Einen hilflosen Vogel hat wohl schon jeder auf der Straße oder im Park gefunden – ob einsamer, piepsender Jungvogel oder verletztes Alttier. Damit der mitleidige Helfer aus Unwissenheit nichts Falsches macht, hier einige Tipps.
Nicht jeder Vogel braucht Hilfe!
- Allgemein machen verletzte Vögel einen matten, apathischen Eindruck, nehmen kein Futter auf, sind benommen und können nicht mehr fliegen.
- Viele Jungvögel sind nicht verlassen, sie werden von den Alttieren auch auf dem Erdboden noch gefüttert. Nach Möglichkeit sollten sie aber auf einen Ast gesetzt und in Ruhe gelassen werden!
- Ist der Vogel verletzt, sollte er einem Tierarzt oder den hier genannten Helfern vorgestellt werden, das Tier dazu am besten in einen kleinen Pappkarton setzen.
- Wichtig: Fundort und Fundzeit notieren, damit
- die Helfer nachkontrollieren können, ob durch ungünstigen Standort des Nestes mit weiteren Unfällen zu rechnen ist.
Die häufigsten Verletzungen bei Wildvögeln sind...
- Anflugverletzungen, das heißt der Vogel ist gegen ein Fenster, Auto oder eine Hochspannungsleitung geflogen - meist zu erkennen an Benommenheit, Flugunfähigkeit, Knochenbrüchen, blutenden Wunden, Federverlust (Vogel sieht aus wie ein „gerupftes Huhn“).
- Katzenbisse (offene Wunden oder Wunden unter dem Federkleid).
Hilfsmaßnahmen
- Vogel behutsam mit einem Tuch fangen, in einen Karton mit Luftlöchern setzen, der mindestens zwei- bis dreimal größer als der Vogel ist; damit er sich am Boden festhalten
- kann, den Karton mit einem Handtuch oder Zellstoff auslegen.
- Im Dunkeln und geschützt (bei Zimmertemperatur!) kann der Vogel den ersten Stress abbauen, sich beruhigen.
Aufzucht von Singvögeln
Die Aufzucht junger Singvögel sollte immer nur eine Ausnahme bleiben. Nur in seltenen Fällen ist sie wirklich notwendig!
Junge Singvögel bleiben nach dem Schlüpfen noch etwa zwei bis vier Wochen im Nest oder in der Nisthöhle. Dann kommt der Tag, an dem die Kleinen so groß geworden sind, dass sie das elterliche Nest verlassen müssen, denn die Altvögel füttern nur noch außerhalb des Nistplatzes. Jungvögel, die scheinbar verlassen sind, warten also oft nur auf ihre Ernährer, mit denen sie über so genannte Stimmfühlungslaute Kontakt halten.
Wer einen Vogel findet, sollte ihn also erst einmal sitzen lassen - die Bewegungslosigkeit schützt das Tier vor Feinden, wie Katzen und Füchsen. Ist der Jungvogel allerdings direkt an einer befahrenen Straße gelandet, bitte ihn vorsichtig aufnehmen und an einen geschützten Platz in der Nähe setzen. Im Gegensatz zu Säugetieren, die ihre Jungen am Geruch erkennen, füttern die Vögel ihren Nachwuchs auch dann weiter, wenn er vom Menschen berührt wurde.
Nur in wenigen Ausnahmefällen wird also ein Jungvogel in menschliche Obhut geraten. Man muss auch grundsätzlich davon ausgehen, dass die menschliche Aufzucht nicht all das ersetzen kann, was die Vogeleltern den Jungen beibringen: Feindvermeidungsverhalten, Sozialverhalten, Nahrungssucheverhalten und zum Teil auch den artspezifischen Gesang.
Ein aufgefundener Jungvogel sollte immer nur dann selbst gefüttert und aufgezogen werden, wenn keiner der hier
genannten Helfer zur Verfügung steht. Besonders für die spätere Auswilderung des Tieres ist fachkundige Hilfe erforderlich.
Insektenfresser
(Zaunkönig, Rotkehlchen, Rohrsänger, Grasmücken, Meisen u.a.)
- Zur Fütterung vorsichtig den Schnabel des Vogels öffnen, das Futter dem Pflegling dann mit einer Pinzette anbieten.
- Mehlwürmer (möglichst frisch gehäutet), Grillen (bei zarten Vögeln ohne Kopf und Beine), gelegentlich auch Maden - Insekten portionsweise im Tiefkühlfach lagern, jeweils frisch auftauen.
- Fertigmischung für „empfindliche Weichfresser“ (100% Insekten), gibt es im Zoofachhandel; die Mischung mit Wasser feuchtkrümelig herstellen.
Drosseln & Stare
(Amsel, Singdrossel, Wacholderdrossel, Star u.a.)
- Beoperlen (im Zoofachhandel erhältlich) mit heißem Wasser übergießen und aufquellen lassen, bei Bedarf portionsweise zerteilen, auch Früchte (kleingeschnittene Kirschen, Erdbeeren o.ä.) werden gern genommen.
- Angefeuchtetes Weichfresserfutter (vom Zoofachhandel), zusätzlich können auch Insekten (Mehlwürmer, Maden) angeboten werden.
- Täglich eine Messerspitze Erde unter das Futter mischen und immer frisches Wasser anbieten.
Körnerfresser
(Sperlinge, Finken, Ammern u.a.)
- Obwohl die erwachsenen Tiere Körnerfresser sind, müssen Nestlinge mit tierischem Eiweiß versorgt werden. Insekten (siehe „Insektenfresser“) oder eine Mischung aus Insektenfresserfutter und Aufzuchtfutter für Kanarien anbieten. Das ausschließliche Füttern von Kanarienaufzuchtfutter hat bei den o.g. Vogelarten Mangelerscheinungen, wie z.B. Gefiederschäden, zur Folge
- Wenn die Pfleglinge das Nest verlassen haben, sollte eine Waldvogelfuttermischung (Zoofachhandel) angeboten werden; am besten auf den Käfigboden streuen und gleichzeitig einige angekeimte Körner reichen (zwölf Stunden in Wasser einweichen, dann im Sieb mit kaltem Wasser abspülen).
- Zusätzlich nehmen die Vögel auch gerne Gräser und Vogelmiere an.
Bei der künstlichen Aufzucht von Jungvögeln - egal ob Insekten- oder Körnerfresser - müssen ständig ausreichend Vitamine und Mineralstoffe zugefüttert werden (im Zoofachhandel erhältlich); auch frisches Wasser muss zur Verfügung stehen!