrichtungen geht an das Projekt „Nachhaltige BücherboXXen“. Entwickelt wurde die Idee vom Institut für Nachhaltigkeit in Bildung, Arbeit und Kultur gemeinsam mit Lehrern und Schülern Berliner Oberstufenzentren. Wer zu viele Bücher hat, kann diese hier abgeben und nach Neuen stöbern. Drei BücherboXXen gibt es bereits. www.inbak.de

Über den 3. Platz in der Kategorie Bildungseinrichtungen kann sich das gemeinnützige Labor für Bildungskonzepte „Das Schiff e.V.“ freuen. An Bord der „Cormoran“ und „Wassermann“ soll das Wasser der Spree sowie verschiedener Berliner Seen untersucht werden und so gezeigt werden, welcher sichtbare und unsichtbare Plastikmüll in den Gewässern schlummert. www.das-schiff-berlin.de

Wer kennt das nicht: Gerade hat man sich etwas Schönes angeschafft und freut sich daran, schon ist es wieder kaputt. Der Grund hierfür sind oftmals Schwachstellen während des Herstellungsprozesses. Dieser Murks muss aufhören, fand Stefan Schneider und rief die Webseite „Murks? Nein danke!“ ins Leben. Hier können mangelhafte Produkte und Geräte gemeldet werden und Petitionen sowie Fachgespräche auf den Weg gebracht werden. Er gewann mit dieser Idee verdient den 1. Platz in der Kategorie Privathaushalte. www.murks-nein-danke.de

Der 2. Platz in der Kategorie Privathaushalte geht an Stefan Schott mit seiner Idee des Pfand-Jutebeutels „REjute“. Viele greifen beim Einkaufen im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt zur Plastiktüte. Der Pfand-Jutebeutel will diesem Trend entgegenwirken. Der REjute Stoffbeutel kostet einmalig 70 Cent und kann beim nächsten Einkauf wieder zurückgegeben werden. Dafür erhält der Kunde 50 Cent und gibt insgesamt weniger als für eine Plastiktüte aus. Die zurückgegebenen Beutel werden gereinigt und wieder verliehen.

Der 3. Platz in der Kategorie Privathaushalte geht an die Initiative CampusCup, die von fünf Studenten, einer Dozentin und einem Mitarbeiter des Studentenwerks ins Leben gerufen wurde. Für je vier Euro werden an HTW, FU und TU verschließbare Prozellanbecher im to-go-Design verkauft. Eine preiswerte Alternative zu den tausenden von Einweg-Bechern, die jährlich verbraucht werden. www.einleuchtend.de

40 Prozent der Ernte werden jährlich vernichtet. Und dies nur, weil die Gurke zu krumm, der Apfel zu klein oder die Tomate zu hell ist. Lea Brumsack und Tanja Krakowski haben mit ihrem nachhaltigen Catering-Unternehmen Culinary Misfits den 1. Platz in der Kategorie Unternehmen gewonnen. Auf Messen oder Konferenzen werden die „Misfits“ dann serviert, die zuvor durch Kooperationen mit regionalen Bauern sowie durch Ernteaktionen gerettet werden konnten. www.culinarymisfits.de

Der eigene Kleiderschrank ist voll und trotzdem lässt sich nicht Passendes finden. Die Alternative zum erneuten Konsumrausch heißt Common Vintage Kleidertausch-Party. Das Prinzip von Karin Fröhlich, der Gewinnerin des 2. Platzes in der Kategorie Unternehmen, ist ganz einfach. Man bringt drei bis zehn Kleidungsstücke zur Party mit, erhält dafür „Tauschdollar“, die dann gegen andere Stücke eingetauscht werden können. Geplant ist demnächst auch eine Online-Plattform. www.commonvintage.com

Der 3. Platz in der Kategorie Unternehmen geht an den Upcycling Fashion Store in Berlin-Mitte. Was auf den ersten Blick wie ein weiterer Laden für Designer-Mode anmutet, ist im Grunde ein Upcycling-Wunderland. Hier werden aus Blaumännern oder ausgedienten Herrenhosen außergewöhnliche Kleider und Röcke geschneidert. Die Ladenbesitzer koppeln ihr Unternehmen mit Events wie Themenabende, Ausstellungen und Vorträge von internationalen Gastdesignern. www.upcycling-fashion.de

