Pflanze des Monats Juni 2014

Echte Mondraute (Botrychium lunaria (L.) Sw.)

Der Echten Mondraute wurden im Mittelalter bedeutende magische Kräfte nachgesagt. Der deutsche und lateinische Name des kleinen, unscheinbaren Farns nimmt darauf Bezug, denn man glaubte, die halbmondförmigen Blätter würden nachts leuchten (lat. luna = Mond). Nach anderer Überlieferung musste die Echte Mondraute bei Vollmond gesammelt werden, um ihre Zauberkräfte zu entfalten. Hierzu zählte z. B. die Fähigkeit, Schlösser zu öffnen. Die Pflanze war zudem eine wichtige Zutat bei Zaubertränken und wurde auch als Heilpflanze zur Wundbehandlung genutzt. Im Mai und Juni kommt die Mondraute an sandigen, nährstoffarmen Wegrändern, auf Magerrasen und in lichten Kiefernwäldern zum Vorschein.

Die Echte Mondraute gehört zur Familie der Natternzungengewächse (Ophioglossaceae) und bildet nur ein Blatt mit einem gefiederten, sterilen Teil und einem sporentragenden Teil aus. Die Sporen reifen von Mai bis August und werden durch den Wind verbreitet. Sie benötigen zur Keimung 3-4 Wochen Dunkelheit, müssen also durch Bodenstörungen unter die Erdoberfläche gelangen. Treffen sie hierbei auf geeignete Wurzelpilze (Mykorrhiza), entwickelt sich ein Vorkeim, der wiederum männliche und weibliche Geschlechtszellen ausbildet, welche sich zu einem Embryo vereinigen. Vorkeim und Jungpflanze leben viele Jahre unterirdisch, sodass bis zu 10 Jahre vergehen können, bis die ersten oberirdischen Triebe der Art erscheinen. Auch die langlebigen erwachsenen Exemplare bilden nicht jedes Jahr oberirdische Triebe aus. Die Unbeständigkeit und Unvorhersehbarkeit ihres Auftauchens hat sicher auch zur geheimnisvollen Aura der Pflanze beigetragen.

Die Echte Mondraute kommt in gemäßigten und kühlen Gebieten Europas, Asiens und Nordamerikas vor. In Europa erstreckt sich ihr geschlossenes Areal  von den Alpen bis Nordnorwegen sowie von Irland bis Russland. Deutschland gehört zu ihrem Hauptverbreitungsgebiet. Allerdings ist ihr Bestand hier seit Jahrzehnten rückläufig. In Berlin wurden nach 1990 rund 10 Vorkommen nachgewiesen, welche zum Großteil in den Forsten des Bezirks Treptow-Köpenick liegen. Vereinzelte Bestände gibt es zudem auch in den Bezirken Reinickendorf und Steglitz-Zehlendorf.

Aufgrund ihrer Symbiose mit Wurzelpilzen in allen ihren Lebensstadien ist die Echte Mondraute durch Nährstoffeintrag stark gefährdet, so z. B. durch die Ablagerung von Mahdgut und Gehölzschnitt sowie die Ausbreitung der Robinie. Weitere Gefährdungen sind das Brachfallen von Magerwiesen mit nachfolgender Verbuschung und Ausbreitung konkurrenzstarker Ruderalarten, die zunehmende Beschattung in Wäldern und intensives Wühlen von Wildschweinen an Wegrändern.

Die Echte Mondraute ist in Deutschland besonders geschützt und gilt in Berlin als vom Aussterben bedroht. Sie können helfen, diese bedrohte Pflanze zu schützen! Sollten Sie eines der seltenen Exemplare entdecken, informieren Sie bitte die Stiftung Naturschutz Berlin, am besten mit einem Fotobeleg. Vielen Dank!