Pflanze des Monats Juli 2017

Färber-Scharte – Serratula tinctoria L. subsp. tinctoria

Wenige Pflanzen tragen ihren Nutzen für den Menschen so auffällig im Namen wie die Färber-Scharte. Diese in Europa heimische Pflanze ähnelt mit ihren violetten Blüten aus der Entfernung einer Distel, trägt jedoch keine Stacheln. Dafür hat sie an den Blatträndern winzige Sägezähnchen, die beim Entlangfahren mit den Fingern rauh wirken. Das bis zu einem Meter hohe Gewächs wurde früher zum Färben verwandt. Bis ins 19. Jahrhundert kam die Färber-Scharte viel häufiger vor als heute, denn sie wurde gern gepflanzt und durch Siedler aus Europa auch in die Kolonien der amerikanischen Ostküste mitgenommen.

Zum Färben wurden jedoch nicht ihre leuchtend violetten Blüten, sondern ihre Laubblätter und Stengel verwandt. Beim Trocknen und anschließenden Kochen in alkalischen Laugen verwandelt sich die in der Pflanze enthaltene farblose Substanz Serratulan in den gelben Farbstoff Serratulin, auch „Schüttgelb“ genannt. Dieser Stoff wurde bis ins 19. Jahrhundert zum Färben von Wolle, Baumwolle, Seide, Leinen und Leder, aber auch in der Malerei genutzt. Behandelt mit verschiedenen Chemikalien konnte man aus Serratulin zudem Gelbgrün und Olivbraun gewinnen. Gemischt mit Indigo ergaben sich auch leuchtende Grüntöne. Serratulin ist wie die meisten Pflanzenfarbstoffe jedoch nicht lichtecht, sodass die damit gefärbten Materialien verblassen, wenn sie längere Zeit dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Mit der Entwicklung billig herzustellender, synthetischer, lichtbeständigerer Farbstoffe gerieten die meisten Färbepflanzen, und damit auch die Färber-Scharte, Ende des 19. Jh. schnell in Vergessenheit.

Heute ist die Färber-Scharte kaum noch in Gärten zu finden und auch an ihren Wildstandorten sehr selten geworden. Die Pflanze kommt in Europa wild in extensiv genutzten, nur einmal jährlich gemähten, wechselfeuchten bis wechseltrockenen Feuchtwiesen, in lichten Laubmischwäldern und an ihren Säumen vor. Da der Aufwuchs sogenannter Pfeifengraswiesen vom Vieh ungern gefressen wird und Einstreu aus der modernen Viehhaltung verdrängt wurde, ist der Lebensraum der Färber-Scharte durch zwei Extreme gefährdet: Nutzungsintensivierung mit Düngung und häufiger Mahd oder Brachfallen mit allmählicher Bewaldung. In Berlin sind die letzten Standorte der Pflanze zudem durch künstliche Grundwasserabsenkung und Ausbreitung von Neophyten, wie z.B. der Spätblühenden Traubenkirsche, Robinie und Kanadischen Goldrute, sehr beeinträchtigt.

Die Färber-Scharte gilt in Berlin als stark gefährdet. Sie wurde seit dem Jahr 2000 nur noch in drei Fundgebieten festgestellt, und zwar im Eiskeller (Bezirk Spandau), in der Wuhlheide (Bezirk Treptow-Köpenick) und im NSG Idehorst (Bezirk Pankow). Zur Förderung der Färber-Scharte und weiterer stark gefährdeter Wildpflanzen werden in der Wuhlheide jedes Jahr ehrenamtliche Pflegeeinsätze durchgeführt. Der nächste Pflegeeinsatz findet am 16. September 2017 statt. Möchten Sie uns dabei unterstützen? Sprechen Sie uns an!

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
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