Wiederfund nach 17 Jahren: die Salz-Binse (Juncus gerardii)

Manche einst in Berlin heimische Art findet sich heute nur noch als getrockneter Beleg im Herbarium des Botanischen Museums Berlin-Dahlem. Leider wächst die Zahl der gefährdeten Arten kontinuierlich. Da ist es schon eine kleine Sensation, wenn siebzehn Jahre nach dem letzten Fund eine Art wieder auftaucht, die schon als so gut wie ausgestorben galt. Bei einer Zielartenerfassung fand nun Dr. Hanna Köstler, Kartiererin der Koordinierungsstelle Florenschutz, eine Pflanze wieder, die in Berlin das letzte Mal vor siebzehn Jahren gesichtet wurde: die Salz-Binse. 

Der letzte Nachweis der Art stammte aus einer Baugrube in Neukölln, in der sie 1998 zuletzt gefunden wurde. Da der Fundort wenig später bebaut wurde, galt die Art seitdem in Berlin als ausgestorben. Umso größer war die Überraschung, als in diesem Spätsommer die Salz-Binse an ihrem historischen Fundort im Herrnholzbecken in Wittenau wiederentdeckt wurde. An dieser Stelle war sie zuletzt 1984 gesichtet worden. 

Wie ihr Name schon andeutet, ist die Salz-Binse  in Europa vor allem an den Küsten heimisch. Dort besiedelt sie mit weiteren salztoleranten Arten von Rindern und Schafen beweidete Salzwiesen, die gelegentlich vom Meerwasser überflutet werden. Abseits der Küsten ist die Salz-Binse in Mitteleuropa extrem selten. Sie zeigt hier Binnensalzstellen an, an denen salzhaltiges Wasser an die Oberfläche gelangt. 

In Brandenburg wurden bis heute etwa 60 Salzaustrittstellen dokumentiert, ihre Schwerpunkte liegen im Berliner und Baruther Urstromtal sowie in den dazwischen liegenden Niederungen. Dass es auch in Berlin Salzaustrittstellen gibt, belegen die im 19. Jahrhundert zu Heilzwecken genutzten Mineralquellen am heutigen Gesundbrunnen (Wedding) und in Charlottenburg, denen 1832 ein Gehalt an vielen Salzen bescheinigt wurde. Ebenso deutet das Vorkommen der Salzbinse, die im 19. und 20. Jahrhundert an drei Stellen in Berlin nachgewiesen wurde, auf den Austritt von mineralhaltigem, leicht salzigem Wasser hin. 

Eine Besonderheit stellt das 2015 wiederentdeckte Vorkommen der Salzbinse im Herrnholzbecken (Reinickendorf) dar. Die Art wird in dieser Feuchtwiese, die aus einem Moor hervorgegangen ist und heute als Regenrückhaltebecken genutzt wird, nämlich durch zwei weitere salztolerante Zielarten, den Salz-Hornklee und den Erdbeer-Klee, begleitet. Um diese in Berlin einzigartige Vegetation zu erhalten, ist eine jährliche Mahd erforderlich, da sonst Schilf die Wiese zu überwuchern droht. Die Koordinierungsstelle Florenschutz setzt sich für eine angemessene Pflege dieser Wiese ein.

Der (Wieder-)Fundort: das Herrnholzbecken

Der (Wieder-)Fundort: das Herrnholzbecken
Bild: H. Köstler