Die Preisträger aus dem Jahr 2011

Der 1. Platz in der Kategorie Bildungseinrichtungen geht an das Projekt der Grundschule Beerwinkel in Spandau. Hier haben Schülerinnen und Schüler einen Umsonstladen gegründet, der ganz auf das Prinzip „Geben und Nehmen“ setzt. Was man selbst nicht mehr braucht, kann im Laden abgegeben werden und findet auf diese Weise einen neuen Besitzer. Weitere Infos zum Umsonstladen und der Grundschule Beerwinkel finden Sie unter www.beerwinkel.de

Über den 2. Platz kann sich die Gustav-Falke-Schule in Wedding freuen. Hier sind zu Müll-Detektiven ausgebildete Schülerinnen und Schüler in anderen Klassen und benachbarten Kindergärten mit der Mission „Müllvermeidung“ unterwegs. Der Wettbewerb „Müllfreies Pausenbrot“ und ein Elternabend zum Thema „Mülltrennung und Müllvermeidung“ sind erste Ermittlungserfolge, es sollen viele weitere Projekte folgen. Mehr über die Müll-Detektive erfahren Sie auf der Webseite www.gustav-falke-g.cidsnet.de

Wo gelernt wird, wird geschrieben. Jährlich fallen an der Schule 6,4 kg Plastik-Müll durch den Verbrauch von herkömmlichen Plastikpatronen an. Als müllsparende Alternative hat die Peter-Petersen-Schule in Neukölln Tintenkonverter eingeführt. Statt im Müll zu landen, werden die leeren Patronen aufgefüllt und wiederverwendet. Für diese innovative Idee gab es den 3. Platz. Weiterführende Infos zur Peter Petersen-Schule finden Sie unter www.pps.cidsnet.de/ueber.htm

Platz 1 in der Kategorie Privathaushalte geht an das Kulturlabor Trial&Error und ihr Event „Müll des Monats“. Einmal im Monat wird zu einem speziellen Müll-Material ein Themenabend organisiert. Lesungen und Dokumentarfilme sollen auf ganz unterschiedliche Art und Weise an das Thema Müll und Upcycling heranführen. In Workshops und Diskussionsrunden gibt es dann für alle die Möglichkeit, sich selbst mit dem alten-neuen Werkstoff Müll auseinanderzusetzen. Den nächsten Termin für den „Müll des Monats“ sowie weitere Workshopangebote finden Sie auf der Webseite www.trial-error.org


Die Idee, aus Biomasse Energie zu gewinnen, ist nicht neu. Die Art und Weise, wie das passieren kann, ist im Fall des Projektes „Raus aus der Biotonne“ jedoch hochinnovativ. Mit Hilfe sogenannter Grätzelzellen – die Franz John zusammen mit den Schülern in Workshops gebaut hat – wird zur Absorption von Licht organische Stoffe wie Carotin und Chlorophyll verwendet. Biomüll wird zum Energieträger – dafür gab es Platz 2.

Der Keller platzt aus allen Nähten vor Gerümpel und der Kleiderschrank hängt voller Sachen, die nicht mehr gefallen. Ab in den Müll damit? Lieber verschenken. Denn was der eine nicht mehr braucht, kann für den anderen ein schönes Geschenk sein. Das dachten sich auch die Initiatoren der „Givebox“. Teilen statt wegschmeißen ist das Motto der begehbaren Boxen, in denen Gegenstände ausliegen, die nicht mehr gebraucht werden – und das for free. Für diese tolle Idee gab es Platz 3. Wo Sie in Ihrer Nähe die nächste Givebox finden, verrät die Facebook-Seite de-de.facebook.com/Givebox

Rund 20 Mio Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland pro Jahr weggeworfen. Lebensmittel, die noch unverdorben sind und verzehrt werden könnten. Zeit sich Gedanken zu machen, ob die wirklich auf dem Müll landen müssen. Backwaren schmecken auch einen Tag nach der Herstellung mindestens genauso gut, wenn nicht sogar besser. Die Bäckerei „SECOND BÄCK“ hat genau diesen Gedanken zu ihrem Konzept gemacht. Der Mut von Vesta Heyn für diese unkonventionelle Geschäftsidee wurde mit dem 1. Platz belohnt. SECOND BÄCK: Raumerstrasse 38, 10437 Berlin; Paul-Robeson-Strasse 40, 10439 Berlin.

