Pflanze des Monats August 2014

Sparrige Flockenblume (Centaurea diffusa Lam.)

Berlin übte schon immer auf Lebenskünstler und Weltenbummler eine magnetische Anziehungskraft aus. Auch in der Pflanzenwelt gibt es spannende Wandergeschichten. Eine solche kann von der ein- bis zweijährigen, von Juli bis August zumeist weiß blühenden Sparrigen Flockenblume erzählt werden:

Die Sparrige Flockenblume ist ursprünglich in den subkontinentalen Regionen Südosteuropas und Westasiens heimisch. Von dort kam sie im 19. und 20. Jh. als sogenannter „Südfruchtbegleiter“ mit Heu- und Strohverpackungsmaterial auf die Bahnhöfe Mitteleuropas und konnte sich unter günstigen Bedingungen vor allem entlang der Bahnstrecken weiter verbreiten. Außerdem wanderte sie als „blinder Passagier“ mit dem Saatgut von Kulturpflanzen ein.

In Berlin wurde eine Pflanze der Sparrigen Flockenblume erstmals 1868 in Kreuzberg in einem Pflastersteindepot entdeckt, in den 1890er Jahren wurde die Art dann bei Mühlen in Tegel und Köpenick wiedergefunden. Die Art ist der Stadt seitdem treu geblieben, insbesondere zwischen 1950 und 1989 wurden zahlreiche Fundorte nachgewiesen. Sie hat vor allem auf trockenem, schotterreichem Bahngelände sowie in angrenzenden Sandtrockenrasen und an Wegrändern Fuß gefasst. Das Berliner Innenstadtklima begünstigt hier ihr Vorkommen. Die Art gilt in Berlin und Deutschland inzwischen als eingebürgert. Bisher sind keine negativen Auswirkungen auf die heimische Pflanzenwelt bekannt. Neophyten können in einer neuen Umgebung also durchaus ihre eigene ökologische Nische finden ohne andere Arten zu verdrängen.

Die nach der Blüte absterbende Sparrige Flockenblume verbreitet ihre Samen auf bemerkenswerte Weisen: Zum einen heften sich die Samen an Tiere und Menschen und werden so durch die Landschaft transportiert. Zum anderen ist die Art ein Steppenroller: die Mutterpflanze bricht dicht über dem Boden ab und wird durch den Wind verweht, wobei die Samen unterwegs ausfallen. Zur Keimung ist sie auf offene Standorte angewiesen.

Durch die Expansion konkurrenzstarker, ausdauernder Ruderalarten, wie z. B. Goldrute, Rainfarn und Landreitgras, wird die Sparrige Flockenblume verdrängt. Weitere Gefährdungen bestehen durch Baumaßnahmen sowie eine intensive Pflege von Grünflächen und Säumen, wodurch eine Blüte der sich ausschließlich über Samen vermehrenden Art verhindert wird. In den letzten 20 Jahren ist bereits ein Rückgang der Sparrigen Flockenblume in Berlin zu verzeichnen. Sie kommt nur noch an wenigen Stellen auf Bahngelände und in der unmittelbaren Umgebung vor, insbesondere in den Innenstadtbezirken. Daher gilt sie in Berlin als vom Aussterben bedroht.

 

Halten Sie die Augen offen! Vielleicht wächst die Sparrige Flockenblume ja am Rande Ihres S-Bahnhofs? Sollten Sie eines der seltenen Exemplare entdecken, informieren Sie bitte die Stiftung Naturschutz Berlin, am besten mit einem Fotobeleg. Vielen Dank!