Pflanze des Monats September 2017

Pracht-Nelke – Dianthus superbus L.

Sie begeisterte schon Carl von Linné mit ihren grazilen, federgleichen Blütenblättern. Er gab ihr den wissenschaftlichen Namen „Dianthus superbus“ – stolze, prächtige Nelke. Der Schönheit nicht genug, senden die Blüten zudem während der Nacht einen betörenden Duft aus, der sie für Nachtfalter unwiderstehlich macht. Schmetterlinge sind auch die einzigen Insekten, die mit ihren langen Saugrüsseln den in einer etwa 3,5 cm tiefen, schmalen Blütenröhre verborgenen Nektar erreichen können. Sie übernehmen damit auch die Bestäubung.

Die Schönheit der in Europa und Asien heimischen Pracht-Nelke hat ihr seit Jahrhunderten einen Platz in Bauerngärten und auf Künstlerleinwänden gesichert. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts gingen hingegen ihre natürlichen Wuchsorte in wechselfeuchten bis nassen Wiesen und feuchten, lichten Eichenwäldern stark zurück. Die Heugewinnung auf Feuchtwiesen ist unrentabel geworden, da sie mit Mähmaschinen jahreszeitlich z.T. unbefahrbar sind, ihr Futterwert den Ansprüchen moderner Hochleistungskühe nicht mehr genügt sowie Heu und Streu in der heutigen Tierhaltung weitgehend eingespart wurden. Nährstoffeinträge aus der Luft, Entwässerungen und Grundwasserabsenkungen führten ebenso zu deutlichen Veränderungen der Artgemeinschaften. Pfeifengraswiesen und kalkreichen Niedermoore, in denen die Pracht-Nelke bevorzugt vorkommt, gehören daher heute in Europa zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen (EU-weiter Schutz als prioritäre FFH-Lebensraumtypen 6410 und 7230).

Die Pracht-Nelke konnte in Berlin seit 2010 nur noch im Eiskeller (Bezirk Spandau), im NSG Kalktuffgelände am Tegeler Fließ und im NSG Idehorst (beide im Bezirk Pankow) nachgewiesen werden. Insgesamt existieren in Berlin weniger als 100 Pflanzen, die sich zumeist auf kleine, hunderte Meter voneinander entfernte Bestände verteilen. Hierdurch ist es für ihre Bestäuber schwer geworden, benachbarte Pracht-Nelken zu erreichen, wodurch der Pollenaustausch zwischen den Pflanzen stark eingeschränkt ist. So kommt es, dass immer weniger Samen gebildet werden, denn die Fruchtbarkeit von Nelken ist bei Selbstbestäubung oft geringer als bei Fremdbestäubung. Um diese Abwärtsspirale zu stoppen und neben der Blüte auch die vegetative Vermehrung der Pracht-Nelke zu fördern, müssen die Wasserstände in den Gebieten stabilisiert und ihre Wuchsorte gezielt gepflegt werden. Bei geeigneten Standortverhältnissen könnten zudem Jungpflanzen in einer Vermehrungskultur herangezogen und im Bereich der Reliktvorkommen und an weiteren Standorten ausgebracht werden.

Helfen Sie uns beim Schutz der Pracht-Nelke und weiterer Zielarten des Florenschutzes! Über Fundmeldungen von Zielarten – am besten mit Fotobeleg – würden wir uns sehr freuen. Vielen Dank!

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
Potsdamer Straße 68
10785 Berlin
Tel: (030) 26 39 4-188