Ein Blick in die Supermarktregale offenbart den ganzen Verpackungswahn. Es wird en masse produziert und das zumeist ohne Rücksicht auf den Ressourcenverbrauch. Die Naturkosmetik Manufaktur i+m macht mit einer gezielten Öffentlichkeitsarbeit auf dieses Thema aufmerksam und hat 50% ihres eigenen Sortiments auf sortenreine Monoverpackungen umgestellt. Verpackungen können auf diesem Weg ohne Qualitätsverlust recycelt werden. So sieht aktiver Ressourcen- und Umweltschutz aus, fand auch die Trenntwende-Jury und vergab Platz 2. Mehr zur Produktlinie von i+m Naturkosmetik erfahren Sie unter www.iumn.de/Givebox

Die Möhre zu krumm, der Kohlrabi zu klein? Was im Lebensmittelhandel nicht der Norm entspricht, wird weggeworfen. Jährlich landen Nahrungsmittel im Wert von einer Milliarde Euro auf dem Müll. Das Projekt von Lea Brumsack ist da ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Idee der Recycling-Cuisine macht der Lebensmittelverschwendung in der Restaurantküche ein Ende. Dazu soll B-Ware von Landwirten und Großhändlern aufgekauft werden, um daraus vegetarische Menus zu kreieren. Nach einer Testphase ist die Eröffnung des Recycling-Restaurants RESSET! dann auch tatsächlich geplant. Ein Projekt mit Vorbildcharakter, das mit dem 3. Platz belohnt wurde. www.brumsack.de

Die Ratten kommen 

Ein Sonntag im Sommer auf der Wiese. Da riecht es nach Würstchen auf dem Grill, die Kinder toben und das Picknick endet erst, wenn auch die Sonne untergegangen ist. Leider bleibt am Ende oft etwas auf der Wiese zurück: Verpackungen, Plastiktüten, Essensreste... als hätten die Ratten das sinkende Schiff verlassen. Der bewusste Umgang mit Abfall liegt der Regisseurin Andrea Bittermann am Herzen. Mit den Mitteln des Theaters geht sie das Problem direkt an beliebten Berliner Picknickplätzen an: Zehn als Ratten verkleidete Schauspieler nähern sich den Menschen. Bald richten sich alle Augen auf die grauen Gesellen. Wachsam und freundlich weisen die Ratten auf all das hin, was heute nicht liegenbleiben soll. Dann packen sie ihren selbst produzierten Müll wieder zusammen und verschwinden – um an anderen Plätzen erneut aufzutauchen. An mehreren Wochenenden wird so direkt am Ort des Entstehens von Abfall überraschend und kreativ darauf hingewiesen, dass es nur ein wenig Achtsamkeit braucht, um die Parks der Stadt sauber zu halten. 

Zu entdecken sind die Ratten ab dem 04. August auf dem Tempelhofer Flugfeld, bis in den September hinein ziehen sie durch die Parks der Stadt.

Fotos: Sophie Bengelsdorf

Soziales Plastik – Kunst aus Abfall mit und in Neukölln!

Die Harzer Straße in Neukölln ist ein bunter Multikulti-Kiez – Männer sitzen mit Tee vor den Geschäften, in der Bäckerei liegen die Schrippen neben Baklava und aus der Schule strömen Kinder vieler Nationalitäten. Gleich nebenan, auf dem Gelände eines großen Wohnkomplexes, der gerade aufwändig saniert wird, ist die neu errichtete Werkstatt des Künstlers und Designers Gerhard Bär. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit Verpackungskunststoff, der in der Gesellschaft anfällt. Seine Projekte, die soziales Engagement und Umweltbewusstsein verbinden, führt er weltweit, so z. B. in Mexiko, in Syrien und demnächst auch in Montenegro und Albanien durch. Seit Frühjahr 2012 ist er auch in Neukölln mit dem Projekt „Soziales Plastik“ aktiv.

Hier sind die Bewohner aktiv eingebunden: Zuerst wurde das Vorhaben erläutert, dann wurden sie gebeten, ihren Plastikabfall zu sammeln. Dieser wird gemeinsam gesäubert und akribisch sortiert. Gerhard Bär erklärt allen Interessierten – darunter sehr viele Kinder - den Unterschied zwischen den einzelnen Verpackungskunststoffen, Folien, Verbundstoffen, PET und Plastik. Denn: Nicht alles eignet sich für ein zweites Leben, das hier daraus entsteht. Die gesammelten Wertstoffe werden bei niedriger Temperatur geschmolzen, bis sie zu Gegenständen geformt werden können. Und nun sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt – aus scheinbar wertlosem entstehen Gebrauchsgegenstände wie Schalen, Hocker und Papierkörbe.

