Pflanze des Monats Juli 2014

Weidenblättriger Alant (Inula salicina L.)

„Meistens belehrt erst der Verlust uns über den Wert der Dinge.“ Dieses Zitat von Arthur Schopenhauer beschreibt treffend den Effekt, den das Verschwinden einer Schlüsselart auf ein Ökosystem hat. Ein Beispiel hierfür ist der Weidenblättrige Alant, eine Pflanzenart der extensiv gemähten Feuchtwiesen, Halbtrockenrasen und Säume. Seine lebhaft gold- und zitronengelb gefärbten und kleinen Sonnen ähnelnden Blüten bieten von Juni bis Oktober Schmetterlingen, Grabwespen und Wildbienen Nektar und Pollen an. Die Insekten übernehmen im Gegenzug die Bestäubung. Unter den Blütenbesuchern befinden sich hierbei viele Wildbienen, die sich auf wenige Nahrungspflanzen spezialisiert haben, so z. B. Arten der Gattungen Löcherbienen, Seidenbienen und Blattschneiderbienen.

Der Rückgang des Weidenblättrigen Alants seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zieht den Verlust vieler weiterer Arten nach sich. Ursache des Rückgangs ist vor allem eine geänderte Grünlandnutzung: Moorwiesen wurden melioriert und gedüngt, eine Streu- oder 1-2schürige Heunutzung ist einer vielschürigen Silage-Gewinnung gewichen und sehr viele Wiesen wurden einfach aufgegeben und wachsen über Brachestadien allmählich mit Gehölzen zu.

Als lichtliebende, mittelgroße Pflanze, die ihren Schwerpunkt in den kontinentalen Gebieten Europas und Asiens hat, ist der Weidenblättrige Alant in Brachen durch Konkurrenz von hochwüchsigen Stauden, Gräsern und Gehölzen gefährdet. Zwar kann er noch viele Jahre vegetativ existieren, jedoch kommt es nicht mehr zur Blüten- und Samenbildung. Es erfolgt keine Verjüngung der Bestände, so dass diese überaltern. Aufgrund der fehlenden Samen können dann auch keine neuen, besser geeigneten Standorte besiedelt werden. Ein Erlöschen des Bestandes ist somit vorprogrammiert, die dramatische Lage wird jedoch durch die Langlebigkeit der Art maskiert und oft viel zu spät erkannt. Bereits mit dem Ausbleiben der Blüten wird allerdings schon einer Vielzahl von Wildbienen und anderen Insekten eine wichtige Nahrungsgrundlage entzogen.

Der Weidenblättrige Alant kommt in Berlin nur noch in zwei Gebieten in Köpenick und Spandau vor. Er gilt als vom Aussterben bedroht. Sie können helfen, diese hübsche Pflanze zu schützen! Sollten Sie eines der seltenen Exemplare entdecken, informieren Sie bitte die Stiftung Naturschutz Berlin, am besten mit einem Fotobeleg. Sie können sich zudem auch an ehrenamtlichen Biotoppflegemaßnahmen beteiligen. Nähere Informationen hierzu erhalten Sie bei der Stiftung Naturschutz Berlin (s. u.). Vielen Dank!

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
Potsdamer Straße 68
10785 Berlin
Tel: (030) 26 39 4-188