Mit ein bisschen Übung sind auch größere Objekte möglich. Gerhard Bär hat zusammen mit der Künstler- und Designgruppe Bär + Knell Stühle aus dem Material gefertigt, die in vielen renommierten Museen zu sehen sind. Stabil und bequem wirken sie doch wie hingegossen und sind dazu höchst individuell. Hier sitzt man auf einem gerade noch erkennbaren Stück einer Plastiktüte, auf einer Folie, in der Schokolade eingewickelt war oder auf einer Comicfigur von einer Verpackung. Solche Sitzmöbel können ebenfalls in der Werkstatt hergestellt werden und vielleicht auch gleich den neuen Hof verschönern. 

Ein großer Teil des benötigten Kunststoffs kommt aus den Privathaushalten der Beteiligten. Durch die strikte Trennung des Plastikabfalls wird ein Ziel des von der Initiative Trenntstadt geförderten Projektes erreicht: Wertstoffe werden getrennt, um daraus andere Dinge entstehen zu lassen – dies gilt auch für den Recyclingkreislauf und ist hier hautnah zu erleben. Wenn für ein größeres Objekt weiterer Kunststoff benötigt wird, kann dieser auch im Kiez oder auf der Straße gesammelt werden, oft entsteht dabei ein neuer Blick auf den Abfall, der uns umgibt. Oder auch ein paar gute Vorsätze.

Gerhard Bär selbst versteht sich als Motivator und Begleiter für den Anfang – mit Leben erfüllt wird das Projekt durch das Engagement der Beteiligten. Schon jetzt wird das Interesse immer größer – neben den Menschen in der Harzer Straße haben sich viele andere Organisationen aus dem Kiez gemeldet, die gern dabei sein möchten. Hier findet ein Austausch nicht nur zwischen Anwohnern, sondern auch zwischen Kulturen statt.

Und wenn man ihn fragt, ob die Ergebnisse nun Gebrauchsgegenstände oder Kunst sind? „Das Projekt selbst ist Kunst, eben eine Soziale Plastik!“

Fotos: Sophie Bengelsdorf

P A C K E T – S O U P

Ausstellung zum Plastikkonsum in der SAVVY Contemporary Galerie vom 05.05. bis 02.06.2012

Aus unserem Alltag sind Verpackungen und Tüten aus Plastik kaum wegzudenken. Wer einmal genauer hinschaut, stellt schnell fest, dass Plastik ein ständiger Begleiter ist. Aber ist er auch immer nötig? Diese Fragen hat sich Claudia Lamas Cornejo (28) gestellt. Und eine ganze Ausstellung zum Thema konzipiert. Unter dem Namen P A C K E T – S O U P beschäftigen sich Künstler auf unterschiedlichste Weise mit der Umweltverschmutzung durch Plastik und hinterfragen gesellschaftliche Verhaltensweisen. So gibt es akribisch geordnete Setzkästen mit gefunden Plastikteilen von englischen Stränden, Performances und Videoinstallationen, die zeigen, in wie viel Plastik wir täglich schwimmen.

Weltweit kreisen fünf Müllstrudel mit unendlich vielen Plastikteilen in den Ozeanen. Sie haben enorme Ausmaße angenommen: Der größte Plastikstrudel im Nordpazifik ist etwa viermal so groß wie Deutschland. Eine Größe, die den bildenden Künstler Jan Kuck (34) abstößt und zugleich fasziniert – und ihn zum Hauptwerk der Ausstellung inspirierte.

SNB: Herr Kuck, in der Ausstellung P A C K E T – S O U P werden Sie einen Pool aufbauen, für Schwimmbadatmosphäre sorgt eine Soundinstallation. Können die Besucher in Ihrem Pool denn auch schwimmen?
Ja, sie können tatsächlich in den Pool steigen und versuchen, ein paar Schwimmbewegungen zu machen. Es wird allerdings nicht ganz so leicht sein, denn gefüllt ist er nicht mit Wasser, sondern mit etwa 6.000 Plastiktüten. In den Tüten ist Verpackungsmaterial aus Plastik und sie stellen schon eine ziemliche Masse dar. Ich möchte damit deutlich machen, wie viel Plastik in den Meeren schwimmt und dies zu einem Erlebnis zum Anfassen machen.

SNB: Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Ich habe von den Plastikstrudeln in den Ozeanen gehört und mich ließ das nicht mehr los. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto mehr ist mir aufgefallen, wie viel Plastik uns wirklich umgibt. Dies möchte ich mit meinem künstlerischen Blick erfahrbar machen. Die Tüten im Pool sind eine Metapher für das viele Plastik im Meer und um uns herum. Ich finde, dass Kunst sehr gut funktionieren kann, um den Blick auf die Alltäglichkeit zu verändern und vielleicht auch Dinge ein wenig bewusster zu machen, die uns sonst schnell entgehen. Während meiner Arbeit an der Installation habe ich angefangen, mein eigenes Verhalten zu beobachten. Ich achte heute mehr darauf, wie ich konsumiere und einkaufe.

SNB: Was hat sich da konkret verändert?
Ich versuche zum Beispiel kein Wasser mehr aus Plastikflaschen zu trinken. Ich nehme viel öfter eine Tasche aus Stoff und packe Obst nicht mehr in Tüten. Ich denke, dass eigentlich jeder einzelne ziemlich viel tun kann, um den Plastikkonsum zu verringern.

SNB: Woher haben Sie denn die Plastiktüten, mit denen Sie den Pool füllen?
Ich habe vielen Leuten von der Aktion erzählt und wir haben sie privat gesammelt, also jeder hat alle sauberen Tüten, die er zuhause hatte, zu mir gebracht. Weitere Tüten haben wir von der Industrie erhalten, sie haben uns ihre Mängelexemplare gespendet, die sie nicht verwenden konnten.

SNB: Was machen Sie nach der Aktion mit den vielen Tüten?
Es gibt einige Projekte in Berlin, an die wir das Material weitergeben können, sie verwenden es noch einmal. Und was übrig bleibt, geben wir ins Recycling, dabei ist uns die Initiative Trenntstadt Berlin, die unser Vorhaben gefördert hat, behilflich.

SNB: Frau Lamas Cornejo, Sie sind die Kuratorin der Ausstellung. Was möchten Sie erreichen?
Ich wünsche mir natürlich Aufmerksamkeit für die Ausstellung und die teilnehmenden Künstler, die sich auf verschiedene Arten mit Umweltthemen beschäftigen. Mein Ziel ist, durch die vielfältige Herangehensweise die Besucher auf mehreren Ebenen anzusprechen. Wenn sie einen kleinen Anstoß zum bewussten Konsum und zu einem Beobachten ihres eigenen Verhaltens mit nach Hause nehmen, kann sich viel verändern. Klar kann man sagen, Kunst ist Kunst und muss gar nichts, aber ich bin überzeugt, dass Kunst ganz viel kann, nämlich Türen öffnen und Dinge bewusster machen.


P A C K E T – S O U P
vom 05.05. bis 02.06.
Ort: SAVVY Contemporary
Richardstraße 43/44, 12055 Berlin

Vernissage: 05.05.2011, 19.00 Uhr

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag 16.00-20.00 Uhr

Künstler: Jan Kuck (DE), Werner Boote (AT), Steve McPherson (UK), Pamela Longobardi (US), Nathalie Fari (BR), Susanne Richter (DE), Yingmei Duan (CH), Cai Qing (CH)

www.packet-soup.comOpens external link in new window

Gefördert wird das Projekt mit Mitteln aus dem Förderfonds Trenntstadt Berlin. Anträge auf Projektförderung nimmt die Stiftung Naturschutz entgegen.


Fotos: Nadine-Sophie Eckert

Die bunte Welt des Recycling

Alte Kronkorken als Schmuck am Ohr und bunte Koffer aus Konservendosen? Die Wiederverwendung von Wertstoffen betrifft längst nicht mehr nur Altpapier und Plastikflaschen. Dass Recycling mehr kann und dabei richtig trendy ist, zeigt das Umweltbüro für Berlin und Brandenburg mit der Ausstellung „Kreativität kennt kein Verfallsdatum“. Noch bis zum 31.03. können Sie im Bezirksamt Pankow in die bunte Welt des Recycling eintauchen. Welche Gebrauchsgegenstände bei der kreativen Wiederverwendung von Wertstoffen entstehen können, davon zeugt eine breite Palette an innovativen Designer-Stücken verschiedener Berliner Mode-Labels. Taschen aus alten Autoreifen und recycelter Werbeplane, Untersetzer aus Flaschendeckeln und Recycling-Mode in allen Facetten – nie war alt so neu und dabei so ökologisch. Denn statt auf dem Müll zu landen, erhält vermeintlicher Abfall einen neuen Wert und Nutzen.
Die Stiftung Naturschutz fördert dieses Projekt mit Mitteln aus dem Förderfonds Trenntstadt Berlin und lädt alle Design-Freunde, Recyclingfans, Umweltschützer und Interessierte ein, sich diesen kreativen Umwelt- und Ressourcenschutz direkt vor Ort anzuschauen.

Ausstellungsadresse
Bezirksamt Pankow
Breite Straße 24A
13187 Berlin-Pankow
Tel. (030) 90295-0

Den Flyer zur Ausstellung finden Sie unter
http://www.ubb.de/htm/news.php